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: Schön schreiben

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Die vorliegende Studie nähert sich von semiotischer und sinologischer Seite einer Kulturgeschichte der chinesischen Schrift. Nach einem Überblick über historische Schrifttypen und Schreibmaterialien wendet sich Anett Dippner dem "Spiel der zerbrochenen Zeichen" in der Moderne zu. Während eine hervorstechende Handschrift ...

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          Die vorliegende Studie nähert sich von semiotischer und sinologischer Seite einer Kulturgeschichte der chinesischen Schrift. Nach einem Überblick über historische Schrifttypen und Schreibmaterialien wendet sich Anett Dippner dem "Spiel der zerbrochenen Zeichen" in der Moderne zu. Während eine hervorstechende Handschrift noch Karrieregrundlage bei der Palastprüfung war und die Klasse der Literaten-Beamten von den Illiteraten unterschied, kam es spätestens am Ende der Kaiserzeit zur Krise der Schönschrift. Andererseits, so Dippners These, bildete sich der "Kunstcharakter der Kalligraphie" auch erst als Folge der revolutionären Wirren und der Begegnung mit dem Westen im 20. Jahrhundert heraus. Während der Kulturrevolution geriet das Zeichnen mit Tusche zur "Nische der Tradition", auch wenn es sich um linientreue Linien und künstlerisch wenig wertvolle revolutionäre Wandzeitungen und Anklageschriften handelte. Die Kalligraphie büßte ihren Gelehrtenanspruch ein und wurde im egalitären Bildungssystem der Volksrepublik zur Volkskunst; mit dem "Kultur- und Ästhetikfieber" der achtziger Jahre wurde sie dann neu bewertet. Kenntnisreich erklärt das Buch die historischen Brüche und Strömungen wie die "Moderne Kalligraphie", den Retro-Trend der "Neuen Klassik" und die sogenannte "Kalligraphismus-Bewegung". (Anett Dippner und Thorst Benkel: "Zeichen der Ästhetik". Kunst, Kultur und Kalligraphie zwischen Tradition und Bedeutungsvielfalt. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009. 284 S., geb., 75,- [Euro].)

          sg

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