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Kunsthandwerk : Mit Fischotter: Vorschau auf Lempertz' erste Berliner Kunstgewerbeauktion

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Architektonische Ansichten aus dem Berlin des 19. Jahrhunderts zeigen achtzehn Innenbildtassen mit leuchtenden Goldrändern, die KPM zwischen 1820 und 1840 produzierte (25 000/28 000). Um 1840 entstand auch das Paar Balustervasen mit rotem Lackdekor und Hahnen-Knauf auf dem Haubendeckel (14 000/16 000).

          Im 18. Jahrhundert bemalte Christian Friedrich Herold Emailtabatièren und Silberdosen für die Berliner Galanteriewarenhandlung Fromery. Zwei von ihnen - beide um 1730 hergestellt - zählen zu den schönsten Objekten der ersten Berliner Kunstgewerbeauktion des Kölner Hauses Lempertz am 27. Mai.

          Die Silberdose mit chinoiser Emailplakette „de Saxe“ und Miniatur ist aus Email auf Kupfer, Silber und innen vergoldet. Beim Öffnen enthüllt die schmale, längliche Dose ihr bezauberndes Geheimnis. Auf der Deckelinnenseite hat Herold eine Gouache auf Papier unter Glas montiert. Die Miniatur zeigt die liebliche, in reiche Tücher gehüllte Amymone an einem Ufer im Gras sitzend, wie sie, beobachtet von zwei schelmischen Amoretten, ein Schaf unter dem Kinn krault (Taxe 30 000/32 000 Euro). Kauffahrtei-Szenen zeigt die Emailtabatière, ihre Montierung ist aus vergoldetem Kupfer. Neben den reisenden Kaufleuten in von malerischen Ruinen bestandenen Küstenlandschaften zeigen andere Bilder darauf ländliche Schäferszenen. Purpurminiaturen in den Ecken und eine sternförmige Goldspitzenkartusche als Rahmung im Boden machen den Reiz dieser Arbeit aus (25 000/30 000).

          Hahn als Knauf

          Sammler von Fayencen können unter 27 Losen mit Vasen und Walzenkrüge wählen. Bei den Motiven konkurrieren hübsche Chinoiserien mit verlockenden Schäferinnen, Pfauen und Vögeln. Viele Stücke stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Um 1840 vermutlich aus Berlin kommt das Paar Balustervasen mit rotem Lackdekor. Die gewölbten Haubendeckel schmücken Hähne als Knauf (14 000/16 000).

          KPM ist mit Tellern mit Mikromosaiken, mit botanischen oder Cameo-Dekors aus dem 19. Jahrhundert vertreten sowie Tassen mit Porträts von Adligen oder Biscuitreliefs. Immerhin 139 Dessertteller eines 1806 in Berlin für Joséphine Bonaparte angefertigten Service konnten nach ihrem Tod 1814 auf Schloß Malmaison noch verzeichnet werden. Vier mit feinen, in sanften Farben gemalten Pflanzendarstellungen dekorierte Teller aus dem Service sind zusammen auf 4000 Euro geschätzt. Architektonische Ansichten aus dem Berlin des 19. Jahrhunderts zeigen achtzehn Innenbildtassen mit leuchtenden Goldrändern, die KPM zwischen 1820 und 1840 produzierte (25 000/28 000). Aus Schloß Glienicke stammen vier Sektkelche des Prinzen Carl von Preußen, um 1840 hergestelltes böhmisches Glas (1200).

          Fischotter am Brunnen

          Neben Bestecken bietet Lempertz weitere Silberarbeiten an, unter ihnen herrlich schlichte Schalen aus getriebenem Silber, um 1930 von Fritz August Breuhaus de Groot geschaffen (1400 und 1600). Auch unter den angebotenen Möbeln, Zeichnungen und Gemälden sind schöne Lose - etwa das Oskar Kaufmann zugeschriebene Bild des Zuschauerraums der Berliner Volksbühne (6000/8000).

          Eine besondere Bewandtnis hat es mit der teils vergoldeten Bronzeplastik von Gaul, einem neunzehn Zentimeter hohen Fischotter, der kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert entstand. Seine auf einen halben Meter vergrößerte Fassung wurde als Brunnenfigur im Garten der Wannseevilla Max Liebermanns berühmt; denn sie war auf vielen Gemälden zu sehen.

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