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Frieze Los Angeles : Eine andere Show in den Filmstudios

  • -Aktualisiert am

Die erste Ausgabe der Frieze Los Angeles will in der riesigen Stadt Energien für die zeitgenössische Kunst bündeln. Die Messe ist immerhin ein Anfang.

          Wegen ihrer vielen Künstler aus Los Angeles habe sie vor drei Jahren eben hier eine Dependance aufgemacht und nicht in New York, sagt Monika Sprüth. Die räumliche Nähe stärke die Zusammenarbeit, auch wenn sich der ökonomische Ertrag schwieriger gestalte als an der Ostküste. Einer der Künstler, den die Galerie Sprüth Magers seit langem vertritt, ist Sterling Ruby. Eine Ausstellung des Amerikaners hat gerade eröffnet – in der Galerie am Wilshire Boulevard, direkt gegenüber dem Los Angeles County Museum. Die Schau ist sehenswert, besonders der dystopische Schwarzweißfilm „Verdammnis“, den Ruby im Helicopter gedreht hat: Zur Tonspur einer von ihm selbst getrommelten Percussion wechseln Bilder einsamer kalifornischer Topographien mit Aufnahmen sämtlicher 35 Gefängnisse, die im Bundesstaat Kalifornien in Betrieb sind. „Damnation“ zeigt sie in einer Typologie zum Thema Überwachen und Strafen. Kaum eine zivilisierte Gesellschaft bringt so viele Menschen hinter Gitter wie die amerikanische, was Ruby in einem aufwendigen, opulenten und eindringlichen Film dokumentiert und damit über eine tagespolitische Aktualität hinausgeht (30 Minuten, Auflage 3; 200.000 Dollar).

          Bei allen Künstlern, Akademien, Museen und jüngst hinzugekommenen Galerien in Los Angeles: Was bislang fehlt, so heißt es unisono, ist das Ereignis, das die Leute einmal auf einen Schlag in die riesige Stadt zieht, Energien und Gespräche über zeitgenössische Kunst bündelt. Es passt wohl in die Zeit, dass diesem Mangel wenn nicht eine Biennale, dann eine Messe abhelfen soll – Auftritt für die Frieze Art Los Angeles. Die in London ansässige Messe mit Ableger in New York hat für ihr kalifornisches Debüt siebzig Galerien eingeladen und ihr, ganz buchstäblich, Zelt in den Paramount Pictures Studios aufgeschlagen. Der aufgeräumt wirkende Auftakt versammelt jede Menge potenter Galerien namentlich aus New York und London, nur gerade vier aus Deutschland. Das Debüt schiebt mit fast einem Drittel einheimischer Teilnehmer aber vor allem die lokale Szene ins Rampenlicht. Fraglos eignet dem gediegenen Parcours eine angenehme Größe für einen Besuch, der nicht nur von Koje zu Koje zu hasten gedenkt.

          Nicht unbedingt subtil, aber heftig

          Es sind die kleineren Aussteller, die in Los Angeles junge Kunst propagieren und eingangs der Messe mit interessanten Arbeiten aufwarten; wie zum Beispiel Park View, unter den jüngeren Ausstellern eine wichtige Stimme. In kontinuierlicher Recherche sammelt Mark A. Rodriguez Tonbandkassetten von Konzerten der kalifornischen Band Grateful Dead und stapelt sie in minimalistischer Manier, womit er der Kultband und ihren Tausenden Live-Gigs ein Denkmal setzt. Schon früh hatten Grateful Dead Mitschnitte bei ihren Auftritten gestattet; die Beschriftungen auf den Hüllen lesen sich als endlose Tourdaten (zwei wandgroße Regale kosten 50.000 und 55.000 Dollar; beide bei der Eröffnung verkauft). Bei The Box hängt eine rasch hingeworfene Zeichnung von Paul McCarthy, die, nicht unbedingt subtil, aber heftig gegen Trump polemisiert (20.000 Dollar). Daneben macht sich Société aus Berlin gut mit Werken unter anderen von Bunny Rogers, die soeben im Zollamt des Frankfurter Museums für Moderne Kunst gezeigt wird: Ein gedoppelter Neonschriftzug „Rx“, formal in der Tradition von Bruce Nauman, steht nicht nur für verschreibungspflichtige Medikamente, er symbolisiert das ausufernde Drogenproblem in den Vereinigten Staaten (Preise für Arbeiten von Bunny Rogers bis 35.000 Euro).

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