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: Blüten-Wonne, Blatt für Blatt

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Jäger der Fetthenne.Den Job möchte man nicht geschenkt gehabt haben. Fluchen jedenfalls konnten sie alle, die abenteuerlustigen Pflanzenjäger, die sich im 18. und 19. Jahrhundert durch Dschungel, Steppen und tropische Regenwälder schlugen. Auf der Suche nach Pflanzen, die reiche Europäer absolut ...

          Jäger der Fetthenne.

          Den Job möchte man nicht geschenkt gehabt haben. Fluchen jedenfalls konnten sie alle, die abenteuerlustigen Pflanzenjäger, die sich im 18. und 19. Jahrhundert durch Dschungel, Steppen und tropische Regenwälder schlugen. Auf der Suche nach Pflanzen, die reiche Europäer absolut unentbehrlich fanden, weil sie eben gerade Mode waren: Orchideen, Fuchsien und Päonien.

          Unterwegs auf den Philippinen, in Vietnam oder in Kolumbien, die Orte alles "gottverdammte Löcher", die Herbergen "bloße Hütten ohne Möbel und Komfort". Mit der Axt und der Machete mußten sich die Pflanzenjäger und ihre Helfer den Weg durch die wuchernde Vegetation schlagen, immer durch das diffuse Dämmerlicht aus Blättern und Schlingpflanzen. Bis die Kisten mit der Beute im sammelnärrischen Europa ankamen, konnte noch manches schiefgehen. Zum Beispiel vergammelten Tausende Orchideen in den Lagerhäusern oder in Schiffsbäuchen. So etwas trieb die Preise für Vanda sanderiana oder Phalaenopsis noch weiter in die Höhe. Bis zu 700 Pfund wurde für eine Rarität gezahlt. Wilhelm Micholitz, der ehrgeizige Sachse, war nur einer von ihnen. Sein Briefwechsel mit dem Londoner Arbeitgeber Frederick Sander ist ein Dokument der aufgeheizten Pflanzen-Hausse Ende des 19. Jahrhunderts.

          Ein Buch, das Botanik-Freaks und Sortenfans gleichermaßen mit Aha-Erlebnissen versorgt. Ganz unschuldig wirft man nach dieser Lektüre den Blick nicht mehr auf Hortensien, Mohn und Lilien, die nur dank solcher Strapazen bei uns heimisch werden konnten. Die beiden Autorinnen zeichnen die Rückschläge und Erfolgserlebnisse von acht Pflanzenjägern nach - darunter Adelbert von Chamisso ("Peter Schlemihl"), der auf seiner Weltumsegelung unter anderem in Kalifornien den gelben Mohn entdeckte, oder der Augenarzt Philipp von Siebold, der Fetthenne und Blauregen aus Japan herausschmuggelte.

          Kej Hielscher und Renate Hücking: "Pflanzenjäger. In fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies". Piper Verlag, 268 Seiten, 19,90 Euro.

          Weniger ist mehr.

          Zugegeben, es ist nicht zwingend, japanische Gärten unwiderstehlich zu finden. Kapriziöse Fleckchen sind es, die laufend geharkt werden müssen: rechts um das Wasserbecken, links in konzentrischen Kreisen um den mythischen Stein herum. Und an jedem Kirschzweig rankt sich Symbolik hoch, getreu der Lehre jener alten Tee-Meister, für die der Garten fern aller weltlichen Unreinheit der Ort geistiger Läuterung ist. Jetzt liegt ein Band vor, der dem japanischen Garten seine Verklärung nimmt. Das liegt nicht nur an den Fotos, die für sich genommen schon eine Art Meditation sind.

          Platz ist in Japan kostbar, und das merkt man den Entwürfen an: Da ist der Stufengarten im Souterrain oder ein Innenhöfchen auf 7,5 Quadratmetern. Oder ein grünes Refugium en miniature im elften Stock zwischen Hochhaus-Blöcken. Die westliche Langnase staunt und lernt: Raum für einen Garten ist in der kleinsten Hütte. Eine Spur Kiesel, ein lakengroßes Stück Rasen, Trittsteine und eine kleine Säule als Blickfang - das Japan-Gefühl mag nicht allen Zen-Ansprüchen genügen, fordert aber die Phantasie zur Beschränkung. Hartriegel, Ahorn und Scheinkamelien sind häufig anzutreffende Arten, während die Farbskalen sich meist auf den Dreiklang Schwarz-Grau-Grün beschränken. Fehlen tut das Bunte nicht.

          Michiko Rico Nosé (Text), Michael Freeman (Fotos): "Der moderne japanische Garten". Deutsche Verlags-Anstalt, 178 Seiten, 49,90 Euro.

          Für Gartenträumer.

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