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: Sommerferienorte im Winterschlaf

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Der Beginn der Urlaubsfotografie lässt sich exakt datieren: auf das Jahr 1888. Da brachte George Eastman die Kodak-Box auf den Markt. "Drücken Sie auf den Auslöser, den Rest erledigen wir", pries er seine Erfindung an. Vorbei waren die Zeiten der umständlichen Handhabung von Glasnegativen, Chemikalien und Kameraungetümen.

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          Der Beginn der Urlaubsfotografie lässt sich exakt datieren: auf das Jahr 1888. Da brachte George Eastman die Kodak-Box auf den Markt. "Drücken Sie auf den Auslöser, den Rest erledigen wir", pries er seine Erfindung an. Vorbei waren die Zeiten der umständlichen Handhabung von Glasnegativen, Chemikalien und Kameraungetümen. Der Kunde erhielt den Apparat samt Rollfilm für hundert Aufnahmen. Waren alle Bilder gemacht, wurde die Box nach Rochester geschickt, wo die Fotos abgezogen wurden und ein Laborant auch gleich einen neuen Film einlegte. Es war der Beginn der Knipserei. Fortan wurden Momente als bildwürdig erachtet, die kaum sonst jemanden interessieren als die, die auf den Bildern zu sehen sind. Dabei fanden sich fast augenblicklich Kompositionsprinzipien, die bis heute gültig sind - einerlei, ob die Motive in der Sonne am Strand oder im Schnee der Berge aufgenommen wurden. Die Hochsaison in den Urlaubsorten wurde zugleich zur Hochsaison der Fotografie. Deshalb wissen wir alle, wie Urlaub aussieht.

          "No Vacation" nennt der finnische Fotograf Jussi Puikkonen seinen so außergewöhnlichen wie bezaubernden Bildband, in dem er uns etwas zeigt, was bisher kaum jemand wahrgenommen hat: die Ferienzeit von Urlaubszielen. Ob Küstensäume, Sportanlagen oder Vergnügungsparks - alles ist nun menschenleer und vieles von einer leichten Schneeschicht bedeckt, gerade so, als hätten sich die Orte unter eine Bettdecke verzogen. Es liegt eine eigentümliche Stille über den Fotografien, gerade weil wir den Lärm dieser Plätze im Ohr haben. Und es liegt eine unerwartete Würde über den Orten, die ihnen sonst die Menschenmassen mit ihrem Ansturm rauben. Drei Monate nur dauert die Sommersaison in Finnland, sie ist der Ausnahmezustand. Uns jedoch befremdet die Normalität. Weil niemand sie fotografiert hat, war sie uns entgangen. Aber von Alltagsfotografie wird bei Puikkonen niemand sprechen wollen.

          FREDDY LANGER

          "No Vacation" von Jussi Puikkonen. Edition Patrick Frey, Zürich 2008. 96 Seiten, 48 Fotografien. Gebunden, 59 Euro.

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