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: Der schwäbische Geiz hat seine Grenzen

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Dieser handliche Band mit Rundgängen zum Jugendstil in Stuttgart entstand aus Stadtteilspaziergängen und Radtouren der Naturfreunde Radgruppe Stuttgart. Nach einer kurzen sozialgeschichtlichen Zuordnung der Zeit, mit Einführung in Jugendstil und Lebensreform, Freikörperkultur, Reformkleidung, Vegetarismus ...

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          Dieser handliche Band mit Rundgängen zum Jugendstil in Stuttgart entstand aus Stadtteilspaziergängen und Radtouren der Naturfreunde Radgruppe Stuttgart. Nach einer kurzen sozialgeschichtlichen Zuordnung der Zeit, mit Einführung in Jugendstil und Lebensreform, Freikörperkultur, Reformkleidung, Vegetarismus und Gartenstadtbewegung wird die Entwicklung des Jugendstils in Europa kurz und erhellend dargestellt. Die Autoren bemerken, der süddeutsche Jugendstil trete "erheblich zurückhaltender auf als beispielsweise die Bauten eines Gaudì in Barcelona. Er ist schlichter, gewissermaßen pietistisch geprägt." Umso erstaunlicher, wie viele Beispiele Friederike Votteler und Peter Pipiorke in der Landeshauptstadt fanden. Vierzehn Rundgänge listen detaillierte Beschreibungen auf, zu einzelnen Häusern, Baumeistern, Besitzern, weisen auf unglückliche Renovierungen hin und auf gelungene. Es gibt Karten mit Nummern, die mit dem Text korrespondieren, das ist alles sehr ordentlich und durchdacht. Die Fotos zeigen Details, Fliesen mit Seerosen, schmiedeeiserne Gartentore mit Sonnenblumen und Initialen, oft in Straßenzügen im Westen der Stadt, wo sich Stuttgart aus dem Kessel hochschwingt, ein bis heute gediegenes Altbauviertel. Auch in Bad Cannstatt und sogar im Industriegebiet von Zuffenhausen haben die Autoren Jugendstil-Elemente aufgespürt. Das letzte Kapitel widmet sich sinnigerweise dem Pragfriedhof und heißt "Jugendstil bis zum Schluss". Ein umfassender Informationsteil mit Glossar, Biographien und nützlichen Hinweisen rundet das schmale Bändchen ab. Man möchte fast nach Stuttgart ziehen und einen Spaziergang nach dem anderen abarbeiten. Und danach von einem der Höhenzüge hinabschauen in die Stadt, die sich, schwäbischer Geiz hin oder her, doch einiges an kecken Verzierungen geleistet hat.

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          "Jugendstil. Stadtspaziergänge in Stuttgart" von Friederike Votteler und Peter Pipiorke. drw-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2007. 140 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Broschiert, 14,90 Euro.

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