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Österreichischer Kunstmarkt : Fünf Prozent Mehrwertsteuer!

  • -Aktualisiert am

Das Kunsthistorische Museum in Wien. Jährlich werden in Österreich fünfzehn ausgewählten Museen vom Bund je 36 500 Euro zum Ankauf von Werken österreichischer Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung gestellt. Bild: dpa

Nach einem schwierigen Frühling ohne Messen können sich die Galerien in Österreich über eine steuerliche Erleichterung freuen.

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          Die österreichischen Galerien haben einen schwierigen Frühling hinter sich. Ohne die Teilnahme an Auslandsmessen befinden sich viele Kunsthändler in einer prekären Lage, denn im Gegensatz zu Deutschland herrscht in der Alpenrepublik immer noch ein Mangel an lokaler Sammlerschaft. Dafür unterstützt der Bund die Teilnahme an internationalen Kunstmessen mit bis zu 14 000 Euro. Der deutsche Kunsthandel erhält keine derartige Hilfe.

          Seit 1. Juli sorgt eine steuerliche Erleichterung in Österreich für Aufwind, denn der Kunstmarkt profitiert von der Senkung der Mehrwertsteuer auf fünf Prozent. Diese Reduktion, die den schwächelnden Branchen Kultur, Gastronomie, Beherbergung sowie Publikationen unter die Arme greift, gilt vorerst nur bis Jahresende. „Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, befindet Martin Janda, der dem Verband österreichischer Galerien moderner Kunst vorsteht. Um den Handel längerfristig anzukurbeln, müsste der Fiskus seinen Erlass aber auch nächstes Jahr fortsetzen: „Dieser Steuersatz sollte überhaupt einheitlich für die gesamte Europäische Union gelten“, schwebt Janda vor. Die österreichische Regierung könnte sich für so eine Gleichstellung starkmachen.

          Eine intensive Wirkung

          „Die Mehrwertsteuersenkung hatte für uns eine intensive Wirkung“, berichtet Markus Peichl, dessen Galerie Crone in Wien und Berlin ansässig ist. Seit Anfang Juli erlebt Peichl viel mehr Sammlerinter- esse, auch durch den Solidarisierungseffekt. Die Senkung hätte das Bewusstsein für die Probleme der Galerien und Künstler erhöht. „Der Kunststandort Deutschland wurde durch die Steuererhöhung 2014 von sieben auf neunzehn Prozent massiv beschädigt“, sagt Peichl zum dadurch entstandenen Wettbewerbsnachteil. Erwiesenermaßen habe das Finanzamt keine Mehreinnahmen erzielt, weil viele Kunsthändler Deutschland daraufhin den Rücken gekehrt hätten. Jenseits der Mehrwertsteuer zählt die Absetzbarkeit von Kunstkäufen als Betriebsausgabe zu den wichtigsten Forderungen der Wiener Galeristen. Die steuerliche Abschreibung wird in Österreich seit den neunziger Jahren immer wieder an die Politik herangetragen. Der Galerien-Verband startete nun einen neuerlichen Vorstoß bei Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Erstmals unterstützen auch die „Produzenten“ das Ansinnen: So hat die Künstlervereinigung Secession in einem offenen Brief die steuerliche Absetzbarkeit als Hilfsmaßnahme gefordert.

          Viel Luft nach oben besteht im Bereich der Museumsankäufe. Jährlich werden in Österreich fünfzehn ausgewählten Museen vom Bund je 36 500 Euro zum Ankauf von Werken österreichischer Künstlerinnen und Künstler zur Verfügung gestellt. Die Institutionen verpflichten sich, diesen Betrag auf 54 000 Euro aufzustocken. Jenseits dieses Fördertopfs sehen die Galerien von den Museen jedoch wenig. Seit die Häuser mit der Vollrechtsfähigkeit über Budgethoheit verfügen, wird Marketing oft höher bewertet als der Sammlungsausbau. Die Galerien brauchten jetzt eine Ankaufsoffensive, sagt Janda und nennt Dänemark als Beispiel, wo jüngst eine solche gestartet wurde.

          Zurück zur steuerlichen Abschreibbarkeit von Kunstkäufen: Diese hatte lange wenig Renommee, galt vielen als „Förderung für Reiche“, geeignet für die Vereinigten Staaten, nicht für Europa mit seinen üppigen Subventionen. Es war die Österreichische Volkspartei, die bereits bei den Neuwahlen 1999 mit der Absetzbarkeit als Wahlversprechen antrat. Der damalige Kulturstaatssekretär Franz Morak kam diesem Ziel in der Koalition mit der Freiheitlichen Partei (2000 bis 2003) aber keinen Schritt näher. Seither ist die Galerienszene um ein Vielfaches gewachsen. Zumindest mit der Senkung der Mehrwertsteuer hat die österreichische Regierung nun eine Maßnahme ergriffen, die Vorbild werden könnte.

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