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Kunst und Kunsthandwerk : Ein Gedanke wird suprematistisch ins Rollen gebracht: Ergebnisse der Auktionen bei Lempertz in Köln

  • -Aktualisiert am

Als das Gemälde „Gelmeroda XI“ von Lyonel Feininger aufgerufen wurde, hielt eine Fernsehkamera den Moment fest, denn es handelte sich um die letzte Version des Motivs, die noch im Handel ist. Der Erlös von 1,4 Millionen Euro ist der höchste Zuschlag, der in diesem Jahr in der Bundesrepublik erzielt wurde.

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          Zeitgenössische Kunst ist derzeit gefragt - und der anhaltende Boom der aktuellen Kunst bescherte dem Kölner Auktionshaus Lempertz mit einem Umsatz von 4,6 Millionen Euro die erfolgreichste Auktion zeitgenössischer Kunst in Deutschland überhaupt: Gefragt waren nicht nur die etablierten Namen wie Günther Uecker, dessen Nagelbild für 130 000 Euro an einen deutschen Sammler ging, ein „Concetto Spaziale“ von Lucio Fontana in brillantem Erhaltungszustand, das für 420 000 Euro von einem italienischen Händler im Auftrag einer Firmensammlung ersteigert wurde, oder das kleine „Study to hommage to the square: ,Lighting up‘“ von Josef Albers, das seinen Schätzpreis von 30 000 bis 35 000 Euro auf 200 000 Euro vervielfachte - auch Malerei der achtziger Jahre von Fetting, Oehlen oder Penck war gefragt und Arbeiten der jungen Generation wie Norbert Bisky (8000 Euro für ein Gemälde) und Thomas Scheibitz (dessen „Freizeit“ von geschätzten 28 000 Euro auf 50 000 Euro kletterte).

          Sonnenuntergang mit katalanischem Fischer

          Die Klassische Moderne zog am darauffolgenden Tag nach: Als das Gemälde „Gelmeroda XI“ von Lyonel Feininger aufgerufen wurde, hielt eine Fernsehkamera den Moment fest, denn es handelte sich immerhin um die letzte Version des Motivs, die noch im Handel ist, und man erwartete offensichtlich einen Rekord - und auch wenn „Gelmeroda XI“ nur etwas unterhalb des Schätzpreises von 1,5 bis 1,7 Euro abgegeben wurde, blieb der Erlös von 1,4 Millionen Euro dennoch der höchste Zuschlag, der in der Herbstsaison in der Bundesrepublik erzielt wurde.

          Mit einem Weltrekord endete dann das Bietgefecht um die „Demonstration“ von Franz Wilhelm Seiwert aus dem Jahr 1925. Das Hauptwerk des Rheinischen Progressiven, es stammte ursprünglich aus der Sammlung seines Künstlerfreundes Gerd Arntz, war auf 60 000 bis 80 000 Euro geschätzt worden und war einem Sammler aus Süddeutschland, der gegen drei bis vier Konkurrenten bot, schlußendlich 275 000 Euro wert. Der „Sonnenuntergang am Meer“ von Alexej Jawlensky, auf 200 000 bis 240 000 Euro geschätzt, wurde international begehrt, am höchsten bot ein russischer Sammler, 410 000 Euro.

          Zahlreiche Telefone waren zugeschaltet, als Max Beckmanns herausragende Originalradierung „Der Raucher (Selbstbildnis)“ aufgerufen wurde, so verdoppelte sich der Schätzpreis auf 86 000 Euro, seine „Day and Dream“ benannte Folge von Lithographien, auf 20 000 bis 25 000 Euro taxiert, wurde für 42 000 Euro zugeschlagen, eine Zeichnung von Pablo Picasso aus den dreißiger Jahren, ein katalanischer Fischer, auf 60 000 bis 70 000 Euro taxiert, steigerte ihren Wert auf 115 000 Euro.

          Tintenzeug eines Malewitsch-Schülers

          Höhepunkt der Auktion „Kunstgewerbe“ am vorangegangenen Wochenende war die vielleicht bedeutendste suprematistische Plastik überhaupt - ein Schreibzeug aus Porzellan: Nur ein paar Zentimeter hoch verbinden sich der schwarze Viertelkreis der Grundplatte, die flach geschichteten Fächer-Kuben und der Tintenfaß-Quader mit einer aufrecht stehenden Scheibe. Eine klare Arbeitsteilung - während sich der festgefügte Sockel nützlich macht, sieht das in Purpur- und Eisenrot bemalte Rund aus, als könne ein Gedanke es ins Rollen bringen.

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