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Halbjahrsbilanz Spanien : Die leuchtenden Augen verraten den Meister

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Alte Kunst vor Zeitgenossen: Der Auktionsmarkt in Spanien macht keine großen Sprünge, hält sich aber gut. Hier die wichtigen Zuschläge des ersten Halbjahrs

          Der Star der Kunstauktionen des ersten Halbjahrs in Spanien war ein Mädchen, möglicherweise eine „Junge Immaculata“, zugeschrieben Diego Velázquez. Viele Jahre kam kein vergleichbares Werk auf den spanischen Markt, seit 2005 wurde kein Millionen-Preis mehr erzielt – und schon gar nicht ein Rekord von acht Millionen Euro, die ein spanischer Sammler für dieses „Porträt eines Mädchens“ im April bei Abalarte in Madrid bewilligte. Dass es sich vorerst um eine Zuschreibung handelt, da noch die eindeutigen Expertisen fehlen, tat der Aufregung um das Bild keinen Abbruch.

          Der spanische Staat hatte für das kleine Meisterwerk ein Exportverbot ausgesprochen, weil es sich um spanisches Kulturgut handle und weil mit seiner Hilfe Licht in die noch wenig erforschte Frühphase des Meisters gebracht werden könne. „Alles deutet darauf hin, dass nähere Studien ergeben werden, dass es sich um ein Bild von Velázquez handelt“, so Kulturstaatssekretär Fernando Benzo. Erworben hat das Bild aber ein ungenannter spanischer Sammler, zum Schätzpreis von acht Millionen Euro; aus Spanien ausführen kann er es nicht. Der Staat hätte freilich in diesem Fall von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen können, das heißt, das Werk zum in der Auktion erzielten Preis erwerben; das geschah allerdings nicht.

          Ähnlichkeit mit zwei Velázquez-Gemälden

          Das Haus Abalarte wird geführt von Gonzalo Mora. Mora war zuvor schon verantwortlich für andere Auktionshäuser – und andere Super-Verkäufe. Zusammen mit dem Kunsthistoriker Richard de Willermin hatte er 2003 zwei kleine Bilder Francisco Goyas im Flur einer Madrider Altbauwohnung entdeckt. Sie befinden sich heute im Prado. Mora kannte auch das „Porträt eines Mädchens“, das in den Gemächern eines über achtzigjährigen Adligen in Madrid hing, ohne dass dieser sich lange Zeit von dem Gemälde trennen wollte – auch wenn er es für das Bildnis eines Jungen gehalten hatte. Als der alte Herr nun doch in die Versteigerung einwilligte, ordnete de Willermin das Werk sofort ein als „Sevilla um 1617, als Velázquez noch Lehrling war“: Die Ähnlichkeit mit zwei Versionen von Velázquez’ „Inmaculada Concepción“ in der National Gallery in London und in der Fundación Focus-Abengoa in Sevilla schien ihm unverkennbar. Ganz typisch für Velázquez seien die leuchtenden Augen. Das Bild befand sich seit hundert Jahren im Besitz der blaublütigen Familie und ist in sehr gutem Zustand. Ein zweites kleines Porträt eines Mädchens, das Velázquez zugeschrieben wurde, hatte Abalarte für Juni bei 300 000 Euro angekündigt; es wurde vom Einlieferer allerdings vor der Auktion zurückgezogen.

          Den zweithöchsten Preis im ersten Halbjahr erzielte ein Paar Ölbilder mit ländlichen Szenen aus dem Jahr 1899 und der „philippinischen Schule“ entstammend. Sie wurden im Juli bei Segre in Madrid zur Überraschung: Obwohl philippinische Sammler seit einigen Jahren Rekordpreise bezahlen, wenn es darum geht, Kunstschätze aus Spanien in ihre Heimat zu holen, waren die Werke völlig unterschätzt. Sie wurden bei 3000 Euro aufgerufen – der Hammer fiel bei 220 000 Euro. Das Haus betreibt die Politik absoluter Anonymität von Einlieferer wie Bieter, weshalb auch nicht zu erfahren war, ob der Käufer aus dem asiatischen Raum kommt.

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