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: Gefechtslärm um das größte Gotteshaus

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Im neuen Masterplan für die Kölner Innenstadt kommen der Dom und seine Umgebung nicht vor. Das Wahrzeichen ist unantastbar. Dabei liegt auch hier manches im Argen. Zwar hat die breite, durchgängige Treppe, welche die drei verwinkelten Aufgänge mit ihren Angst- und Schmuddelecken an der Nordseite ablöst ...

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          Im neuen Masterplan für die Kölner Innenstadt kommen der Dom und seine Umgebung nicht vor. Das Wahrzeichen ist unantastbar. Dabei liegt auch hier manches im Argen. Zwar hat die breite, durchgängige Treppe, welche die drei verwinkelten Aufgänge mit ihren Angst- und Schmuddelecken an der Nordseite ablöst und den Aufstieg vom Bahnhofsvorplatz begradigt, das Entrée in die Stadt aufgewertet, doch schreit (und stinkt!) die Ostseite, wo es um das Baptisterium drunter und drüber geht, schon lange nach einer Neuplanung. Nicht sehr viel besser steht es um die Aufenthaltsqualität auf der Südseite, wo der Roncalliplatz von Rikschas, Bimmelbahnen und Skatern befahren wird, die mit rasanten Kürläufen, gewagten Sprüngen und fliegenden Brettern Touristen das Fürchten lehren.

          Kaum hatte das Architekturbüro Albert Speer & Partner seine städtebaulichen Leitlinien (F.A.Z. vom 2. Dezember) vorgestellt, wurde der weiße Fleck in ihrer Mitte auch schon eingekreist. Der Zentral-Dombau-Verein (ZDV) meldete sich zu Wort und forderte nicht zum ersten Mal eine "würdige Umgebung" für die Kathedrale. Dabei zog er zur Überraschung auch stadtgeschichtlich versierter Köpfe einen Trumpf aus dem Ärmel, der die Diskussion neu befeuert. Denn die Untersuchung, mit der er die Bonner Historikerin Carolin Wirtz beauftragt hatte, förderte spektakuläre Dokumente zutage. Anhand der Korrespondenzen, Briefe, Sitzungsprotokolle und Kaufverträge, die sie in den Archiven der Dombauverwaltung und des Erzbistums gesichtet hat, weist Wirtz nach, dass die Stadt Köln schon vor mehr als hundert Jahren Verpflichtungen eingegangen ist, die bis heute gelten (sollten). Hatte der ZDV, als er die Ankäufe der Grundstücke für - so der genaue Preis - 4 982 597,14 Mark (entspricht etwa 400 Millionen Euro) finanzierte, doch die Bedingung gestellt, niemals eine Bebauung der Freiflächen zu gestatten.

          Schon kurz nachdem der Weiterbau 1842 endlich angegangen (und der damals noch mit "C" geschriebene Central-Dombau-Verein gegründet) worden war, wurde die Forderung ein Thema. Die dichte und enge Bebauung, die teilweise bis an die Mauern des Doms reichte, sollte beseitigt, ein modernes Stadtbild, das seine repräsentativen Gebäude herausstellt, realisiert werden. 1863 gingen Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft und Feuerversicherungs-Gesellschaft Colonia mit gutem Beispiel voran und schenkten ihre Grundstücke am Dom der Stadt unter der Voraussetzung, die für das Unternehmen maßgeblich wurde: Köln verpflichtet sich, dem Dom "eine würdige Umgebung zu verschaffen und zu erhalten", auf dass der Bürger sie wie einen öffentlichen Platz zum "Ein- und Ausgange und zum Verweilen daselbst" erleben sollte. Reiten und Fahren waren ausdrücklich untersagt.

          Es war ein kompliziertes, zeitraubendes Procedere, bis alle Grundstücke erworben waren: Verhandlungen wurden geführt, Entschädigungen geleistet, Kompromisse geschlossen, Tauschgeschäfte getätigt, Einsprüche abgewehrt, Enteignungen erwirkt. 1882 hatte die Preußische Regierung dem ZDV die Durchführung der Freilegung erteilt, der zweckgebundene Lotterien durchführte, um das Geld dafür aufzubringen. Dennoch trat in den vierundzwanzig Kaufverträgen die Stadt als Vertragspartner auf, da nur sie das letzte Mittel einer Enteignung durchsetzen konnte. Den Vorschlag, so zu verfahren, hatte der Rat gemacht, der damit auch die Vertragskonstellation bestätigte: Die Grundstücke durften ausschließlich dafür verwendet werden, die Freifläche um den Dom zu erweitern.

          "Dass die ganze Umgebung des Doms eine würdige Gestaltung erhalte": Der Titel der Studie von Carolin Wirtz (Verlag Kölner Dom, Köln 2009, 108 S., br., 23,90 [Euro]) nimmt das Resümee gleich vorweg. Sensationell ist, was daraus folgt: Das Römisch-Germanische-Museum (1974) und das Museum Ludwig (1986) hätten dort, wo sie heute stehen, ebenso wenig errichtet werden dürfen wie die Domplatte (1970). Was die Wissenschaftlerin nicht ausspricht, muss und kann sich ZDV-Präsident Michael H. G. Hoffmann nicht verkneifen: Bei enger Auslegung müsste man beide Häuser, so erklärt er süffisant, "eindeutig als unerlaubte Bebauung des Freilegungsareals einordnen". Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner wird noch deutlicher: Jetzt sei klar, dass "eine rechtliche Grundlage existiert, an die sich alle Leute zu halten haben, wenn sie nicht bewusst Verträge brechen wollen".

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