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Kunst und Millionen : Denn sie wissen ja, was sie tun

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Dieser private Deal zwischen Geffen und Griffin wurde von der in Chicago und New York ansässigen Richard Gray Gallery vermittelt. Die ersten Besitzer von Johns' Komposition waren die New Yorker Robert und Ethel Scull (ihr Porträt hat unter anderen Andy Warhol eindrucksvoll verewigt). Sie verkauften es aber schon nach weniger als einem Jahr an den Architekten François de Menil. Der lieferte es 1988 zur Auktion bei Sotheby's in New York ein, wo es für den damaligen Rekordpreis für einen lebenden Künstler - siebzehn Millionen Dollar - an den Verlagsmogul S. I. Newhouse versteigert wurde.

Newhouse verkaufte es vor rund fünfzehn Jahren an David Geffen. Die neuen Besitzer, Kenneth und Anne Griffin, werden „False Start“ im November 2007 als Leihgabe an das Art Institute of Chicago geben, das dort die Ausstellung „Jasper Johns: Gray“ organisiert. Außerdem unterstützen sie diese Ausstellung mit 500.000 Dollar, und sie haben dem Museum eine Stiftung von neunzehn Millionen Dollar als Beitrag zum Anbau für die Kunst der Moderne zugesagt, der von Renzo Piano errichtet wird und in drei Jahren fertiggestellt werden soll.

Der Weg eines Gemäldes

Das zweite Kunstwerk, das David Geffen jüngst zu Geld gemacht hat, ist Willem de Koonings abstrakte Landschaft „Police Gazette“ von 1955, deren wild bearbeitete Oberfläche von Gelb und Rot mit schwarzen Konturen dominiert wird. Der Galerist Sidney Janis kaufte das Bild einst dem Künstler ab; später gehörten der New Yorker Graphik-Spezialist Eugene Thaw, das Ehepaar Scull und wahrscheinlich Ernst Beyeler zu den Besitzern. Geffen übernahm „Police Gazette“ vor zehn Jahren von Steve Wynn. Jetzt gab er das Bild für 63,5 Millionen Dollar an den kamerascheuen Hedge-Fonds-Manager Steven A. Cohen, Jahrgang 1956, weiter, dessen Vermögen Forbes auf 2,5 Milliarden Dollar beziffert.

Seit dem Jahr 2000 sammelt Cohen Kunst, anfänglich Impressionisten, dann Moderne und Zeitgenossen, aber auch große Namen Alter Meister. Schon vor zwei Jahren hat David Geffen ihm für 52 Millionen ein „Drip Painting“ von Jackson Pollock verkauft. Außerdem wird sich de Koonings Landschaft bald in der Gesellschaft von Damien Hirsts „Hai im Aquarium“ wiederfinden (der Nachfolger des ersten, mürbe gewordenen Hais, den Cohen vor einiger Zeit für acht Millionen Dollar von Charles Saatchi erstand, wird allerdings derzeit noch in England einbalsamiert). Als Picassos „Garçon à la pipe“ sich vor zwei Jahren bei Sotheby's bis zu 104 Millionen Dollar hinaufschraubte, soll Cohen, so heißt es, bei achtzig Millionen Dollar ausgestiegen sein. Und Cohen ist der Mann, der vor gut zwei Jahren für etwa 25 Millionen Dollar Gunter Sachs die Warhol-Ikone „Superman“ abkaufte.

Angestachelte Erwartungen

Es gibt Gerüchte zu den Plänen, die David Geffen mit seinem freigesetzten Kapital hat: Will er die „Los Angeles Times“ kaufen, eine angesehene Zeitung, die in den vergangenen Jahren mit besonders vielen Pulitzer-Preisen geehrt wurde, aber in finanziellen Schwierigkeiten steckt? Oder will er, wie der Kunstwelt-Insider Josh Baer spekuliert, eine Summe „zwischen 100 und 150 Millionen Dollar“ in ein weiteres Werk von Pollock investieren?

Zu den Verkäufern der Saison gehört auch der weißhaarige Schauspieler Steve Martin, schon lange einer der bedeutendsten Sammler amerikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Er ergreift die Gunst der Stunde und bringt in diesem Herbst ein spätes Gemälde von Edward Hopper auf den Markt: Das melancholische „Hotel Window“ aus dem Jahr 1955, dessen illustre Provenienz von der Sammlung Thyssen-Bornemisza bis zu Malcolm Forbes reicht, wird am 29. November bei Sotheby's - ohne Nennung von Steve Martins Namen - mit einer Taxe von zehn bis fünfzehn Millionen Dollar versteigert.

Die Kunstgeschäfte der Wall-Street-Milliardäre und Filmindustriellen kurz vor den großen November-Auktionen stacheln die Erwartungen an. Schon jetzt kann man nur staunen, mit welcher unerschöpflichen Finanzkraft einige Privatpersonen sich Kunst höchsten Ranges leisten können und dabei Hunderte von Millionen Dollar ausgeben.

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