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: Topographische Idealbilder

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Schlesien war einmal die reichste Provinz Preußens. Nicht nur das fruchtbare Ackerland, auch Bodenschätze, die schnell wachsende Industrie und der Tourismus trugen zum Reichtum bei. In der Zeit der Romantik waren das Riesengebirge und das Glatzer Bergland das beliebteste Reiseziel nördlich der Alpen.

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          Schlesien war einmal die reichste Provinz Preußens. Nicht nur das fruchtbare Ackerland, auch Bodenschätze, die schnell wachsende Industrie und der Tourismus trugen zum Reichtum bei. In der Zeit der Romantik waren das Riesengebirge und das Glatzer Bergland das beliebteste Reiseziel nördlich der Alpen. Goethe und Heinrich von Kleist oder Caspar David Friedrich wanderten in den Bergen. Die Königin und Friedrich Wilhelm III. hielten sich gern im Hirschberger Tal auf. Die schlesischen Heilbäder Warmbrunn oder Kudova waren weltberühmt.

          Nicht zuletzt durch den früh aufkommenden Fremdenverkehr wurden Schlösser, Burgen und Parks im Vorland des Gebirges, Breslau und die kleineren Städte, vor allem immer wieder die reizvolle Landschaft zu Vorlagen für romantische Ansichten einer florierenden Kunstgattung von Druckgraphiken, die gern gesammelt wurden.

          Der bedeutendste Privatsammler war Albrecht Haselbach, ein Brauereibesitzer aus der Kleinstadt Namslau. Sein "musée imaginaire", wie die polnische Kunsthistorikerin Diana Codogni-Lancucka die topographischen Idealbilder seiner Heimat nennt, umfasst mehr als viertausend Kupferstiche, Holzschnitte und Radierungen - die frühesten aus dem fünfzehnten Jahrhundert, die jüngsten aus den dreißiger Jahren. Gegen Ende des Krieges hat Haselbach sie unbeschadet nach Franken gerettet. Die Sammlung ist ein einzigartiges kunst- und kulturgeschichtliches Zeugnis, die zwar in zahlreichen Einzelausstellungen, aber noch nie insgesamt gezeigt wurde. Nach dem Tod des Sammlers hat das Land Hessen einen großen Teil erworben und, wie die Erben Albrechts andere Teile auch, dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg und dem Schlesischen Museum in Görlitz als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

          Eine Auswahl der schönsten, zum Teil handkolorierten Blätter haben jetzt deutsche und polnische Wissenschaftler in einem prachtvollen großformatigen zweisprachigen Band, unterstützt vom Herder-Institut in Marburg, vom Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg und dem Schlesischen Museum in Görlitz herausgegeben. Den umfangreichsten Kommentar hat Angelika Marsch geliefert. Sie hat sich längst einen Namen als Kennerin historisch-topographischer Ansichten gemacht und zahlreiche Bücher zu diesem kulturgeschichtlichen Spezialgebiet veröffentlicht, das über die Illustration hinaus wertvolle landeskundliche und historische Informationen liefert.

          Die vorbildliche deutsch-polnische Kooperation soll in Ausstellungen diesseits und jenseits der Oder fortgesetzt werden. Unterstützt wurde sie vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, vom Hessischen Sozialministerium und vom Sächsischen Staatsministerium des Inneren sowie der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

          MARIA FRISÉ

          "Zeit-Reisen". Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung Haselbach mit Beiträgen von Angelika Marsch, Diana Codogni-Lancucka, Arno Herzig und Jenryk Waniek. Herder Institut Marburg/Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg/Muzeum Architektury Wroclawiu/Schlesisches Museum zu Görlitz, 2007. 320 S., geb., 25,- [Euro].

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