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Kunstmarktreport : Die Zahlen des Jahres 2018

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Der Kunstmarktreport verrät: Sotheby’s, Christie’s und Phillips können zufrieden sein.

          Im Jahr 2018 wurde von Galerien und Auktionshäusern weltweit Kunst im Wert von rund 67,4 Milliarden Dollar vermittelt; das sind sechs Prozent mehr als 2017. So meldet es kürzlich der dritte, von der Messe Art Basel and der Schweizer Großbank UBS herausgegebene „Art Market Report“. Die global agierenden Auktionshäuser Christie’s, Sotheby’s und Phillips trugen signifikant zu diesem Umsatz bei.

          Sotheby’s, das an der New Yorker Börse notierte Unternehmen, setzte im vorigen Jahr 6,4 Milliarden Dollar um: ein beachtlicher Anstieg um sechzehn Prozent gegenüber 2017. Allein 5,3 Milliarden Dollar davon wurden durch Auktionen erwirtschaftet; Privatverkäufe trugen eine Milliarde zum Umsatz bei, ein Anstieg um 37 Prozent. Eine Milliarde des Gesamtumsatzes wurde mit Auktionen in Asien umgesetzt. Sotheby’s investierte 2018 viel Kapital in neue Technologien, was zwar am Gewinn zehrte, sich aber mit dem Anstieg des Umsatzes durch reine Online-Auktionen – um das Vierfache, auf insgesamt 72,1 Millionen Dollar – bereits ausgezahlt hat. Inklusive der Zuschläge an Internetbieter bei Auktionen im Saal wurden 37 Prozent aller Lose im Gesamtwert von 220,4 Millionen Dollar online verkauft. Eine starke Online-Präsenz ist auch unverzichtbar bei der Anwerbung von Neukunden: Sotheby’s verzeichnete 2018 rund 10000 Neuzugänge; deutlich mehr als die Hälfte bot online mit.

          Spitzenlose kamen das Unternehmen teuer zu stehen

          Trotz des höheren Jahresumsatzes fiel für Sotheby’s 2018 der Nettoerlös von 118,8 auf 108,6 Millionen Dollar; im Jahr 2016 war er allerdings mit 74,1 Millionen Dollar noch deutlich niedriger. Und 2018 hatte Sotheby’s ein paar schmerzhafte Auktionsrückgänge zu verkraften. Vor allem zwei Spitzenlose kamen das Unternehmen teuer zu stehen, weil sie nicht die erhofften Preise erzielten: Es handelt sich um Amedeo Modiglianis „Nu couché (sur le côté gauche)“, der im Mai in New York mit 157,2 Millionen Dollar zwar den höchsten Preis erzielte, der je bei Sotheby’s in einer Auktion bezahlt wurde – jedoch hinter dem Betrag, den man dem Einlieferer vertraglich garantiert hatte, zurückblieb. Der externe Garantiegeber bezahlte den Hammerpreis; das Auktionshaus musste für die Differenz aufkommen und machte mit dem Bild, nach zusätzlichen Vermarktungskosten, einen Verlust. Teuer kam auch Picassos mit einer externen Garantie versehenes Gemälde „Buste de femme de profil (Femme écrivant)“ von 1932, das im Juni 2018 in London für 36,1 Millionen Dollar vermittelt wurde – fast zehn Millionen unterhalb der Erwartung. Sotheby’s hatte dem Einlieferer auch hier eine höhere Summe versprochen, um sich das Werk zu sichern. Solche Rückschläge durch kostspielige Garantien wirken sich negativ auf die „Auction Commission Margin“ (ACM) aus, die den Gewinn durch Auktionen anzeigt. Sie fiel 2018 von 17,2 auf 16,1 Prozent, ein signifikanter Rückgang; in den Jahren 2014 und 2015 hatte sie allerdings unter fünfzehn Prozent gelegen.

          Christie’s konnte 2018 mit sieben Milliarden Dollar seinen besten Jahresumsatz jemals erzielen; das sind sieben Prozent mehr als 2017. Davon wurden 6,3 Milliarden durch Auktionen erwirtschaftet und 653,3 Millionen durch Privatverkäufe. Das starke Ergebnis ist nicht zuletzt dem Verkauf der Sammlung von Peggy und David Rockefeller zu verdanken, die im Mai in New York mit insgesamt 835 Millionen Dollar den höchsten Umsatz für eine Privatsammlung jemals einspielte. Der „Rockefeller-Faktor“ war auch für den Anstieg des Beitrags der amerikanischen Sammler zum Jahresumsatz von Christie’s verantwortlich, der 39 Prozent ausmachte. Verkäufe an asiatische Kunden stiegen um acht Prozent auf ein Viertel aller Verkäufe überhaupt, trotz der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China. Der Umsatz, der durch Verkäufe an Kunden in Europa und im Mittleren Osten registriert wurde, fiel dagegen um acht Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar, die 36 Prozent zum Verkaufserlös beitrugen. Auch bei Christie’s sieht man genau auf die so wichtige Zahl der Neukunden: Sie sorgten für 32 Prozent des Jahresumsatzes 2018. Von ihnen kamen 41 Prozent über Online-Sales ins Haus; fast ein Viertel aller Neukunden waren Asiaten.

          Das kleinere, auf zeitgenössische Kunst spezialisierte Auktionshaus Phillips holte in den vergangenen Jahren deutlich auf und konnte ebenfalls sein bisher bestes Ergebnis vorlegen. Um stattliche 29 Prozent wuchs der Jahresumsatz – und nähert sich mit 916,5 Millionen Dollar der Eine-Milliarde-Grenze. 2017 hatte der Umsatz bei 708,8 Millionen Dollar gelegen, 2014 noch bei 400 Millionen. Zu diesem Ergebnis trugen die Auktionen insgesamt 794,3 Millionen Dollar bei. Hinzu kommen 122,2 Millionen durch Privatverkäufe, ein Anstieg um 46 Prozent. Phillips vermittelte 2018 sein teuerstes Werk jemals: Picassos „La Dormeuse“ aus dem Jahr 1932 trug allein 57,8 Millionen Dollar zum Umsatz bei – ein Coup, der sich nicht so leicht wird wiederholen lassen. Der CEO von Phillips, Edward Dolman, erklärte das Wachstum seiner Firma auch mit dem intensivierten Engagement in Asien, darunter das Auktions-Debut und ein neuer Firmensitz in Hongkong, sowie mit der Entscheidung, neben zeitgenössischer Kunst, Schmuck, Uhren und Design auch ausgewählte Kunst der Moderne in das Angebot aufzunehmen.

          Was sich im aktuellen Jahr 2019 positiv auf den Umsatz auswirken sollte, ist die Anhebung der für Käufer anfallenden Gebühren bei allen drei Auktionshäusern, die im Februar erfolgte. Den Brexit sieht man gelassen, doch andere Faktoren – wie die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China und das Zinsniveau auf den globalen Kapitalmärkten – könnten einen signifikanten Effekt haben. Bisher ist 2019 erfolgversprechend angelaufen, mit soliden Ergebnissen bei den Prestigeauktionen Ende Februar und Anfang März in London. Der nächste große Markttest sind die Mai-Auktionen mit Moderne und Zeitgenossen in New York.

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