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Kunstmessen : Die Dame trägt antike Helden: Kunst und Antiquitäten bei der Ars Nobili in Berlin

Vierunddreißig Teilnehmer bieten auf der sechsten Berliner Kunst und Antiquitätenmesse „Ars Nobilis“ im Automobilforum Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße künstlerische Berlinensien an.

          Mit schöner Regelmäßigkeit auf die Kunstgeschichte Berlins und Brandenburgs rekurrierend, erfreuen die auswärtigen Teilnehmer der Messe „Ars Nobilis“ das heimische Publikum, dem die vormalige Residenz an der Spree ohnehin als Nabel der Welt gilt. Sobald etwas von Schinkel oder Menzel, ein KPM-Service oder eine Kette aus Berliner Eisen ins Blickfeld gerät, erwacht mit dem Lokalpatriotismus das Besitzstreben.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Vierunddreißig Händler bieten in diesem Jahr zum sechsten Mal im Automobilforum Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße ihre antiquarischen Berlinensien an. „Auf allerhöchsten Befehl“ des preußischen Königshauses 1840 als damals größte und teuerste Vasenversion der KPM angefertigt, wäre die „Münchner Sorte No 4 mit zwei Henkeln und couleurter schwebender Figur“ für 125 000 Euro bei Michael Nolte aus Münster zu erstehen. Praktischen Nutzwert verspricht ein dänischer Teetisch mit Fayenceplatte, den die Galerie von Negelein mit 38 000 Euro beziffert. 45 000 Euro kostet bei Helga Matzke (Grünwald/München) ein niederschlesischer Münzdeckelhumpen, 145 000 Euro bei Neuse (Bremen) ein silberner Tafelaufsatz in Form eines Jagdhorns.

          Bei den Gemälden fesselt eine großformatige Potsdam-Vedute von Wilhelm Barth, die bei Schlapka (München) 220 000 Euro kostet. Frank C. Möller aus Hamburg, in dessen Koje ein Klapptisch mit Spielbrett auf Schinkels innovative Überlegungen zu einem modernen Design hinweist, offeriert eine „Ansicht des Cavalierhauses in Sanssouci“ von Carl Gustav Wegener (1858, 128 000 Euro). Klaus Spindler, München, bietet für 55 000 Euro Carl Georg Hasenpflugs romantische „Ruinen aus Kloster Falkenried“ an, sein Kollege Ron Krausz Bilder der Münchner Schule mit exzentrischen Damenporträts von Lenbach und Stuck. Auf Zeichnungen konzentriert, will Martin Moeller, Hamburg, für 7800 Euro ein bildmäßiges Aquarell von Anton von Werner absetzen, das die Familie des Malers im Ostseebad Heringsdorf darstellt.

          Es müßte eigentlich teurer sein

          Glanzpunkte der Messe bilden abermals die Möbel. Das breiteste Angebot bietet die Kunsthandlung Christian Eduard Franke, Bamberg, die erstmals an der Ars Nobilis teilnimmt und mit einem reichintarsierten höfischen Kabinettschrank aus dem Umkreis von Gerrit Jensen für 330 000 Euro auftrumpft. Albrecht Neuhaus aus Würzburg hat ein flach gewölbtes Zylinderbureau des Mainzer Hof-Ebenisten Balthasar Hermann mitgebracht, das er für 125 000 Euro anbietet, „obwohl es eigentlich teurer sein müßte“.

          Die bühnenartige Mitte innerhalb eines Kranzes aus Kojen bespielt Titi Halle, Inhaberin der Firma Cora Ginsbury LLC aus New York mit zwölf historischen Roben, deren Spitzenexemplar 125 000 Dollar kosten soll, während die Preise für die attraktive Herrenoberbekleidung im Barock und Rokoko deutlich niedriger liegen. Die agile Händlerin aus der Neuen Welt betont, daß private Kunden in ihrem exklusiven Geschäftszweig keine Rolle spielen: „Wer kauft schon derart empfindliche, intensiver Pflege bedürftige Sachen?

          Was man nicht unbedingt braucht aber gerne hätte

          Wenn das Kostüm aus abgelebten Zeiten als Objekt der Kaufbegier wegfällt, bleibt immer noch die Möglichkeit, antiken Schmuck zu erwerben, den Almut Wager (München) in allen Varianten zwischen hochkarätig teuer und erschwinglich originell anbietet. Um 1830/35 entstanden ist eine Geldbörse aus geflochtenem Eisendraht mit einem aus Elfenbein geschnitzten Hund auf der Schauseite (2200 Euro). Für den Hals der geschichtsbewußten Dame empfiehlt sich ein Collier mit Reliefs antiker Porträtköpfe, das mit 6200 Euro zu Buche schlägt.

          Wer eine Kleinigkeit mehr anlegen kann, greift vielleicht zu einem Art-déco-Armband, das bei Ulf Breede (Berlin) ausliegt und für 55 000 Euro ein erlesenes Zusammenspiel von Saphiren, Smaragden, Brillanten und Amethysten bietet. Was man nicht unbedingt braucht, aber doch gern besitzen würde, sind Objekte aus der Kunstkammer des Münchners Georg Laue, etwa die zierliche Tazza aus Lapislazuli für 24 000 Euro. Als Accessoires für den Opernbesuch empfehlen sich die bemalten Fächer bei Ursula Dukek (Oberstaufen), zur Waldwanderung die „feinen alten Spazierstöcke“ bei Basedau (Hamburg) und zur Aufnahme herbstlichen Blütenflors französische und italienische Glaskunstwerke bei Schürenberg (Aachen).

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