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Leif Borges bei Schwind : Verträumt

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Leif Borges Werke vereinen eine realistische Malweise mit eklektischen Motiven. Dem Betrachter ist es überlassen, eigene Bedeutungen zu finden.

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          Mit durchdringendem Blick seziert ein Mann im knallroten Hoody seine Umwelt. Die Kapuze verschattet sein Gesicht. Ist der Mann ein Mönch? Leif Borges’ Gemälde sind Abbildungen der Realität, doch immer umweht sie eine Aura des Mystischen. Auch „Ich mit Kapuze“ aus diesem Jahr, ein Selbstporträt des 1988 in Hannover geborenen Künstlers, hat diese Ausstrahlung. Von 2009 bis 2015 studierte Borges in Leipzig. Die Galerie Schwind in Berlin widmet ihm, der zunächst als Comiczeichner arbeitete und sich stark an den Heroen der Neuen Leipziger Schule orientiert, die Ausstellung „Wachtraum“; der Titel passt perfekt. Nach der biologischen Definition sind Wach- oder Tagträume Zustände der Trance, in denen sich der Träumende des Traums bewusst ist, Phasen absoluter Phantasie. Erotisch und beängstigend zugleich ist „Tightrope“ (Seil) von 2019: Zwei nackte Frauen – genauer zwei Mal die selbe Frau – sind an ihrem linken und rechten Arm miteinander verschmolzen; die Verbindung ist irreversibel. Leidenschaft und Liebesschmerz zeigen sich in den Gesichtern der beiden Frauen; es ist ein Bühnenstück aus Manie und Anmut.

          Während einige der Gemälde Annäherungen an die menschlichen Phantasien sind, fangen andere Wahnsinn und visuelle Überforderung ein. „Stock im Kopf“ ist so ein Bild (4000 Euro). Es ist die Halbfigur einer jungen Frau, die den Betrachter energisch anschaut. Es ist aber kein normales Porträt; denn ein Ast bohrt sich in ihr linkes Ohr und tritt am rechten Ohr wieder aus. Die Szene wirkt so als Perversion und Anklage zugleich. Ganz offensichtlich spielt Borges mit der Vorstellungskraft seines Publikums. Im Bild „Staubsaugersoldat“ malt der Künstler sich selbst, als Ganzfigur, mit einer Malerschürze um, inmitten einer Wüste (11.300 Euro). In Händen hält er das Rohr des Saugers, der den Wüstensand nicht aufnehmen kann. Trotzdem suggeriert seine Körperhaltung die Bereitschaft zum unausweichlichen Angriff.

          Leif Borges geht radikal mit seiner eigenen Körperlichkeit um, so auch auf dem großen Format „Set“ von 2019 (5800 Euro). Es stellt ihn und eine Barbiepuppe auf einem Pferd dar, Schein und Sein vereint. Plastikpflanzen dominieren die Landschaft, vor einem dramatischen Himmel. Der Körper es Mannes ist menschlich, das Plastik der Puppe glänzt, und das Pferd sieht ebenfalls wie eine Spielfigur aus. Borges’ Bilder sind Momentaufnahmen. Die hypernarrative Malweise und eklektische Motivwahl überlassen die Betrachter ihren eigenen Assoziationen: Das ist der rote Faden, der seine Gemälde durchzieht.

          Bis zum 3. April. Der Katalog kostet 15 Euro.

           

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