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: Dolchstöße

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Kaum vorstellbar, aber einst wurde gegen und für die Kunst eines Manet und Monet, Renoir und Degas gestritten. Alfred Flechtheim, der 1878 geborene und 1937 im Londoner Exil verstorbene Kunsthändler, setzte sich in Deutschland für die Kunst französischer Zeitgenossen ein. In die Geschichte der Moderne schrieb er sich als Mitorganisator der Kölner Sonderbund-Ausstellung von 1912 ein.

          Kaum vorstellbar, aber einst wurde gegen und für die Kunst eines Manet und Monet, Renoir und Degas gestritten. Alfred Flechtheim, der 1878 geborene und 1937 im Londoner Exil verstorbene Kunsthändler, setzte sich in Deutschland für die Kunst französischer Zeitgenossen ein. In die Geschichte der Moderne schrieb er sich als Mitorganisator der Kölner Sonderbund-Ausstellung von 1912 ein. Nach Texttypen sortiert, hat Rudolf Schmitt-Föller jetzt Flechtheims Schriften herausgeben. Aus ihnen ersteht die damalige Kunstwelt wieder. Wirtschaftlicher Erfolg galt Flechtheim als zweitrangig, es sei "der Amateurkunsthändler viel tüchtiger als der mit einer Händlernummer". Der bisweilen martialische Ton mag auch Facette einer letztlich ökonomischen Strategie im Wettbewerb um Aufmerksamkeit sein, doch oberste Bezugsinstanz bleibt die Kunst. Den Nachrang der Ökonomie demonstrierte Flechtheim, indem er genau diesen Ton auch bei Künstlern anschlug, mit deren Werken er nicht handelte. Das zeigt die wütende Verteidigung einer Pariser Beckmann-Ausstellung: "Die Seckerschen Angriffe gegen diese Beckmann-Ausstellung sind ein Dolchstoß in den Rücken der Propaganda für deutsche Kunst im Ausland und zeugen meinem Gefühl nach von unpatriotischer Gesinnung." Im Streit für die moderne Kunst heiligte der Zweck die sprachlichen Mittel. ("Alfred Flechtheim. Nun mal Schluß mit den blauen Picassos!". Gesammelte Schriften. Hrsg. von Rudolf Schmitt-Föller. Mit einer Einführung von Ottfried Dascher. Weidle Verlag, Bonn 2010. 280 S., br., 23,- [Euro].) gran

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