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Kunstmessen in Wien : Jetzt ist die beste Zeit für Experimente

  • -Aktualisiert am

Lone Haugaard Madsen, „Raum #374-Geldgolb“, 2020, patinierter Bronzeguss der Wurzel eines Weinstocks, ca. 40 mal 50 mal 50 Zentimeter bei Sophie Tappeiner. Bild: Oliver Brenneisen/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Neue Kunstmessen mitten im Lockdown – in Österreichs Hauptstadt gibt es sie.

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          Im Corona-Lockdown eine neue Kunstmesse zu starten, klingt absurd. In Wien haben sich dennoch dreizehn Galerien zusammengetan, die mehr tun wollen, als auf bessere Zeiten zu warten. Vom 28. bis zum 31. Januar veranstalten sie die „Interconti Wien“, die in den Konferenzräumen des Hotels Intercontinental stattfinden soll. Angesichts der österreichischen Ausgangsbeschränkungen bis zum 8. Februar ist Publikumsbetrieb verboten, aber die Messe wurde von Anfang an auch als virtuelle Veranstaltung geplant.

          Bei der Vorbereitung habe man viel darüber diskutiert, was an den Online-Showrooms der Messen des vorigen Jahres so unbefriedigend war, erzählt der Galerist Emanuel Layr. Virtuelle White Cubes seien einfach zu wenig attraktiv, es brauche echte Orte, befanden auch seine Mitstreiterinnen Henrikke Nielsen und Sophie Tappeiner. Das gemeinsam entwickelte Messekonzept setzt auf künstlerische Einzelpräsentationen in besonderen Vitrinen. In den Hotelsälen werden zwei mal zwei Meter große Schaukästen aufgestellt, die der Wiener Designer Otto Prutscher um 1920 entworfen hat. Sie stammen aus dem Museum für angewandte Kunst in Wien und passen bestens zum üppigen Ambiente des Hotels. Bei Vitrinen in Hotels können leicht Assoziationen an Duty-Free-Artikel in der Lobby auftauchen. Allerdings bespielen ja Künstler wie Ernst Caramelle für die Galerie nächst St. Stephan oder die Boy Group Gelatin für Meyer Kainer die Kästen. Eine jüngere Generation wird von Galerien wie Gianni Manhattan, Vin Vin oder Sophie Tappeiner vertreten.

          Interviews und Impressionen

          Es sei ein Experiment, sagen die Initiatoren, und als solches nur durch die niedrige Teilnehmerzahl und die Begeisterungsfähigkeit vieler Helfer möglich geworden. Weil die Räume, das Display und die Transporte größtenteils gesponsert wurden, betragen die Teilnahmegebühren für die Galerien lediglich einige hundert Euro. Öffentliche Zuschüsse flossen in den Online-Auftritt. Die Internetversion der Boutique-Messe klingt vielversprechend: Dort stehen keine virtuellen Schaukästen auf dem Klick-Programm, sondern Video-Rundgänge, die mit Interviews und Impressionen aus der Wiener Kunstszene verknüpft werden. Für Gespräche mit den Galerien können exklusive Zeitfenster gebucht werden.

          Die Interconti Wien ist nicht die einzige Wiener Messe in diesem Jahr. Vor kurzem wurde die „Spark Art Fair“ angekündigt, die Renger van den Heuvel vom 6. bis zum 9. Mai aufziehen will. Als Geschäftsführer leitete der Niederländer von 2012 bis 2019 die „Viennafair“ in der Messe Wien und anschließend die „Viennacontemporary“ in der Marx-Halle. Nun macht er in der Marx-Halle seinem früheren Arbeitgeber Konkurrenz. Dem Vernehmen nach will die Spark Art Fair vieles umsetzen, was an der Viennacontemporary, die in diesem Jahr vom 26. bis zum 29. September geplant ist, kritisiert worden ist. Die Planung sieht gleich große Messekojen für alle vor, außerdem die Einbeziehung des Kunsthandels. Die 85 Teilnehmer sollen mit Einzelpräsentationen antreten. Das künstlerische Solo, das auf Vertiefung zielt, liegt also im Trend.

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