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: Die Moschee, die nie eine war

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Der Umschlag zeigt vorne das größte erhaltene Industriedenkmal Deutschlands, die früheren Buntgarnwerke in Leipzig in der Anmutung eines Palastes. Auf der Rückseite ist das eindrucksvolle Industriemuseum Chemnitz zu sehen, ursprünglich eine Gießerei. Beide Gebäude sind restauriert, ihre Nutzung ist eine andere als die ursprüngliche.

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          Der Umschlag zeigt vorne das größte erhaltene Industriedenkmal Deutschlands, die früheren Buntgarnwerke in Leipzig in der Anmutung eines Palastes. Auf der Rückseite ist das eindrucksvolle Industriemuseum Chemnitz zu sehen, ursprünglich eine Gießerei. Beide Gebäude sind restauriert, ihre Nutzung ist eine andere als die ursprüngliche. Sachsen hat sich schon sehr früh um seine Industriedenkmale gekümmert. Der Frohnauer Hammer bei Annaberg-Buchholz wurde 1908 unter Schutz gestellt - als das erste technische Denkmal in Deutschland überhaupt. Der Bildband zeigt mehr als sechzig solche Denkmale. Die meisten verloren erst nach dem Ende der DDR ihre Funktion als Industriebau. Aus dem riesigen alten Speichergebäude an der Elbe in Dresden wurde ein faszinierendes Hotel, aus der früheren Porzellanfabrik Hermsdorf-Kahla das Landratsamt, aus dem Straßenbahn-Kraftwerk in Leipzig eine Rechtsanwaltskanzlei. Die Auswahl reicht von einem so spektakulären Bau wie der früheren Zigarettenfabrik Yenidze in Dresden, errichtet als Moschee, bis zu einem vergleichsweise schlichten Fachwerkbau in Aue, früher Maschinenfabrik, heute Einkaufszentrum. In Oh und Ah möchte man ausbrechen beim Anblick von so viel Großartigem. Und doch weiß das Buch nicht recht, was es will: eine denkmalpflegerische Bilanz? Investorensuche für die Notfälle? Eine Geschichte des technischen Denkmals in Sachsen? Ein Buch über den Umgang mit Denkmalen überhaupt? Ein Reiseführer zu zweifellos grandiosen Anlagen und Bauten? Von allem ist etwas dabei, aber die Unentschiedenheit macht das Buch unübersichtlich bis hin zu den schwer zuzuordnenden Bildtexten. Und wenn über die Uhrenmanufaktur "Nomos" in Glashütte gesagt wird: "Anstelle der ursprünglichen Fenstergliederung setzte Schmidt gegen die Vorstellungen des Denkmalschutzes Fenster mit Quersprossen durch", dann verbirgt sich dahinter vermutlich eine Geschichte, in der es hoch herging, die dem Leser aber vorenthalten bleibt.

          F.P.

          "Industrie-Architektur in Sachsen. Erhalten durch neue Nutzung", herausgegeben von Bernd Sikora, mit Fotografien von Bertram Kober. Edition Leipzig, Leipzig 2010. 144 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 29,90 Euro.

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