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Frieze Los Angeles : Eine andere Show in den Filmstudios

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Gefällig erscheinen dagegen die nach Fotos entstandenen Gruppenporträts der Französin Claire Tabouret in der Koje der Night Gallery; auch sie gilt als Motor der jüngeren Kunstszene in Los Angeles. Von hier aus spannt sich der Bogen, auch preislich gesehen, zu den besonders einflussreichen kalifornischen Künstlern der älteren Generation wie Mike Kelley, dessen „Unisex Love Nest“ von 1999 die Galerie Hauser& Wirth, auch sie mit einer Dependance in Los Angeles, für 1,8 Millionen Dollar an einen europäischen Sammler vermittelt hat. Kelley hatte ein Kinderzimmer nach einer Anzeige in einem Frauenmagazin mit sehr rückständigem Weltbild gestaltet und damit eine Erziehung traktiert, die auf Verniedlichung und moralische Belagerung von Heranwachsenden hinausläuft – und unter der er selbst wohl zu leiden hatte.

Mehrere Galerien bieten Werken der sechziger und siebziger Jahre eine Bühne, denen heute mehr Wertschätzung entgegenkommt als zu ihrer Entstehungszeit. Wie den Bildern von Judy Chicago aus den Jahren um 1970, als die Künstlerin in Los Angeles war. Jeffrey Deitch bietet die leuchtenden Farbzeichnungen und mit Lack gesprühten Großformate an (Preise von 35.000 bis 650.000 Dollar). Diese Werke atmen einen echten kalifornischen Geist von „Finish Fetish“ und von „Light and Space“ der damaligen Zeit. Und wer sich heute in den Galerien in West Hollywood umtut, landet bei Deitch in der aufwendigen und exzentrischen Schau „People“, einem Panoptikum von fünfzig lebensgroßen Figuren, die die Vielfalt gegenwärtiger Skulptur verkörpern sollen. Bei Almine Rech aus New York haben zarte, wie Aquarelle anmutende Acrylbilder der Malerin Vivian Springford (1913 bis 2003) bereits Abnehmer gefunden (Preise bis 75.000 Dollar).

Umso muskulöser erscheint einen Stand weiter ein kapitales „T-Corner Prop“ von Richard Serra bei Lévy Gorvy, ebenfalls aus New York: Die Skulptur aus zwei schweren Corten-Stahlbalken von 1990/93 schlägt mit 2,75 Millionen Euro zu Buche, und der Galerist gibt im Brustton der Überzeugung zu verstehen, dass er für diese Arbeit bis Sonntag einen Abnehmer gefunden haben werde. Kalifornisches Licht durchströmt schließlich die Farben von André Butzer, der sich in Altadena nördlich von Los Angeles angesiedelt hat und dort plein air malt: Bei Metro Pictures aus New York hängt ein Bild mit Figur in dem ihm eigenen neoexpressionistischen Stil (85.000 Dollar). Eine Ausstellung mit jüngsten Werken widmet Butzer zudem in Hollywood die Nino Mier Gallery unter dem Titel „Goethe komischer Mann“ (Preise bis 120.000 Dollar).

Die Paramount Pictures Studios mögen schon größeres Kino erlebt haben als eine der vielen heutigen Messen für Gegenwartskunst. Die Frieze LA lässt es sich aber nicht nehmen, mit einigen Interventionen auf die Kulissenwelt überzugreifen. Deren Fassaden muten verblüffend an, manche sind Straßenzügen aus New York nachempfunden; so macht Trompe-l’œil Spaß. Eigentlich schön die Idee der Künstlerin Trulee Hall: eine grüne Schlange durch die Fenster von innen nach außen nach innen wachsen zu lassen – und so das ganze Gebäude zur Skulptur in einem Horrorstreifen zu machen. Doch leider wird der surreale Anblick durch Imbisszelte verstellt, die offenbar wichtiger sind. Solche Patzer könnte Hollywood sich nicht leisten. Aber es gibt auch gelungene Ecken. Hinter einer Haustür lebt ein legendärer Club aus New York wieder auf, es werden Drinks serviert in „Max’s Kansas Bar“, Treffpunkt einst von Andy Warhol, John Lennon und David Bowie, inzwischen, unter der Leitung der ehemaligen Barkeeperin Yvonne Sewall, eine gemeinnützige Stiftung für bedürftige Künstler. Während der Frieze versteigert Ms. Sewall Memorabilia und Fotos von damals, die von ehemaligen Stammgästen beigesteuert werden – für kleines Geld, das gut angelegt ist.

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