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Kunst und Kunsthandwerk : Rottmann tief in Hellas: Vorschau auf die Auktion bei Neumeister in München

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Georg Hinz gilt als Schöpfer eines Stillebens, das Nautilus- und Buckelpokal, Bier- und Weingläser zwischen Obst und Porzellan drapiert und das mit einer Schätzung von 30 000 Euro der Altmeister-Offerte voransteht.

          Die Krönung steht am Ende der Kunstauktion bei Neumeister in München am 28. Juni: Erst am Abend nämlich kommt das „Bayerische Königsservice“ zum Aufruf, das Ludwig III. und seine Gemahlin Marie Therese als gemeinsames Geschenk ihrer Kinder 1918 zur goldenen Hochzeit bekamen. Nymphenburg lieferte das elegante Perlservice für 36 Personen und sieben Menu-Gänge mit blau-goldenem Randdekor und in Graucamieu fein gemalten Landschaften, Schlössern und Orten, zu denen das Jubelpaar persönlichen Bezug hatte. Service und zwei passende Ensembles aus dem Haus Wittelsbach kommen in etlichen, zwischen 500 und 4000 Euro geschätzten Tranchen zum Aufruf. Nach dem Einzelaufruf ist Gelegenheit zur Ersteigerung der geschlossenen Ensembles.

          Gegen das zarte königliche Porzellan nehmen sich zwei wertvolle Nürnberger Hausmaler-Krüge zu Auktionsbeginn fast rustikal aus. Im späten 17.Jahrhundert bemalte Johann Helmhack den einen mit Tobias und seinen Engel; der andere bekam im Umkreis Johann Ludwig Fabers sein Bild der „Brautwerbung des Knechtes Abrahams um Rebekka“ in Schwarzlot - die Taxen lauten auf 20 000 und 18 000 Euro. Die Silberparade deutscher, skandinavischer und russischer Meisterschmiede beschließen zwei reichverzierte Hamburger Deckelbecher auf Kugelfüßen (je 8500). Aus Österreich stammt eine um 1400 geschnitzte Pietà (12 00), und Christus inmitten der Apostel zeigt ein gut hundert Jahre jüngeres, ungefaßtes Relief, auf dem vielleicht derselbe Künstler physiognomische Studien trieb, den man von der Eferdinger Grablegung im Linzer Landesmuseum kennt (18 000).

          Zwischen Obst und Porzellan

          Georg Hinz gilt als Schöpfer eines Stillebens, das Nautilus- und Buckelpokal, Bier- und Weingläser zwischen Obst und Porzellan drapiert und das mit einer Schätzung von 30 000 Euro der Altmeister-Offerte voransteht. Unter den Papierarbeiten stößt man auf eine interessante Porträtzeichnung: Josef Stieler fertigte sie von Ludwig Friedrich Schmidt, dem evangelischen Kabinettsprediger der aus Baden stammenden Königin Caroline von Bayern, der 1806 Mitbegründer der ersten protestantischen Gemeinde Bayerns war (2000). Der von Carolines Stiefsohn Ludwig I., dem Sammler und Pinakothekserbauer, überaus geschätzte Carl Rottmann malte 1824 eine weite „Gebirgslandschaft mit Fluß und Sennhütte“; im folgenden Jahrzehnt treffen wir ihn im Auftrag seines Königs in Griechenland beim Ansichtensammeln historischer Stätten des alten Hellas, die er später auf die Wände der Münchner Hofgartenarkaden malte. Die lockere Ölskizze von „Aegina mit dem Aphaiatempel“ in rotem Abendlicht wirkt wie eine Studie vor der Natur; die Rottmann-Bilder beziffert der Katalog mit je 30 000 Euro.

          Das Doppelte peilt Spitzwegs gleichfalls skizzierte „Landschaft mit Brücke“ und Figuren an, die er seinem Freund Friedrich Pecht schenkte. Ein Hauptwerk des Hessen Carl Bantzer kommt zum Aufruf mit „Abendruhe“ von 1909, das vier Schwälmer Bauern beim Rasten in der Dämmerung zeigt (38 000). Und mit „Im Hafen von Istanbul“ könnte Fausto Zonaro wieder seine Wert bei türkischen Sammlern beweisen (4000).

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