https://www.faz.net/-gyz-10g97

: Madonnen künden von der Mainzer Frömmigkeit

  • Aktualisiert am

Glaubt man dem Volksmund, so mag es in Mainz dereinst wohl ebenso viele Hausmadonnen wie Kneipen gegeben haben: fast an jeder Ecke eine. Schließlich war ebendort, meist im ersten Obergeschoss der Häuser, der wirkungsvollste Platz für diese Art von Kunst im öffentlichen Raum, die in der Domstadt über ...

          1 Min.

          Glaubt man dem Volksmund, so mag es in Mainz dereinst wohl ebenso viele Hausmadonnen wie Kneipen gegeben haben: fast an jeder Ecke eine. Schließlich war ebendort, meist im ersten Obergeschoss der Häuser, der wirkungsvollste Platz für diese Art von Kunst im öffentlichen Raum, die in der Domstadt über Jahrhunderte hinweg als sichtbares Zeichen für Volksfrömmigkeit und Bürgerstolz angesehen wurde. Ob als Mutter mit dem Jesusknaben, als Himmelskönigin mit Krone und Zepter oder aber als scheinbar von der Erdenschwere enthobene Immaculata - zum Segen und Schutz des betreffenden Gebäudes und seiner Bewohner blickte die Muttergottes, hier in einer Wandnische stehend, dort unter einem Baldachin, an vielen Hausecken von Mainz wohlwollend auf die zu ihren Füßen vorübergehenden Menschen herab. Doch so wie die dazugehörigen Gebäude in der Altstadt sind auch viele der frommen Bildwerke im Zweiten Weltkrieg zerstört worden; andere Muttergottes-Darstellungen wurden, um sie vor dem weiteren Verfall oder Beschädigungen zu bewahren, im Laufe der Zeit durch Kopien ersetzt. Dennoch gehören die Marienfiguren bis heute zum Stadtbild, wenngleich sie dem Besucher nicht immer sofort ins Auge springen. Auch deshalb haben es sich fünf Mainzer Frauen zur Aufgabe gemacht, die mithin schönsten, bedeutendsten und sehenswertesten "Mainzer Hausmadonnen" in dem gleichnamigen Buch zu präsentieren. Die Fotografien stammen von Annette Wöhrlin, die für ihre Sammlung ein ums andere Mal mit Leiter und Spiegelreflexkamera zu Rundgängen durch die Innenstadt aufgebrochen ist. Ihre zwischenzeitlich verstorbene Schwester, Hiltraud Laubach, sowie Anne-Madeleine Plum, Luzie Bratner und Marlene Hübel sorgten darüber hinaus als Mitautorinnen für die theologischen, kunsthistorischen und stadtgeschichtlichen Einordnungen und Bewertungen. Und weil das im Leinpfad-Verlag erschienene Werk zudem über einen Stadtplan mit exakten Standortangaben verfügt, dürfte es fortan kaum mehr möglich sein, bei einem Stadtbesuch auch nur eine der von den fünf Mainzerinnen vorgestellten 60 Hausmadonnen zu übersehen. (sug.)

          Annette Wöhrlin (Hrsg.): Mainzer Hausmadonnen. Auf den Spuren von 60 Bildwerken. Leinpfad-Verlag Ingelheim, 2008. Rund 120 Farbfotos, 96 Seiten. 16,90 Euro.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag in Leipzig : Ein böses Omen?

          In Leipzig sind der CDU Wunden geschlagen worden, die bis heute nicht ganz verheilt sind. Für Annegret Kramp-Karrenbauer kann der Blick zurück eine Warnung sein – und Trost bieten.
          Baden-Württembergs Maschinenbauer erhalten immer weniger Aufträge.

          F.A.Z. exklusiv : Ein Hilferuf aus Baden-Württemberg

          Das Land der Autos und des Maschinenbaus steckt in der Krise. In seltener Einmütigkeit fordern Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften Hilfe vom Bund – in einem deutlichen Brief an Hubertus Heil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.