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Antiquitätenwochen in Bamberg : Schatzsuche am Domberg

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Die alljährlichen Kunst- und Antiquitätenwochen in Bamberg locken in die berühmte Altstadt, wo die Händler zur Festspielzeit ihre besten Stücke bereithalten.

          Bei den derzeitigen Hitzerekorden ist der Aufenthalt in einem kühlen gotischen Kellergewölbe eine Wohltat. Erst recht, wenn dazu noch golden und farbig schimmernde Heiligenfiguren den mit uralten Steinen gepflasterten Raum bevölkern, dessen Mitte ein vier Meter langer Refektoriumstisch beherrscht. Darüber glänzt ein Paar gotisierender Messinglüster, leise Musik erhöht das Wohlbefinden. Das kühle Gelass liegt unterhalb von drei weiteren Geschossen voll erlesener Dinge in der eben eröffneten Dependance des Kunsthandels Senger im Herzen von Bamberg, keine fünfzig Meter vom Stammsitz in der Karolinenstraße entfernt. Thomas Herzog, Geschäftsführer und Schwiegersohn des Firmengründers Walter Senger, ließ das Haus aus dem 17. Jahrhundert vorbildlich renovieren: Hier im Antiquitätenviertel am Fuß des Dombergs weiß man, was man der Auszeichnung der Altstadt als Unesco-Weltkulturerbe schuldig ist.

          Beim Betreten der neuen Geschäftsräume erwartet den Besucher eine fast lebensgroße Petrus-Figur. Ihr im Umkreis von Veit Stoss vermuteter Nürnberger Schöpfer schnitzte dem Apostel um 1500 ein in sich gekehrtes Antlitz, vom Alter gefurcht und mit lockigem Bart und hüllte er ihn in einen faltenreichen Umhang (280.000 Euro).

          Sämtliche Räume sind belegt von einem Programm aus Gemälden, Kunstkammerobjekten, Skulpturen und Mobiliar der unterschiedlichsten Epochen: Oben, in der Beletage mit ihren zauberhaften Stuckdecken, beleuchten Schinkel-Lüster einen großen Marienaltar, weiter unten blickt Philipp Melanchton auf Designerstühle der sechziger Jahre, ihn porträtierte Cranach d. Ä. und Werkstatt im Jahr 1543; das Gemälde kostet 480.000 Euro.

          Zeitgenössisches trägt der indische Künstler Ratnadeep Gopal Adivrekar mit seinem Bilderzyklus „The Golden Ear“ bei – eine Hommage an Richard Wagner, die sich nicht zuletzt an all jene Gäste richtet, die die Bayreuther Festspiele gerne auch für einen Sprung ins nahe Bamberg und einen Bummel während der Kunst- und Antiquitätenwochen nutzen. Zum 23. Mal finden die nun schon statt, und die internationale Resonanz auf die Gemeinschaftsaktion ortsansässiger Händler nimmt ständig zu, sagt ihr Mitgründer Walter Senger.

          Zu den Gründern zählt auch Christian Eduard Franke-Landwers. In seinem gotischen Stadthaus präsentiert er gemeinsam mit Christoph Freiherr von Seckendorff zwischen eleganten französischen Wandappliken, Prunkvasen aus Birmingham und elsässischer Fayence, unter großen Spiegeln aus Schweden und Venedig auch die Marmorskulptur einer dezent erotischen Tänzerin des Joseph von Kopf, dem einst Großherzog Friedrich I. von Baden ein Atelier spendierte (36.500 Euro). Als jüngster Neuzugang unter Möbeln aus vielen Epochen schmückt sich ein Rokoko-Aufsatzschreibschrank mit eingelegten Blumenvasen, Ornamenten und einer Spielfläche für Schach und Dame (148.000 Euro).

          Als einer von wenigen Kunsthändlern im Land unterhält Franke-Landwers eine eigene Restaurierwerkstatt. In wenigen Monaten werden die drei dort tätigen Fachmänner zusammenpacken und ein paar Ecken weiter ziehen, wo der Chef gerade eines der schönsten Häuser der Kaiserstadt zum Wohnen und Werken renoviert.

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