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Kunst und Kunsthandwerk, Afrikana : Malerfreunde: Ergebnisse zum Saisonabschluß bei Neumeister in München

  • -Aktualisiert am

Die Afrikana aus der Sammlung Bareiss wurden von internationalen Interessenten bestens beboten; eine königliche Gedenkfigur der Kameruner Bangwa erreichte 48 000 Euro. Seine Jubiläumsauktion krönte Rudolf Neumeister mit dem stolzen Ergebnis von 600 000 Euro für Feiningers Gemälde „Rosa Wolke II“.

          Das erfolgreichste Geschäftsjahr seit der Firmengründung konnte man bei Neumeister bereits im Herbst ausrufen. Noch vor der Jubiläumsauktion zu Rudolf Neumeisters 80. Geburtstag, bei welcher der Senior selbst am Pult weitere Spitzenzuschläge einholte, hatten insbesondere die Sonderauktionen mit Malerei des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Georg Schäfer sowie Keramik und Afrikana aus den Kollektionen von Walter und Molly Bareiss zum Bestresultat beigetragen.

          Aus dem weitgefächerten Fundus des in Deutschland geborenen und dem Münchner wie dem New Yorker Kunstleben vielfältig verbundenen amerikanischen Geschäftsmannes Bareiss kam afrikanische Stammeskunst, die internationale Interessenten bestens beboten. An Händler in Paris und Brüssel gingen das Hauptlos, eine königliche Gedenkfigur der Kameruner Bangwa für 48 000 Euro sowie eine weitere Gedenkfigur dieses Stammes, deren Charles-Ratton-Provenienz für 22 000 Euro sorgte (Taxen 40 000/50 000 und 15 000/ 20 000).

          Weiße Punkte auf geblähten Backen

          Amerikanische Museen ergatterten einen eleganten, schlangen umwundenen Zeremonialstab der Makonde zu 26 000 Euro und eine Körpermaske derselben ostafrikanischen Volksgruppe für 22 000 Euro (Taxe je um 7000). Eine große, einst von Hans Himmelheber gesammelte und veröffentlichte weibliche Initiationsmaske der Yaka, Kongo, mit weißem Punktmuster auf den geblähten Backen und der breiten Stirn, fiel für 27 000 Euro an ein Telefongebot (15 000/20 000)

          Aus Bareiss-Besitz stammte auch das erfolgreichste Los der Moderne-Auktion: eine Stillebenzeichnung, die Picasso im November 1917 dem russischen Tänzer Leonid Federovich Miassin widmete. Mit ihm, dem Nachfolger Nijinskis unter Diaghilev, arbeitete Picasso am ersten kubistischen Ballett „Parade“ zusammen. Früchte, Glas, Gitarre und Hand zeigt das Blatt mit Aufdruck der Papierfirma „Higiene Moderna“, das mit 70 000 Euro der oberen Schätzung entsprach.

          Malerfreund in Affengestalt

          Zwei Rinder, von der Bäuerin an die „Wintertränke“ geführt, malte Werner Berg 1935 in bewußt „sehr strenger Bildgestaltung“, die ein österreichischer Sammler etwas über der Taxe mit 55 000 Euro honorierte. Albert Birkles hübsche „Kupplerin“ bestätigte die Erwartungen mit 20 000 Euro, während Wilhelm Thönys Aquarell „Paris Panthéon“ trotz Zustandsmängeln mit 20 500 Euro regelrecht abhob (um 11 000).

          Zeitgenössische Kunst sah eine rosttonige Gouache Poliakoffs mit 28 000 Euro vorn (um 9000) und Arbeiten Immendorfs begehrt und beboten: Sein gemalter „Malerfreund“ in Affengestalt stieg von 5000 auf 16 000 Euro und ein Löwe, der ein ähn liches Affen-Alter-ego des Künstlers einem Hündchen vorhält, von 6000 auf 14 000 Euro.

          Rosa Wolke und Rotes Blühen

          Seine Jubiläumsauktion krönte Rudolf Neumeister mit dem stolzen Ergebnis von 600 000 Euro für Feiningers Gemälde „Rosa Wolke II“ von 1918 (500 000); ein norddeutscher Sammler sorgte damit für eines der zehn besten deutschen Auktionsergebnisse 2005. Die Moderne, eigentlich nicht die Lieblingsdomäne des Seniors, bescherte weitere Erfolge, als eine „Pfälzer Landschaft“ von Slevogt mit 230 000 Euro die Schätzung übertraf, und mit Schmidt-Rottluffs spätem Aquarell „Rotes Blühen“, das 44 000 Euro einspielte (40 000).

          Das exzellente Skulpturenangebot gipfelte bei einem thronenden König, der um 1410 in Tirol entstand und einst dem Kloster Stams gehörte; 70 000 Euro bewilligte ein Sammler für den Würdigen, der auf 45 000 Euro geschätzt war. Eine bezaubernde Maria mit Kind, um 1400 in österreichischer Fasson des „weichen Stils“ geschnitzt, stieg auf 48 000 Euro (45 000). Das Kunstkammerstück eines kleinen „Büttenmannes“ von Jörg Zürn, eine von nur zwei bekannten profanen Figuren des Überlinger Bildhauers, erforderte 53 000 Euro vom obsiegenden Privatsammler (40 000).

          Elfenbeinbecher und Eulenpokal

          Als gefragt erwies sich Kunstgewerbe: Ein Elfenbein-Deckelbecher Philipp Stengelins aus Augsburg stieg auf 32 000 Euro (20 000). Nur knapp darunter landete mit 30 000 Euro ein vergoldeter Nürnberger Häufebecher in Privathand, den Sebald Buhel Mitte des 16. Jahrhunderts mit Jagdszenen schmückte (12 000).

          Das gleiche Nettoergebnis - und verdoppelte Erwartung - verbuchte ein vollplastischer Eulenpokal aus Moskau (Mitte 18. Jahrhundert). Augsburger Schmiedekunst um 1600 belegt auch eine Türmchenuhr, die von 15 000 auf 50 000 Euro hochgekämpft wurde. Schönes Schnitzwerk adelt eine Würzburger Rokoko-Kommode, die für 55 000 Euro an einen Privatbieter ins „benachbarte Ausland“ ging.

          Ein Kosake zu Pferd

          Fayencen aus einer Privatsammlung verschafften der Hauptauktion am Folgetag einen glatten Einstieg. Vorneweg profilierten sich zwei Hanauer Enghalskrüge mit Wappen der Würzburger Fürstbischöfe Christoph von Hutten und Johann Philipp Franz von Schönborn mit Zuschlägen von 11 000 und 8500 Euro (je 2500). Am ausgabefreudigsten erwiesen sich russische Käufer, die einer Hafenszene des wohl identifizierbaren „Monogrammisten P. V.“ 44 000 Euro zugestanden (1800), einem Bild des russischen Künstlers Julius S. von Klever 24 000 Euro (15 000) und einem „Kosaken zu Pferd“ des zuletzt im September wieder höchst erfolgreichen Franz Roubaud 20000 Euro.

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