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Galerie Schmela : Transatlantisch bis zur Nervenkrise

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Der Galerist Alfred Schmela (Mitte, Vollbart und Krawatte) inmitten seiner Künstler. Bild: --

Die Düsseldorfer Galerie Schmela machte nicht nur Beuys groß, sie holte auch die amerikanische Nachkriegsavantgarde an den Rhein. Wie, legt Schmela-Enkelin Lena Brüning in einer lesenswerten Studie dar.

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          Der Name der Galerie Schmela verbindet sich untrennbar mit der wohl berühmtesten Performance des 20. Jahrhunderts: „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“. Joseph Beuys zog damit im November 1965 ein Publikum in der Düsseldorfer Altstadt in den Bann, das sogar draußen vor der Tür stand und die denkwürdige Vorführung durchs Fenster verfolgte. 1971 eröffnete Alfred Schmela (1918 bis 1980) den ersten Neubau eines Galeriehauses in der Bundesrepublik, mit dem er den Architekten Aldo van Eyck beauftragt hatte; auch den Standort an der Mutter-Ey-Straße weihte er mit einer Beuys-Schau ein. Über das breit gefächerte Programm der Galerie seit ihrer Gründung 1957 hatte Karl Ruhrberg, Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, schon 1996 einen Bildband herausgegeben, der die Person des gelernten Hochbauingenieurs und Malers lebendig werden ließ und sämtliche Ausstellungen mitsamt Ausschnitten aus Rezensionen ebenso informativ wie kurzweilig auflistete.

          In einer umfangreichen Studie – ihrer Dissertation an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – konzentriert sich Lena Brüning jetzt auf Schmelas Interesse an amerikanischer Malerei, konzeptueller Kunst, Performance, Minimal Art und Pop-Art und analysiert die Rolle der Galerie im transatlantischen Kunsttransfer sowie der „Entwicklung des internationalen Kunstmarktes in den 1960er Jahren“. Maßgeblich trug Schmela dazu bei, den Abstrakten Expressionismus hierzulande als originäres Phänomen gegenüber dem europäischen Informel zu etablieren.

          Joseph Beuys in „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“, Galerie Schmela, Düsseldorf, 1965
          Joseph Beuys in „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“, Galerie Schmela, Düsseldorf, 1965 : Bild: © zeroonefilm/ bpk_StiftungSchloss Moyland_UteKlophaus

          Akribisch wertet die Autorin, Enkelin des Galeristen, dessen Archive aus, schildert anhand von Ausstellungen mit Werken etwa von Sam Francis, Morris Louis oder Kenneth Noland die oft schwierigen Geschäftsbeziehungen mit den Künstlern wie auch den amerikanischen Galerien, die andere Rahmenbedingungen boten. „Stärken und Schwächen der Galerieführung“ zeigten sich Brüning zufolge in der Zusammenarbeit mit dem in New York lebenden Japaner Shusaku Arakawa, dem Schmela die erste Einzelausstellung überhaupt widmete. Dank seiner Netzwerke konnte Schmela 1964 einem damals unbekannten Künstler aus dem Stand nicht nur diverse Verkäufe eröffnen, er bahnte auch Museumsausstellungen mit Katalog an wie im Brüsseler Palais des Beaux-Arts. Vertragliche Bindungen aber, wie sie in den Vereinigten Staaten üblich waren, wollte und konnte Schmela mangels Eigenkapitals nicht eingehen. Deshalb zerbrach die Verbindung mit Arakawa noch vor dessen Teilnahme an der Documenta 4 von 1968.

          In einer der interessanten Passagen schildert Brüning den Aufenthalt von Yvonne Rainer und Robert Morris in Düsseldorf, die Begegnungen der New Yorker Künstler mit Kollegen aus dem Rheinland, in deren Ateliers sie arbeiten konnten. Dabei erlitt die Performance-Künstlerin Rainer einen Nervenzusammenbruch: Die deutsche Sprache habe sie als „hart und abweisend“ wahrgenommen, „überall schien ihr der Nachklang des Nationalsozialismus allzu gegenwärtig“. Diese Begebenheiten reichern den sachlich-nüchternen Duktus des Buchs um persönliche Klangfarben an. Schmela war der englischen Sprache übrigens nicht mächtig, konnte sich aber auf die Kompetenz seiner Ehefrau Monika verlassen, auch bei der Organisation und Geschäftsführung. Ihre Anteile würdigt die Autorin gebührend. Schmerzlich vermisst man dagegen ein Namensregister, das bei einer Publikation wie dieser unverzichtbar ist.

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