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Messe Art Paris : Wachstumsraum für Gegenwartskunst

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Digitale Collage der deutschen Künstlerin Alina Frieske, „Folding“, 2022, Archivdruck auf Barytpapier, 100 mal 80 Zentimeter, Preis auf Anfrage bei der Galerie Fabienne Levy Bild: Galerie Fabienne Levy

Der Andrang groß, das Angebot jung, der Schwerpunkt ökologisch: Mit der Art Paris, der Messe für Gegenwartskunst und Nachkriegsmoderne, zeigt sich die Kunststadt Paris voller Elan.

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          Auch in Frankreich hat die Pandemie Galerien und Künstlern zugesetzt. Der dynamischen Entwicklung von Paris als Kunststadt hat die Krise allerdings keinen Abbruch getan: Erst kürzlich hat die Kunstmesse Art Basel mit einem neuen, „Paris+“ getauften Ableger die wichtigste Kunstmesse FIAC vom Marktplatz gedrängt. Auch Art Paris, die Frühjahrsmesse für zeitgenössische Kunst und Nachkriegsmoderne, die sich als regionaleres Pendant mit weniger hochfliegenden Preisen positioniert, profitiert von diesem Elan. Noch dazu ist es ihr durch die geschickte Leitung von Guillaume Piens gelungen, aus der Pandemie gestärkt hervorzugehen.

          Wegen des durcheinandergewirbelten Messekalenders hatte die letzte Ausgabe im vergangenen September stattgefunden und konnte das Grand Palais Éphémère einweihen. Trotz der Nähe zur großen Herbstmesse im Oktober hatten einige mächtige internationale Galerien – Perrotin, Lelong & Co, Massimo de Carlo, Kamel Mennour oder Galleria Continua – plötzlich auf Art Paris gesetzt und zum ersten Mal teilgenommen. Sie sind nach einem Rekord von fast 73.000 Besuchern zur derzeitigen 24. Ausgabe zurückgekehrt, mit weiteren namhaften Galerien im Schlepptau, etwa Max Hetzler, Xippas, Pietro Spartà oder Brame & Lorenceau. Auch französische Galerien, deren Programm zuvor mit Art Paris weniger vereinbar schien, wie gb agency, Christophe Gaillard oder Catherine Issert, sind diesmal dabei. Guillaume Piens lässt wissen, dass es 300 Bewerbungen gab – so viele wie nie zuvor.

          Camille Henrot`s, „Y Woman“, 2021, Bronze, 100 mal 60 mal 35 Zentimeter, 90.000 Euro bei der Galerie Kamel Mennour
          Camille Henrot`s, „Y Woman“, 2021, Bronze, 100 mal 60 mal 35 Zentimeter, 90.000 Euro bei der Galerie Kamel Mennour : Bild: Galerie Kamel Mennour

          Bei 130 Ausstellern liegt der Schwerpunkt – gut 60 Prozent – auf französischen Galerien. Kamel Mennour (Paris, London) zeigt Gemälde und Skulpturen der Künstlerin Camille Henrot, die in den letzten Jahren in internationalen Ausstellungen zu sehen war. Ihre surreal-symbolische Skulptur „Y Woman“ in violett, rosa und grün schillernder Bronze kostet 90.000 Euro. Die deutsche Malerin Raphaela Simon interessiert sich neuerdings für die plastische Arbeit an der Figur – mit Humor. Sie kreiert Stoffpuppen und lässt durch das Outfit schräge Typen entstehen. Bei Max Hetzler (Berlin, Paris, London) wird man von einem kuriosen „Model mit Hut“ im Männerhemd und Rüschenrock begrüßt (zwischen 20.000 und 25.000 Euro). Art Paris ist eine Messe für ein breiteres Sammlerpublikum aus Frankreich und den Umländern, es gibt kaum Konzeptkunst, Installationen oder überdimensionale Formate. Claude Bernard (Paris) macht mit einem Solo der amerikanischen Textilkünstlerin Sheila Hicks Furore (32.000 bis 650.000 Euro).

          Jean-Charles Blais, „Sans titre“, 2020, Öl und Bleistift auf zerrissenem Plakat, 195 mal 137 Zentimeter, Preis auf Anfrage bei der Galerie Catherine Issert
          Jean-Charles Blais, „Sans titre“, 2020, Öl und Bleistift auf zerrissenem Plakat, 195 mal 137 Zentimeter, Preis auf Anfrage bei der Galerie Catherine Issert : Bild: Galerie Catherine Issert

          Catherine Issert (Saint-Paul-de-Vence) zeigt Gemälde von Jean-Charles Blais, der auf ausrangierte Poster malt und den Untergrund durchschimmern lässt: melancholische Silhouetten, die wie unschlüssig vor einer Weite stehen (3000 bis 34.000 Euro). Bei Fabienne Levy (Lausanne) fällt die junge deutsche Künstlerin Alina Frieske auf. Sie arbeitet mit Fotos aus dem Internet, die sie digital zu neuen Werken collagiert (4500 bis 9000 Euro). Die fotografischen Abzüge wirken wie Malerei. Ähnlich geht der chinesische Künstler Du Zhenjun vor, der von der Frankfurter Galerie Red Zone vertreten wird. Seine Bilder erinnern an Hieronymus Bosch (eine Fotografie aus seiner Kolosseum-Serie: 12.500 Euro).

          Bei der Galerie Sono: Vincent Laval, „Ce qui reste I“, 2022, Bronzegong und Holzbalken, 220 mal 220 mal 18 Zentimeter, 24.000 Euro
          Bei der Galerie Sono: Vincent Laval, „Ce qui reste I“, 2022, Bronzegong und Holzbalken, 220 mal 220 mal 18 Zentimeter, 24.000 Euro : Bild: Galerie Sono

          In diesem Jahr stehen bei Art Paris in zwei Sektionen die Themen „Naturgeschichten“ und „Kunst und Nachhaltigkeit“ im Vordergrund, die vom Kunsthistoriker Alfred Pacquement und der Kuratorin Alice Audouin ausgerichtet werden. Der 2005 gestorbene Künstler Gilles Aillaud malte immer wieder eingesperrte Tiere (bei Loevenbruck, Paris, 100.000 bis 300.000 Euro). Eva Jospin arbeitet mit Karton, aus dem sie monumentale Waldreliefs fertigt. Neuerdings schafft sie Skulpturen mit imaginären Gartenarchitekturen (bei Suzanne Tarasiève, Paris, 30.000 bis 45.000 Euro). Auf andere Weise subtil ist die Arbeit von Dove Allouche, der in geschliffenen Holzrahmen gelagerte Bildobjekte herstellt, bei denen Fotografien von kaum sichtbaren Strukturen – Sporen etwa – mit mundgeblasenem, sanft farbig schillerndem Glas überlagert werden (bei gb agency, Paris, 19.800 Euro). Die erst seit neun Monaten bestehende Galerie Sono (Paris) hat sich auf Umweltthemen spezialisiert. Sie zeigt Skulpturen von Vincent Laval, die aus der Natur und pflanzlichen Formen entstanden sind: in Bronze gegossene Fruchtbecher von Kastanien (je 500 Euro) oder Plastiken aus Baumgeäst (ab 6000 Euro).

          Art Paris, Grand Palais Éphémère, Paris, bis 10. April, Eintritt 30 Euro

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