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Kunst und Recht : Gefeit ist niemand

  • -Aktualisiert am

In einem Münchener Auktionshaus wurden zwei Gemälde sichergestellt, weil Museen Besitzansprüche erheben. Eine Recherche zu dem Fall um Brueghel und Bürkel.

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          Wenn Hampel in München am 8. Dezember im Zuge seiner Herbstauktionen eine Münchner Privatsammlung versteigert, werden zwei Bilder daraus fehlen. Sie befinden sich beim bayrischen Landeskriminalamt, da wegen des Verdachts der Hehlerei gegen unbekannt ermittelt wird. Die ansehnliche Sammlung enthält Bilder der Brueghel-Familie, Werke vom jüngeren David Teniers, von Jan van Goyen oder von Barbizon-Größen wie Daubigny; dazu Barock- und Rokoko-Mobiliar und chinesische Porzellane. Insgesamt mehr als achtzig Lose, für deren Qualität unter anderem die Tatsache zu plädieren scheint, dass das Sammlerehepaar - wie es heißt, ausschließlich - beim angesehenen Kunsthändler Konrad O. Bernheimer einkaufte.

          Bei den problematischen Bildern handelt es sich um Jan Brueghels des Jüngeren „Vor der Dorfschenke“ und um Heinrich Bürkels „Ziehende Landsleute vor Rom“; letzteres Werk fand seinen Weg gar nicht erst in den gedruckten Katalog. Den Brueghel beklagten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach dem Krieg als verschollen; Ende der siebziger Jahre tauchte er laut Werkverzeichnis von Klaus Ertz im belgischen Handel auf. 1986 soll das Gemälde, so die Dresdner Sammlungen, Christie's angeboten, aber dort abgelehnt worden sein, und 1989 soll Scottland Yard der Londoner DDR-Botschaft das Auftauchen des Bilds im amerikanischen Kunsthandel gemeldet haben. Im Fall des Bürkel-Gemäldes vermerkt das Werkverzeichnis von Bühler/Krückl: „Ehemals Heimatmuseum, Pirmasens (Kriegsverlust)“. Beide Museen, Dresden und Pirmasens, machen Besitzansprüche geltend.

          Informationen vom Kunsthistoriker

          Die Katalogbearbeiter bei Hampel hätten den brisanten Einträgen nachgehen, die betroffenen Museen befragen müssen. Auch wäre es leicht gewesen, vorab Fragen nach etwaigem gutgläubigen Erwerb und Ersitzen des Eigentums zu prüfen. Was Hampel leichtfertig übersah, entdeckte, so die Auskunft des LKA, im Fall von Bürkel ein „Münchner Kunsthistoriker“, der die Behörde informierte; im Fall Brueghel sei ein New Yorker Anwalt auf das LKA zugekommen. Ein Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ hat den Fall dann Anfang der Woche publik gemacht.

          Nun werden Juristen ihre Arbeit tun. Und für den Kunsthandel stellt sich einmal mehr die Frage, wie er sich vor obskuren Stücken schützen kann. Sogar Hampels Konkurrenz hält sich da aus guten Gründen mit Besserwisserei zurück: „Keiner von uns ist in diesem Bereich hundertprozentig gefeit“, sagt Michael Scheublein vom Auktionshaus Neumeister. Katrin Stoll vom selben Haus bemerkt, dass man vor allem die Literatur sorgfältig prüfe und - wo möglich - die Verfasser von Werkverzeichnissen kontaktiere. Außerdem schicke man jeden Katalog ans Landeskriminalamt, das dann seine Diebstahllisten durchforstet. Wer klug ist, schaut auch in die staatliche Datenbank „lostart.de“. Aber Lücken gibt es überall: Das Bürkel-Bild war dort ohne Abbildung und (bis vor wenigen Tagen) mit dem irreführenden Titel „Blick auf Rom“ geführt; ein Klick zur genauen Beschreibung schien sich zu erübrigen.

          Sicherheit durch Berheimer-Provenienz?

          Es war naiv, aber Hampel fühlte sich doppelt abgesichert: Zum einen, weil man dort mit dem privaten „Art Loss Register“ zusammenarbeitet. „Wir garantieren, und so steht es auch unter unserem Logo im Katalog“, erklärt Ulli Seegers, Geschäftsführerin im Kölner Büro der Datenbank, „dass vor der Versteigerung . . . sämtliche Gegenstände im Katalog mit dem Datenbankbestand des Registers individuell abgeglichen werden.“ Seegers weiter auf Nachfrage: „Unsere Vertragspartner verpflichten sich, uns ihre Kataloge spätestens sieben Tage vor der Auktion zukommen zu lassen, Art Loss verpflichtet sich, bis zur Auktion zu prüfen. Beide Bilder wären bei Hampel jedenfalls nicht zum Aufruf gekommen.“

          Zum anderen fühlte Hampel sich durch die Bernheimer-Provenienz der Bilder abgefedert, in der Annahme, dass die Sachlage dort längst geprüft worden war. Was sagt Konrad O. Bernheimer dazu? Auch er habe sich auf seine Quellen verlassen, sei sich aber seiner Vorbildfunktion bewusst. „Vorbehaltlich einer Klärung, die noch zu bewerkstelligen ist“, sei er bereit, „falls wir Fehler gemacht haben“, den Einlieferer, also seinen Kunden, zu entschädigen und dafür zu sorgen, dass die Bilder an die Museen zurückgehen.

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