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Kunstauktionen in London : Ältere Spitzen und die Jüngeren auf Erfolgskurs

  • -Aktualisiert am

Neue Rekorde und ein eindrucksvolles Debüt: Die Bilanz der Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Zeitgenossen bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips.

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          George Grosz, Tamara de Lempicka und René Magritte waren die Stars der Woche mit Impressionismus und Moderne in London: Sie sicherten Christie’s bei den Abendauktionen das deutlich bessere Ergebnis. Sotheby’s setzte mit 29 von 33 Losen insgesamt 49,9 Millionen Pfund um, was innerhalb der Erwartung von 41,8 bis 59,6Millionen Pfund lag; zehn Losen war der Verkauf durch Garantien schon gesichert. Christie’s spielte mit Impressionismus, Moderne und dem angeschlossenen „The Art of the Surreal“-Sale 106,8 Millionen Pfund ein: 41 Lose von 49 im Angebot fanden einen Abnehmer.

          Bei der Abendauktion von Sotheby’s war Pissarros neoimpressionistische Bäuerin im Feld, „Geléeblanche, jeune paysanne faisant du feu“, aus dem Jahr 1888 das Spitzenlos. Der Hammer fiel bei 11,5 Millionen Pfund (Taxe 8/12 Millionen) – der zweithöchste Preis für Pissarro jemals. Es war eines von zwei Gemälden, die 2018 vom französischen Staat an die Erben des Sammlers Gaston Lévy restituiert wurden. Das andere war Paul Signacs „La Corne d’Or. Matin“ das für 6,5 Millionen (5/7 Millionen) vermittelt wurde. Schmerzhaft war der Rückgang von Kirchners marktfrischem „Akt vor dem Spiegel“, um 1915/20, eingereicht aus der Sammlung Roman Norbert Ketterer. Er war im Katalog mit der ambitionierten Schätzung von drei bis fünf Millionen Pfund versehen, die vor der Auktion allerdings heruntergesetzt wurde; doch selbst beim Ausruf von zwei Millionen fand sich kein Bieter. Auch Joan Mirós marktfrische „Groupe de personnages“ (3/5 Millionen) aus dem Jahr 1938 ging zurück.

          Sehr begehrt waren dagegen zwei Raritäten von 1912: Franz Marcs „Zwei blaue Esel (Esel und Pferd)“ auf Papier, 35 mal 28 Zentimeter groß, waren von den Nachfahren des Kunsthistorikers Franz Stadler, der das Blatt im Jahr seiner Entstehung kaufte, eingereicht worden. Die Taxe lag bei einer Schätzung bis 1,5 Millionen Pfund, das Werk schwang sich aber nach intensivem Bietgefecht zum drittteuersten Los des Abends auf: Erst bei 3,4 Millionen Pfund erging der Zuschlag. Jean Metzingers kubo-futuristischer „Le cycliste“ wurde zum Rekord von 2,5 Millionen Pfund (1,5/2 Millionen) zugeschlagen. Ein Drittel der Lose ging auf den europäischen Kontinent, ein weiteres in die Vereinigten Staaten.

          Rekord für Georges Grosz

          Am folgenden Abend konnte Christie’s schon bei Losnummer sechs eine spektakuläre neue Höchstmarke feiern: Dem mit Rottönen dramatisch aufgeladenen Gemälde „Gefährliche Straße“ von George Grosz, entstanden 1918 wenige Monate vor Ende des Kriegs, mit düster dreinblickendem Selbstporträt im Vordergrund, war durch eine Garantie der Rekordpreis bereits sicher. Die untere Erwartung von 4,5 Millionen Pfund war jedoch schnell überschritten, und unter Geboten von fünf Bietern im Saal und an den Telefonen schraubte sich der Hammerpreis empor auf 8,4 Millionen Pfund. Der Käufer, wahrscheinlich ein Amerikaner, bezahlt mit Aufgeld umgerechnet 11,46 Millionen Euro dafür. Der externe Garantiegeber, der üblicherweise eine Summe im Bereich der unteren Taxe im Voraus bewilligt, hat an dem höheren Preis deutlich mitverdient. Der Rekord für Grosz lag seit 1996 bei 1,43 Millionen Pfund.

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