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Kunstmesse CHART : So feiern die Skandinavier

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Die skandinavisch ausgerichtete CHART verfolgt eine andere Strategie. Getragen von der Stadt sowie privaten Stiftungen, reinvestiert sie Gewinne und bespielt wie gewohnt die Kunsthalle Charlottenborg, einen historischen Komplex, in dem die Kunstakademie untergebracht ist. 38 geladene Galerien finden zu moderaten Mieten mit locker ineinander greifenden Ständen Platz, die vor al­lem heimische Besucher und solche aus dem näheren Europa zum Flanieren einladen. Den größten Anteil stellen dänische und schwedische Aussteller, den kleineren Norweger, Finnen und Isländer. Aus Berlin sind Persons Projects und Dorothée Nilsson angereist, aus Wien Croy Nielsen. Lokal, genügsam, persönlich, nachhaltig: Mit diesem Profil grenzt sich die CHART auch von der außerhalb in Kopenhagen stattfindenden jüngeren und global ausgerichteten Konkurrenz En­ter Art Fair ab.

In der Kunsthalle Charlottenborg am Nyhavn ist die Ausgelassenheit des Tivolis weit fort. Im Vergleich zum mit Debatten aufgeheizten Kunstbetrieb andernorts ist das ein deutlicher Temperaturunterschied und spiegelt das Interesse heimischer Sammler. Malerei dominiert, von figurativ bis abstrakt, oft in sanften, pastellig-lichten Tönen, von der Natur inspiriert, organisch anmutend oder mit einer Wendung ins Phantastische. Susanne Ottersen (Ko­penhagen) zeigt zwei großformatige, mit myzelartigen Strukturen überzogene Ar­beiten des in Braunschweig lehrenden nor­wegischen Malers Olav Christopher Jenssen (310.000 bis 675.000 Euro). Von farbstarker Wucht sind die mit Ölfarbe verkrusteten Gemälde Ida Ekblads bei Peter Lund (Oslo). Ihre expressiv-abs­trakten Darstellungen von Vegetation (70.000 Euro) waren prompt verkauft. Pudrig wirken die weibliche Körperformen aufnehmenden Landschaften der in Los Angeles lebenden schwedisch-chinesischen Künstlerin Camilla Engström bei Carl Kostyál. Hilma af Klint oder Georgia O’Keeffe könnten Patinnen der Autodidaktin sein (Preise auf Anfrage).

Persons Projects setzt mit Milja Laurila einen dekolonialen Akzent. Die Finnin ver­birgt Körper von Afrikanerinnen, die im vorvergangenen Jahrhundert nackt von Europäern fotografiert wurden, hinter halbtransparentem Papier und spart die Augenpartie aus: Die Blickverhältnisse kehren sich um (Editionen von 5, Preise auf Anfrage). Die Last digitaler Dauerbeschäftigung thematisiert Sofia Hultén bei Nordenhake (Berlin, Stockholm, Mexico-City) mit gigantischen iPhones an Bauketten (Preis auf Anfrage). Und der Argen­tinier Tomás Saraceno, der 2018 im Pariser Palais de Tokyo aufspielte, lässt bei Andersen’s (Kopenhagen) aufs Neue Stifte, an Gasballons bewegt, Gespinste zeichnen (zwischen 25.000 und 30.000 Euro).

Zum zweiten Mal ist der CHART eine Buchmesse angeschlossen; zudem gibt es einen Wettbewerb zu „grüner“ Architektur. In den mit Kunst bestückten Hallen versammelt die Messe bei einem ausgeglichen Geschlechterverhältnis viel Poetisches, kaum Videokunst, dafür manch ab­gründiges Fabelwesen. Emma Helle ist mit skizzenhaft aufgebauten, floral wu­chernden Frauenfiguren aus glasiertem Steingut im Stil eines Neo-Rokokos dabei (ab 5500 Euro). Die Galerie Forsblom (Helsinki) zeigt die Plastiken an ihrem Stand: Wesen aus einer nordischen Zauberwelt.

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