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Kunst und Kunstgewerbe : Menzel malt den König

  • -Aktualisiert am

Auf eine eindrucksvolle Provenienz kann Adolph Menzels Gemälde „Bittschrift“ verweisen, das die Volksnähe des aufgeklärten Monarchen Friedrich der Große dokumentiert. Bei der Auktion von Bolland & Marotz am 29. Juni ist das zentrale Werk in Menzels Schaffen mit 800.000 Euro das Spitzenlos.

          Freundlich und volksnah blickt der Alte Fritz auf das junge Bauernpaar, das sich ihm gleich in den Weg stellen wird. Es wird ihm - zögerlich, aber doch wild entschlossen - eine „Bittschrift“ überreichen - und so heißt auch das Gemälde von Adolph Menzel, das am 29. Juni bei Bolland & Marotz in Bremen zum Aufruf kommt. Ein Ausnahmebild mit einer ausnehmend aufregenden Provenienz ist die originalgerahmte, 62,2 mal 76,5 Zentimeter messende Szene, aus dessen leicht erhöhtem Fluchtpunkt Friedrich der Große mit Dreispitz, wohl auf seinem legendären Leibreitpferd, dem Schimmel Condé, gefolgt von zwei Offizieren, auf das rechts hinter einem Baumstamm wartende junge Paar zureitet. Der Mann hält den Brief in der Hand; seine Frau ermutigt ihn eindringlich, dem König entgegenzutreten.

          Dieses ist das erste Gemälde in Menzels langer Bildfolge zum Leben Friedrichs II., angeregt sicher durch die 1840 illustrierte gleichnamige Anekdote in Fritz Kuglers Biographie „Geschichte Friedrichs des Großen“. Dass Menzel genau im Revolutionsjahr 1848 seine eigene Aufarbeitung des, wie er ihn beschrieb, „Fürsten, den die Fürsten hassten und die Völker verehrten“, plante, war kein Zufall. In dieser stillen, aber auch dramatischen Szene inszeniert der Künstler den Monarchen als aufgeklärten Landesvater. Der Titel gemahnt die Zeitgenossen an die vormärzlichen Beschwerden und Forderungen der Bauern und Bürger an den König.

          Prominente Provenienz

          Zuletzt wurde das zentrale Werk in Menzels Schaffen im Jahr 2002 in einer Kabinettausstellung in der Berliner Alten Nationalgalerie gezeigt, war aber sonst selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Provenienz ist eindrucksvoll: Obwohl der preußische Hof das Gemälde nach seiner Entstehung nicht erwerben wollte, weil der Weg, auf dem der König ritt, zu matschig und zerfurcht und daher nicht palastfähig sei, erwarb es 1912 Wilhelm II.; seither befand es sich im Familienbesitz der Hohenzollern auf Burg Hechingen und zuletzt in deutschem Privatbesitz. Schon jetzt verzeichnet das Auktionshaus großes Interesse für das auf 800.000 Euro geschätzte Gemälde - auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

          Von gänzlich anderem Reiz ist das am selben Tage angebotene sechzehnteilige Speisezimmer von Bruno Paul, bestehend aus einem gesockelten Geschirrschrank mit Intarsienbild, acht Armlehnstühlen und sechs Stühlen, ausgeführt 1937 von den Deutschen Werkstätten in Hellerau bei Dresden und mit 14.000 Euro beziffert. Bei den Altmeistern fällt ein orientalischer Charakterkopf von Tiepolo oder aus Tiepolos Werkstatt auf, der starke Verwandtschaft zu den vielen anderen Charakterköpfen des Meisters aufweist (Taxe 11.000 Euro), und Martin Boelema de Stommes monogrammiertes Stillleben mit Zitrone, Weinglas und Messer (14.000). Noël Hallés Frauenbild „Une Savoyarde“, um 1756, bei der es sich nach einer Überlieferung um Geneviève Lorry mit Kind handeln soll, gefiel dem Künstler offenbar so sehr, dass er sich bis zu seinem Tod nicht davon trennen wollte. Nun kommt es für 17.000 Euro zum Aufruf.

          Trinksprüche und Sinnsprüche

          Beim historischen Glas findet sich ein vor 1768 zu datierender Lauensteiner Deckelpokal mit den Wappen der Personalunion von Großbritannien und Hannover in äußerst feinem Mattschliff, umschrieben mit der Devise des Hosenbandordens „Honi soit qui mal y pense“ und der freundlichen Aufforderung „Trinkt nicht zu wenig / Es lebe der König / Glück auf“. Die 31 Zentimeter hohe Pracht soll 10.000 Euro einspielen.

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