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: NEUE REISEBÜCHER

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Für den Tisch Lang sind sie vorbei, die Zeiten, in denen man die Reise nach Rio de Janeiro nicht mit einer Suchanfrage im Internet, mit Mausklick und der Option "Sind Sie flexibel? +/- 1 Tag" begann, sondern mit dem Anstehen vor dem Schalter einer Schifffahrtsgesellschaft. Bis in die fünfziger Jahre ...

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          Für den Tisch Lang sind sie vorbei, die Zeiten, in denen man die Reise nach Rio de Janeiro nicht mit einer Suchanfrage im Internet, mit Mausklick und der Option "Sind Sie flexibel? +/- 1 Tag" begann, sondern mit dem Anstehen vor dem Schalter einer Schifffahrtsgesellschaft. Bis in die fünfziger Jahre aber war das der Anfang jeder weiten Reise, damals fuhr man mit dem Schiff noch wie heute mit der Bahn, Halt an jeder Teekanne, unvorhergesehene Zwischenstopps nicht auszuschließen: Hamburg, Antwerpen, Southampton, Genua, Neapel, Port Said, Suez, Aden, Colombo, Penang und so weiter, Endstation Yokohama. Wie schön das gewesen sein muss, so langsam die Breitengrade zu wechseln, die Mitreisenden kennenzulernen, dem Kapitän die Hand zu schütteln und abends noch ein Liedchen am Klavier zu singen, oder wie furchtbar, wenn man arm war und vom Steward eine Erlaubnis brauchte, bevor man sich auf Deck begeben durfte. Eine der schönsten Beschreibungen solcher Reisen findet man in den "Traurigen Tropen" von Claude Lévi-Strauss, einschließlich der Schilderung der Unterschiede zwischen Werbung der Gesellschaften und Realität der Überfahrt. Die Werbung war damals nämlich genauso üppig wie die Reisezeit. Neben den Angaben zur Route und zum Komfort drehte sich das Ganze um zwei Motive: Macht und Sicherheit des Seetitanen, das Schiff also unbezwingbar durch die Wellen pflügend, oder der Reiz der Ferne, die Wilden staunend am Schiffsrand oder die Kirschblüte zum Greifen nahe vor dem weißen Sonnenschirm der schönen Orientreisenden. Im Bildband "Schiffsplakate" kann man sich an der ganzen wunderbaren Welt der transozeanischen Plakatwerbung fast sattsehen und sehnsüchtig werden nach großer Fahrt ohne W-Lan.

          avk

          Gabriele Cadringher / Anne Wealleans: "Schiffsplakate", Hirmer-Verlag, 75 Euro

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