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: Buchkultur in der Tradition Gutenbergs

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Nichts sei mit der Gutenberg-Bibel vergleichbar, sagte der amerikanische Buchwissenschaftler Robert Darnton bei der Verleihung des Gutenberg-Preises. Selbst die Feinheit der Tinte sei bis heute unerreicht geblieben. Wenn man sich eine der Bibeln im Mainzer Gutenbergmuseum anschaue, könne man zur ...

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          Nichts sei mit der Gutenberg-Bibel vergleichbar, sagte der amerikanische Buchwissenschaftler Robert Darnton bei der Verleihung des Gutenberg-Preises. Selbst die Feinheit der Tinte sei bis heute unerreicht geblieben. Wenn man sich eine der Bibeln im Mainzer Gutenbergmuseum anschaue, könne man zur Meinung gelangen, daß es mit dem Buchdruck seit dessen Erfindung bergab gegangen sei.

          Die These Darntons mag sich angesichts der Masse lieblos gemachter Wegwerfpublikationen bestätigen. Den Gegenbeweis tritt regelmäßig das Gutenberg-Jahrbuch an. Zum achtzigsten Mal ist die 1926 von Aloys Ruppel, dem damaligen Leiter der Stadtbibliothek, begründete Publikation nunmehr erschienen.

          Das von Stephan Füssel, dem Leiter des Instituts für Buchwissenschaft der Mainzer Universität, herausgegebene Jahrbuch faßt den Stand der internationalen Fachdiskussionen zusammen. In mehreren Sprachen beleuchten Wissenschaftler die Geschichte der gedruckten Kommunikation und die gegenwärtigen Medienumbrüche. Ein erster Abschnitt dokumentiert die Dankesrede des Gutenberg-Preisträgers Robert Darnton und die Laudatio des F.A.Z.-Redakteurs Henning Ritter. In seiner Rede thematisiert Darnton die Herausforderung der Internet-Publikationen für die alte Bücherwelt.

          In weiteren Abschnitten finden sich Aufsätze zum Buchdruck und zur Buchillustration, zu Einbänden und zur Bibliotheks-, Medien- und Verlagsgeschichte. Einige Beiträge berichten über teils dramatische Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit. So schildert Christel Mahnke die bibliothekarische Aufbauarbeit des Goethe-Instituts in Bagdad. Michael Knoche, der Direktor der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, schreibt über die Folgen des verheerenden Bibliotheksbrandes im September 2004.

          Das Jahrbuch richtet sich vornehmlich an Wissenschaftler, Bibliothekare und andere Fachleute. Aber auch interessierte Laien können ihre Freude daran finden. Dafür sorgt schon die aufwendige Gestaltung mit Büttenpapier und einer reichen und teils farbigen Bebilderung. Dieses Vergnügen hat freilich seinen Preis: Im Buchhandel kostet ein Exemplar 75 Euro. Für Mitglieder der Gutenberg-Gesellschaft ist der Bezug im Jahresbeitrag von 60 Euro enthalten.

          MATTHIAS TRAUTSCH

          "Gutenberg-Jahrbuch 2005", im Auftrag der Gutenberg-Gesellschaft herausgegeben von Stephan Füssel, Selbstverlag der Gutenberg-Gesellschaft Mainz, im Kommissionsvertrieb bei Otto Harrassowitz in Wiesbaden, 336 Seiten, Preis 75 Euro.

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