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: Nachrichten von der Liebe im Hause Windsor

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Im fernen Land der Angelsachsen wurde vor mehr Jahren, als sie dort auf die Bingokarten Zahlen drucken, an einem Samstag im Eismond ein Mädchen geboren. Ihre Eltern nannten sie Catherine, was in unserer Sprache die Reine heißt. Die Familie handelte mit Konfettikanonen und Papierhüten, das brachte ...

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          Im fernen Land der Angelsachsen wurde vor mehr Jahren, als sie dort auf die Bingokarten Zahlen drucken, an einem Samstag im Eismond ein Mädchen geboren. Ihre Eltern nannten sie Catherine, was in unserer Sprache die Reine heißt. Die Familie handelte mit Konfettikanonen und Papierhüten, das brachte jedes Jahr viele Säcke voller goldener Sovereigns ein.

          Die schöne Kate konnte deshalb auf gute teure Schulen gehen, und sie kam schließlich an eine vornehme höhere Lehranstalt in dem Land hinter den sieben Bergen, wo die Männer noch Röcke tragen. Dort entflammte sie bei einem Fest einen schmucken Burschen von königlichem Geblüt mit einem Kleid, so durchsichtig wie ein gläserner Sarg. Seitdem hatten die beiden nur noch Augen füreinander. Der Prinz aber wollte unbedingt dereinst ein guter Herrscher sein. Er studierte lange die Geographie und memorierte, wo die Königreiche Barbados, Sankt Vincent und Tuvalu liegen, die seiner Großmutter gehören. Anschließend wurde er Soldat, und dann lernte er auf einer Art Greif durch die Luft zu fliegen, um Bürger in Not zum Siechenhaus zu bringen. Erst achteinhalb Jahre nachdem er die wunderschöne Kate getroffen hatte, holte er aus der Schatzkammer einen ererbten Reif und streifte ihn über ihren Finger. Die Hochzeit soll eine gar fröhliche Feier werden, bei der auch die gute Stiefmutter ihr Krüglein Sherry bekommt.

          Ganz schön langweilig, dieses Märchen. Keine gebratene Kinderleber, kein giftiger Apfel, kein Todestanz in rotglühenden Schuhen. Daraus hätte Walt Disney weiß Gott keinen Film gemacht. Auch Ulrike Grunewald hatte hier ein Problem. Catherine Middleton und William Mountbatten-Windsor sind ein Traumpaar. Die Braut ist schön und intelligent, der Bräutigam ist stattlich und sportlich. Über beide kann man mit gutem Gewissen nichts Negatives schreiben. Grunewald tut das in ihrem Buch über "William & Kate - die Geschichte ihrer großen Liebe" auch nicht. Soweit es um die beiden Hauptpersonen geht, ist das Buch schiere Hofberichterstattung und ja, die Schicht Zuckerguss ist ab und an noch etwas dicker, als es nötig wäre.

          Nehmen wir als Beispiel gleich den Untertitel. Unter einer "großen" Liebe stellt man sich so etwas Brennendes wie bei Abaelard und Heloisa oder Romeo und Julia vor. Wie die Autorin sie schildert, sind William und Kate aber eher vernünftige und pflichtbewusste Persönlichkeiten. Ihre Beziehung hat sich im gemessenen Butlerschritt entwickelt. William wird einmal ein solider König werden, und seine Königin wird beim Volk recht beliebt sein, aber muss man darüber gleich in Tränen der Rührung ausbrechen? Gelegentlich erweist sich Ulrike Grunewald auch als Meisterin der diplomatischen Formulierung: "Akademische Meriten zu erzielen lag nicht im Fokus des Prinzen."

          Nebenbei bemerkt: Die Briten nennen den Ehemann einer Königin nie König, für die Ehefrau eines Königs ist jedoch durchaus die Bezeichnung Königin üblich. Eine Königin Camilla wird es aber schon deshalb nicht geben, weil die Herzogin von Cornwall nur standesamtlich verheiratet ist. Immerhin dürfen wir uns auf eine zukünftige Queen Catherine freuen, wenn wir das wollen.

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