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Kunst und Fotografie : Sieger und Besiegte

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In den Auktionen bei Lempertz in Köln erscheinen die moderne und die zeitgenössische Kunst samt Fotografie bestens sortiert - ein Blick in die Kataloge.

          Spitzenlos ist in diesem Frühjahr ein seltener Gast aus Italien: Für die Lempertz-Auktion mit moderner Kunst am 22.Mai reiste aus einer römischen Privatsammlung Giorgio de Chiricos statische, aber dramatische Darstellung „Gladiatori nell’ Arena“ nach Köln. Das mit einer Erwartung von 450.000 bis 550.000 Euro versehene, für ihn typische Werk malte der 1888 in Griechenland geborene Künstler im Auftrag des Händlers Léonce Rosenberg, der damit sein Haus dekorieren wollte. Auch wenn es heißt, de Chirico habe den Auftrag nur widerwillig erfüllt, so strotzt die Szene mit dem siegreichen und dem besiegten Gladiator in der nächtlichen, dicht besetzten Arena doch vor Kraft. Im selben Jahr 1927 malte Jawlensky seinen stillen „Abstrakten Kopf: Bildnis Mela Escherich“ ganz in zurückgenommenen Erdtönen; er soll 250.000 bis 300.000 Euro einspielen. Von Paula Modersohn-Becker kommt eines ihrer eindringlichen Kinderporträts: Die Leinwand des „Sitzenden Kinds an einer Birke“ trägt auf ihrer Rückseite die unvollendete Skizze eines „Bauernmädchens am Hang vor wolkigem Himmel“: Das Haus erhofft sich für das 1905 entstandene Gemälde, das einst im Besitz von Otto Modersohn war, 180.000 bis 220.000 Euro.

          Auch diesmal hat Lempertz eine biblische Darstellung von Otto Dix im Angebot: die Begegnung des Saul mit dem harfespielenden David zu seinen Füßen. Das expressiv farbige Bild entstand im Jahr 1946, nachdem Dix aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Vielfach ausgestellt, kommt es nach mehr als drei Dekaden erstmals wieder auf den Markt (Taxe 100.000/120.000 Euro). Am Strand von Nordwijk, wo er das Haus Ter Duin besaß, malte Max Liebermann im Jahr 1908 seine stürmische Strandszene, die sich einst in der Sammlung Bührle befand (120.000/150.000).

          Wie aus einer anderen Welt wirken dagegen die zwei dunstigen, spätabendlichstillen Flusslandschaften von Lesser Ury, die am Beginn des 20.Jahrhunderts an Seen in der Umgebung Berlins entstanden; das Gemälde (35.000/40.000) und das Pastell (25000/ 35000) scheinen wie flüchtige Erinnerungsbilder. „The Checkered Napkin“ nannte George Grosz das launige Stillleben, das er im Jahr 1936 in New York malte (40.000/45.000). Dort im Metropolitan Museum hängt übrigens seine Ansicht einer Sherryflasche mit Walnüssen, die ein Jahr später entstand. Ein schönes Stillleben kommt auch vom lange kaum bekannten und früh gestorbenen Expressionisten Hermann Stenner: Es ist ein leuchtendes, in kräftigen Strichen gestaltetes Arrangement mit Hahn, Henne und einer Schachtel auf rotem Grund aus dem Jahr 1913 (25.000/30.000).

          Die markantesten Highlights auf Papier sind eine Zeichnung von Ernst Ludwig Kirchner, eine Aktszene mit zwei Frauen im Atelier von 1914 (60.000/ 80.000) und von Oskar Schlemmer in Öl und Tempera eine Ölskizze „Vorübergehender und Stehender“ aus dem Jahr 1935 (120.000/150.000), die eng an die Komposition seines verschollenen Gemäldes „Vorübergehender“ von 1925, ehemals in der Staatlichen Gemäldegalerie Dresden und 1937 beschlagnahmt, angelehnt ist. Abgerundet wird die Moderne-Offerte von einer reichen Auswahl an Bronzen; es werden zahlreiche Stücke von Barlach (20.000/30.000), Mataré (8000 bis 16.000), Gaul (2800 bis 12.000) und Sintenis (3000 bis 12.000) angeboten. Ein, wie der Künstler in einem dem Werk beiliegenden Brief selbst befand, besonders schönes, expressives „Sonnenkreuz“ von Joseph Beuys (180.000/ 200.000) markiert dann den Sprung in die Gegenwart.

          Eines von drei Bildern, die Gerhard Richter aus seinem „RAF“-Zyklus heraushielt, eine abstrakte Übermalung der Fotografie von Holger Meins auf dem Totenbett, kommt bei der zeitgenössischen Kunst am 23.Mai zum Aufruf. Das nur 27 mal 35 Zentimeter messende Gemälde ist mit 150.000 bis 220.000 Euro bewertet. Mit einer Erwartung von 200.000 bis 250.000 Euro tritt ein spot painting im Mittelformat, „Dicetyl Phosphate“ aus dem Jahr 2005, an. „Madonna Painting“, eine 51 mal 40,5 Zentimeter große Serigraphie von Warhol aus dem Jahr 1985, die auf seine frühen Zeitungsmotive zurückgreift, soll 120.000 bis 160.000 Euro einspielen.

          Von Emil Schumacher werden einmal mehr zwei markante Gemälde angeboten: „Tamalan“ von 1996 (180.000/200.000) scheint wie mit rotglühender Lava gemalt zu sein, während „Brega“ aus dem Jahr 1970 aus einer vorzeitlichen Höhle stammen könnte und aus gebrannter Erde zu bestehen scheint (70.000/80.000). Zwei weitere schöne Objekte, neben dem erwähnten de Chirico, stammen aus Italien: Von Piero Manzoni kommt ein „Achrome“ (45.000/55.000), eine nur 23 mal achtzehn Zentimeter große Box gefüllt mit lackiertem Styropor, das wirkt wie ästhetisch verwitterte organische Masse. Lucio Fontanas Terracottarelief als „Concetto Spaziale“ von 1960/65 wirkt dagegen heute noch so frisch wie zum Zeitpunkt der Entstehung (50.000/70.000).

          In der Sektion Fotografie wirkt Otto Steinerts großformatige schwarzweiße, typisch hochglänzend kaschierte Darstellung mit dem Titel „Die Sonne von Amalfi“ (8000/10000) wie ein abstraktes All-over: Die 1963 entstandene Aufnahme zeigt jedoch das kontrastreiche Glitzern des Wassers. Das teuerste Fotolos wird bei den Zeitgenossen versteigert: Von Thomas Demand kommt eine „Spüle“ aus dem Jahr 1997. Die in einer Auflage von sechs existierende Arbeit ist mit einer oberen Erwartung von 25.000 bis 30.000 Euro versehen.

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