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Kunsthandwerk : Stühle laufen blendend: Höhepunkte der Saison bei Quittenbaum und von Zezschwitz

  • -Aktualisiert am

Ein Armlehnstuhl, den Mackay Hugh Baillie Scott 1903 für die Dresdner Werkstätten zeichnete, erreichte bei den „Seats“ im Hause von Zezschwitz 59 000 Euro. Und bei Quittenbaums „Höhepunkten der Designgeschichte“ stieg Gallés Vase „Rose de France“ auf 165 000 Euro.

          Die Extra-Anstrengungen lohnten sich. Beide Münchner Spezialisten für Angewandte Kunst frohlockten nach ihren Sonderauktionen über Spitzenzuschläge. Von Zezschwitz konnte bei den „Seats“ Weltrekorde melden, und Quittenbaums „Höhepunkte der Designgeschichte“ landeten Erfolge vor allem mit Entwürfen aus den ersten drei, vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

          Gallés Vase „Rose de France“ hatte als meisterliches Atelierstück „Grand Genre“ von 1902 schon vorab für etliche Anfragen gesorgt, um im Bietverlauf die Schätzung von 30 000 zügigst abzuhängen: Ein Pariser Sammler am Telefon behielt erst bei 165 000 Euro die Oberhand. Von Tiffany bekam ein New Yorker Sammler eine der berühmten Peacock-Vasen für 15 500 (Taxe 5000) und eine Intaglio Paperweight-Vase für 27 000 Euro (13 000).

          Heimkehr einer Teekanne

          Überhaupt beherrschten primär Sammlergelüste den Verlauf bei Quittenbaum: So wechselten fast alle angebotenen Teile des Services „Haus Behrens“ und auch Besteck aus dem Besitz von Peter Behrens an eine norddeutsche Privatadresse. Und ein Wiener Sammler ermöglichte mit 11 200 Euro (1400) die Heimkehr einer seltenen Teekanne Josef Hoffmanns; dessen „Sitzmaschine“ nahm trotz ihres Zustands für 11 000 Euro (5000) derselbe Münchner, der eine fünfteilige, mit Art-déco-Malerei überzogene Saloneinrichtung aus dem Florentiner Palazzo Galletti für 12 000 Euro ersteigerte. Schwedischer Handel setzte 16 000 Euro (13 000) für die frühe Ausführung eines Schichtholzsessels ein, den Alvar Aalto für sein 1931 in Finnland gebautes „Paimio“-Sanatorium entwarf.

          Das Haus meldete für die „Highlights“ einen Umsatz von 412 000 Euro, was neunzig Prozent der Gesamttaxe entspricht, bei sechzig Prozent verkauften Losen. Die Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr rundeten dann Modernes Design und Afrikana mit weiteren 330 000 Euro auf 25 Prozent. Hier lagen Stücke aus der Afrika-Sammlung Hans Schneckenburger vorn: Einen Antilopen-Tanzaufsatz der Bamana in Mali bekam ein deutscher Sammler für 20 000 Euro (24 000), und eine majestätische sitzende Ahnin der Akie von der Elfenbeinküste erzielte 17 000 Euro.

          Sitzgelegenheiten aller Art

          Zwar hatten sich auch die Jugendstil Auktionen dieser Saison recht wacker geschlagen - so verbuchte von Zezschwitz für eine scharffeuerglasierte chromgrüne Henkelvase van de Veldes, die Hanke in Höhr nach 1903 ausführte, 12 000 Euro (4500) -, doch hatten beide Häuser die meistversprechenden Objekte dieser Art in ihre Sonderauktionen genommen: Als von Zezschwitz „Seats“ versteigerte, Sitzgelegenheiten aller Art nämlich, kam man unter anderen mit 5000 Euro (6000) für Adolf Loos' lederbezogenen Speisezimmerstuhl im Originalzustand in die Gänge, bevor die zweite Version eines eleganten Armlehnstuhls, die van de Velde 1895 noch in Brüssel entwarf, in einem Liebhaberduell auf 50 000 Euro landete, was einem neuen Rekord für Stühle des Belgiers entsprach.

          Teuerster von drei Olbrich-Stühlen wurde ein dunkel gebeiztes, 1904 in der Darmstädter „Drei-Häuser-Gruppe“ eingesetztes Modell mit 11 000 Euro (4800). Als Vorwegnahme des Art déco kann Bernhard Pankoks exzentrisches Sessel-Unikat für einen Damensalon von 1902 gelten, das, lange verschollen, jetzt 31 000 Euro (35 000) honorierten.

          Absatzprobleme bekam eine Reihe von mit zu hohen Limits versehenen Händlereinlieferungen - nicht jedoch zwei Exemplare des Armlehnstuhls, den Mackay Hugh Baillie Scott 1903 für die Dresdner Werkstätten zeichnete; ihnen galt eine Taxe von je 7000 Euro: Nachdem bereits der erste Stuhl trotz Beschädigungen 15 000 Euro einspielte, kletterte der zweite auf schwindelnde 59 000 Euro - mehr hat noch nie ein Stuhl der Arts & Crafts-Bewegung oder der Dresdner Werkstätten in einer Auktion erzielt.

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