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Kunstmarkt in Österreich 2019 : Eine Madonna und andere Damen

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Man ist zufrieden in den Auktionshäusern Österreichs: Die Bilanz der Versteigerungen im Jahr 2019.

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          Das Jahr 2019 meinte es gut mit den Wiener Auktionshäusern. So konnte das traditionsstarke Dorotheum gleich zwei Zuschläge in Millionenhöhe verbuchen. Im Vergleich zu früheren Jahren, wo mal die Zeitgenossen, mal die Alten Meister die Bestenliste dominierten, bieten die Top Ten 2019 einen bunten Strauß aus sämtlichen Sparten. Das Ranking wird von einer verschleierten türkischen Schönheit angeführt, die der in Paris ausgebildete Künstler Osman Hamdi Bey 1881 verewigte. Das aus Italien eingebrachte Porträt „Dame turque de Constantinopel“ stellt ein gekonntes Beispiel für Beys Import westlicher Salonmalerei ins Osmanische Reich dar. Die Gemälde des Orientalisten waren im vorigen Herbst auch in London sehr gefragt, wo bei Sotheby’s umgerechnet 5,6 Millionen Euro und bei Bonhams die neue Bestmarke von 7,8 Millionen Euro erzielt wurden. Das Wiener Bild erfüllte mit 1,5 Millionen Euro seine untere Schätzung.

          Für Applaus im Auktionssaal sorgte eine „Madonna mit Kind“ aus dem Umkreis des vor fünfhundert Jahren gestorbenen Raffael. Das marktfrische Tafelbild wird dem engsten Umfeld des begnadeten Marienmalers zugeordnet und vor allem mit Werken aus dessen Frühwerk verglichen. Als „Saleroom Notice“ wurde eigens mitgeteilt, dass auch der renommierte Kunsthistoriker Claudio Strinati diesen Befund teile; für das Ölgemälde auf Holz sprach zusätzlich, dass es sich einst im Besitz der Herzogin von Castiglione-Colonna befand, die selbst als Künstlerin tätig war. Ein Telefonbieter kämpfte das mit 300.000 bis 400.000 Euro eingeordnete Werk auf phantastische 1,27 Millionen Euro hoch.

          Zwei Bilder der Nachkriegszeit teilen sich den dritten Platz bei den österreichischen Toplosen. Mit Arbeiten von Piero Manzoni, die mit schöner Regelmäßigkeit über die italienischen Dorotheums-Filialen nach Wien gelangen, können die Zeitgenossen-Auktionen stets punkten. Im aktuellen Fall löste ein 1959/60 produziertes „Achrome“, das aus zwölf unbemalten Leinwandquadraten zusammengenäht ist, seine obere Taxe von 600.000 Euro ein. Und ebenfalls 600.000 Euro spülte das mit 300000 bis 400000 Euro angesetzte Querformat „Bon Espoir (Paysage avec personnages)“ von Jean Dubuffet in die Kassen. Das semi-abstrakte Ölbild entstand 1955, als der Künstler etliche solcher dunkler Landschaften mit hohem Horizont und Figuren schuf.

          Die Konkurrenz im Kinsky ist mit drei Losen der Klassischen Moderne in der Bestenliste vertreten. Hohe Resultate erreichten zwei Zeichnungen von Gustav Klimt, die von der privaten Klimt-Foundation im Zuge eines Restitutionsvergleichs veräußert wurden. Das auf 200.000 bis 400.000 Euro geschätzte „Damenbrustbild von vorne“ brachte der Secessionsgründer 1897/98 mit Pastellkreide und Bleistift aufs Papier. Die Unbekannte mit dem schwermütigen Blick war nicht unter 560.000 Euro zu haben: laut dem Kinsky der dritthöchste, jemals für eine Klimt-Zeichnung bewilligte Zuschlag. Aus derselben Serie stammte auch ein mit Kreide gezeichnetes Frauenporträt im Profil, für das der Hammer bei 350.000 Euro (Taxe 130.000/200.000) fiel. Auch mit 350.000 Euro setzte das 1921 entstandene Gemälde „Landschaft im Nebelmeer“ einen neuen Rekordpreis für Franz Sedlacek, der zu den wichtigsten österreichischen Positionen der Zwischenkriegszeit zählt.

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