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Kunst und Millionen : Denn sie wissen ja, was sie tun

  • -Aktualisiert am

Fünf schwerreiche Sammler, ein Komiker und zwei Kunsthändler: Sie schieben derzeit die teuersten Bilder der Welt zwischen sich hin und her. Lisa Zeitz über den aktuellen Stand der Transaktionen.

          5 Min.

          Die Geschichte der Multi-Millionen-Dollar-Kunstgeschäfte ist um ein Kapitel reicher. Gerade hat Steve Wynn, der Kasino-Papst aus Las Vegas, den höchsten Preis für ein Kunstwerk überhaupt mit dem in Connecticut residierenden Hedge-Fonds-Manager Steven A. Cohen ausgemacht: 139 Millionen Dollar - das sind vier Millionen mehr, als Ronald Lauder angeblich für Klimts „Goldene Adele“ hinlegte - wollte Cohen für Wynns berühmtes Picasso-Bild „Le Rêve“ bezahlen.

          Das Gemälde aus dem Jahr 1932 zeigt in bunter Farbigkeit und erotisierten Formen Picassos schlummernde rosige Geliebte Marie-Thérèse Walter. Als Vermittler bei dem Geschäft diente der New Yorker Galerist William Acquavella. Doch es kam etwas dazwischen - genauer gesagt: Es kam nicht irgend etwas dazwischen, sondern Steve Wynns Ellbogen, der bei einer kleinen Privatführung in Las Vegas ruckartig durch die Leinwand stach und einen zentimeterlangen Riß darin hinterließ. Womit der Super-Deal hinfällig war und Wynns Ehefrau Elaine sich zu der Bemerkung hinreißen ließ, dieses sei ein Zeichen, daß sie das Bild wahrscheinlich doch nicht verkaufen sollten. (Zu Cohen, der in diesem Fall also leer ausging, kehren wir weiter unten zurück.)

          Hohe Frequenz an Kunstverkäufen

          Trotz des einen, nicht vollzogenen Handels ist die Frequenz der Kunstverkäufe im mehrstelligen Dollarmillionenbereich so hoch wie noch nie - auch außerhalb der New Yorker Auktionssäle, wo in der zweiten Novemberwoche Werke von Monet, Cézanne, van Gogh, Klimt, Kirchner und immer wieder Picasso jeweils Preise im achtstelligen Bereich bringen sollen. Apropos Klimt: Es wird gemunkelt, daß die 190 Millionen Dollar, die Ronald Lauder, der Kosmetikunternehmer und Besitzer der „Neuen Galerie für deutsche und österreichische Kunst“ in New York, eben gerade im August aus dem Verkauf von Anteilen an einem osteuropäischen Medienunternehmen erhalten hat, ihm für weitere Einkäufe dienen könnten, allen voran die bei Christie's am 7. November auf vierzig bis sechzig Millionen Dollar geschätzte „Adele Bloch-Bauer II“.

          Während noch immer die Identität des großen Unbekannten nicht gelüftet ist, der sich im Mai bei Sotheby's in New York überraschend Picassos Dora-Maar-Bild für rund 95 Millionen Dollar erwedelt hat, geht man aber allgemein davon aus, daß dieses Gemälde in Richtung Rußland ausgewandert ist. Im Gegensatz zu diesem Coup haben die jüngsten Sensationsverkäufe nun wieder innerhalb Amerikas und auf privater Ebene stattgefunden.

          Große Summen - keine Details

          Der in Los Angeles ansässige Philanthrop David Geffen, der sein Vermögen in der Film- und Musikindustrie gemacht hat, konnte im Lauf seiner Karriere eine hochkarätige Sammlung mit Werken von Jasper Johns, Willem de Kooning und Jackson Pollock zusammentragen. Ein Meisterwerk von Pollock soll er kürzlich für rekordverdächtige 138 Millionen Dollar an einen Sammler in Kalifornien verkauft haben - Details zu diesem Deal sind aber nicht bekanntgeworden. Außerdem heißt es, daß Geffen sich von zwei weiteren bedeutenden Werken der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts getrennt und sie für atemberaubende Summen an zwei Wall-Street-Milliardäre verkauft haben soll, die ihrerseits seit wenigen Jahren im Begriff sind, ebenfalls schwergewichtige Kunstsammlungen anzulegen. Aus Gründen, die auf der Hand liegen, stehen präzise Angaben über solche privaten Transaktionen nicht in Presseverlautbarungen.

          David Geffen gehörte auch Jasper Johns' buntes Bild „False Start“ von 1959, ein von gestischen Farbfeldern bedecktes Bild in Blau, Rot und Gelb, das die Namen der Farben in den typischen Schablonenbuchstaben des Künstlers zeigt und als wichtiger Vorläufer der Pop-art gehandelt wird. Achtzig Millionen Dollar haben der achtunddreißig Jahre alte Hedge-Fonds-Manager Kenneth Griffin und seine Frau Anne aus Chicago dafür ausgegeben - den weitaus höchsten Betrag, der je für ein Werk eines lebenden Künstlers aufgebracht wurde. Forbes schätzt das Vermögen von Kenneth Griffin auf 1,5 Milliarden Dollar.

          Lukrativer Weiterverkauf

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