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Arco Madrid : Die Sammler zieht es nach Madrid

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Miquel Barceló, „Ostinato“, 2018, 190 mal 270 cm, Mischtechnik auf Leinwand, Galería Elvira González, 445 000 Euro Bild: Enrique Lejarraga/Galería Elvira González

Anziehungspunkt Arco: Die spanische Messe für Gegenwartskunst bleibt attraktiv und facettenreich

          Viel Malerei und Skulptur, weniger Fotografie, kaum noch Video: die 28. Arco in Madrid ist eine sinnliche Angelegenheit, farbenfroh und großzügig. Wie üblich ist das Angebot von diesmal 203 Galerien aus 31 Ländern gemischt, aber es ergeben sich hübsche Zusammenspiele: so, wenn Rosemarie Schwarzwälder aus Wien ganz frische Großformate der Tschechin Luisa Kasalicky anbietet (14.200 Euro) und gegenüber bei der Madrider Galerie Leandro Navarro zwei kleine Papierarbeiten von Kurt Schwitters (200.000 und 250.000 Euro) die zwanziger Jahre heraufbeschwören. Sie gehören zu den musealen Stücken der Messe, wie sie auch die Galerie Mayoral aus Barcelona bereithält, mit hochkarätigen Arbeiten von Antonio Saura („Grand CuréII“ von 1960, 390.000 Euro), Manolo Millares (450.000 Euro), Eduardo Chillida und Antoni Tàpies. Bei Marlborough hängt ein Selbstporträt mit Spiegel von Manolo Valdés aus dem Jahr 2017 (390.000 Euro). Dort zeigt das Acrylbild „Aspekte“ von Juan Genovés von 2018 (222.000 Euro) ein Gewusel vieler Menschen und setzt so die Messe, die schon in den ersten Stunden sehr gut besucht war, ins richtige Bild.

          Zeitgenössisch geht es auch beim Doppel-Stand von Heinrich Ehrhardt aus Madrid und Bärbel Grässlin aus Frankfurt zu. Ehrhardt hat schon eine große Arbeit von Secundino Hernández an die Stiftung Masaveu verkauft (für 150.000 Euro). Das drei mal 5,50 Meter große Werk ist aus kleinen Leinwänden zusammengenäht; die weiße Farbe wurde stellenweise mit einem Druckwasserstrahl von der Leinwand gespritzt. Grässlin hat, unter anderen, Absolventinnen der Städelschule in Frankfurt mitgebracht, die sie in ihrer „Filiale“-Dependance vertritt, etwa Rachel von Morgenstern und Laura Schawelka. Bereits abgegeben hat Grässlin Arbeiten von Imi Knoebel (Preise 13.000 bis 20.000 Euro), die von den Sammlern sehr geschätzt werden.

          Ein spanischer Meister

          Gegenüber bei der Madrider Galerie Elvira González findet sich wieder ein spanischer Meister: Miquel Barceló mit seinem blauen Meerbild „Ostinato“, das für 445.000 Euro zu haben ist. Edward Tyler Nahem aus New York ist seit 2014 nicht mehr auf der Arco gewesen: zur Feier der Rückkehr hat er ein saftiges gelbes Querformat „Jaune avec trous“ von Barceló (457.000 Euro) mitgebracht.

          Bei Lelong, Paris und New York, ist der Alabasterkopf „Minna“ von Jaume Plensa schon verkauft; seine bronzene Figur „Grace“ (350.000 Euro) hockt noch am Stand. Verkauft hat die Galeristin Helga de Alvear, Madrid, „Loose Fit (Pink Orange)“ von Ángela de la Cruz (58.000 Euro); bei Thomas Schulte aus Berlin stehen mehrere zerbeulte Alu-Kästen der Künstlerin (75.000 Euro). Alvear hat sich vor allem auf den Münchner Künstler Julian Rosefeldt konzentriert: Fotos der Filminstallation „Manifesto“ mit Kate Blanchett (je 16.000 Euro), die unikate Installation aus Pferdedecken und Video „Das Wort ist immer die Avantgarde der Aktion“ (150.000 Euro), das Video „The Swap“ (Auflage 6+2HC; 80.000 Euro). Bei Forsblom aus Helsinki lehnt eine nach dem Vorbild Berninis geschnitzte „Teresa“ von Stephan Balkenhol an der Wand (90.000 Euro). Die Frankfurter Galerie Anita Beckers lockt mit einem „Tafelobjekt“ aus poliertem Interferenzlack von Willi Silber (18.500 Euro), das je nach Blickwinkel in Braun oder Grün leuchtet.

          Ángela de la Cruz, „Loose Fit (Pink Orange)“, 2018, 135,5 mal 143 mal 43 cm, Öl und Akryl auf Leinwand, Galería Helga de Alvear, für 58 000 Euro verkauft.

          Die aktuelle Arco leiten Carlos Urroz, der nach neun Jahren seinen Abschied nimmt, und Maribel López, die die Messe künftig organisiert. López hat in Barcelona und Berlin Galerien und Projekte geleitet, bevor sie 2011 auf der Arco die Sektion „Opening“ startete, ein Programm mit jungen Galerien, die nicht länger als sieben Jahre im Geschäft sein dürfen und frische Talente anbieten. Auch die Sektion „Diálogos“, bei der Arbeiten von je zwei Künstlern miteinander korrespondieren, war ihre Idee.

          Auch diesmal wurden wieder dreihundert öffentliche und private Sammler nach Madrid eingeladen. Gastland ist Peru; fünfzehn Galerien zeigen peruanische Gegenwartskunst: wie dekorative Gewebe und Verstrickungen mit Fotografien von Ana Teresa Barboza (von 7000 Euro an) oder eine Aufarbeitung der Kolonialzeit von Sandra Gamarra, zu sehen in der Madrider Galerie Juana de Aizpuru. Dort wurde ein großes Gemälde von Albert Oehlen gleich in der ersten Stunde verkauft (250.000 Euro). Der Peruaner Fernando Bryce ist mehrfach mit seinen Collagen aus gerahmten Zeichnungen im Plakatstil vertreten: Zum Beispiel hat die Galerie Alexander and Bonin aus New York ein Ensemble über die „Neue Kunst“ in Lateinamerika im Angebot (76.000 Dollar), und Barbara Thumm aus Berlin schmückt eine Wand mit der Serie „Auf frischer Tat (Caught Red Handed)“ von 2018 (95.000 Euro), die aus dem Archiv des Berliner Naturkundemuseums entstand.

          Politische Provokation fehlt auch in diesem Jahr nicht. Die beiden Querulanten Santiago Sierra und Eugenio Merino – Letzterer hatte vor Jahren den Diktator Francisco Franco in einen Cola-Automaten gestellt – haben sich zusammengetan und in Valencia eine „Falla“-Figur aus Pappmaché in Auftrag gegeben, wie sie beim Frühlingsfest dort verbrannt wird. Sie ist in der Galerie Prometeo aus Mailand für 200.000 Euro angeboten – und muss innerhalb eines Jahres verbrannt werden. Das Problem: Es ist eine vier Meter hohe Puppe des spanischen Königs.

          Carlos Urroz, der die Messe durch die harten Jahre der Finanz- und Wirtschaftskrise gesteuert, sie nach Portugal exportiert und zum Anziehungspunkt für nationale und internationale Sammler gemacht hat, verabschiedet sich zufrieden: „Vielseitig, nachhaltig und sexy“ sei die Arco geworden. Der Erfolg gleich am ersten Tag scheint ihm recht zu geben.

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