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Kunst und Antiquitäten : Nachtwächter im Mondschein

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An drei Tagen versteigert das Wiener Auktionshaus Im Kinsky Kunst und Antiquitäten. Spitzenlos ist ein spätes Mädchenporträt von Egon Schiele. Unsere Vorschau.

          Sie posierte für Gustav Klimt in den gemusterten Kleidern, aus denen der Fin de siècle-Maler seine ornamentalen Träume schuf: Klimts Lebensgefährtin Emilie Flöge war gelernte Schneiderin, als sie mit ihren beiden Schwestern 1904 einen Haute-Couture-Salon eröffnete. In den von Josef Hoffmann exklusiv eingerichteten Geschäftsräumen wurden zunächst Modelle im Stil der Belle Époque verkauft, bevor Flöge ihre berühmten Reformkleider entwarf.

          Das Wiener Auktionshaus Im Kinsky bietet in seiner kommenden Jugendstil-Auktion ein rares Seidensatinkleid des Salon Flöge an, das - engtailliert und bestickt - noch den Schönheitsidealen der Gründerzeit folgt. Der von der Familie der ursprünglichen Trägerin eingebrachte Textilschatz soll 17.000 bis 35.000 Euro erlösen.

          Ein spätes Mädchenporträt von Schiele

          Fünf Sparten kommen im Kinsky zwischen dem 13. und dem 15. November zum Aufruf, wobei gut 730 Lose mit einer Gesamterwartung von sechs bis elf Millionen Euro auktioniert werden. Zu den weiteren Highlights des Jugendstils zählt die Bronze „Kniender Jüngling“, die George Minne 1898 entworfen hat: Die aus belgischem Privatbesitz stammende und vom Künstler selbst gegossene Plastik ist 87,5 Zentimeter hoch und soll zwischen 20.000 und 40.000 Euro kosten. Von Josef Hoffmann liegen Teile eines silbernen Mokkaservices vor, das die Wiener Werkstätte 1904 fertigte (Taxe 20.000/40.000 Euro).

          In der Offerte der Klassischen Moderne ist das Spitzenlos dieser 93. Kunstauktion des Hauses zu finden: Egon Schieles mit Kohle und schwarzer Tempera auf Papier gezeichnetes „Mädchenporträt (Hilde Ziegler)“ entstand nur drei Wochen, bevor die spanische Grippe den Künstler 1918 hinraffte. Das neu entdeckte Blatt soll 150.000 bis 300.000 Euro bringen. Von Herbert Boeckl liegt das Porträt des „Heinrich BeneschI“ vor, das den betagten Kunstsammler und Schiele-Förderer in ausdrucksstarke Couleurs fasst (100.000/200.000). Von Gustav Klimt kommt ein gezeichneter Doppelakt der Jahre 1906/07 unter den Hammer (50.000/100.000).

          Eine Kreuzigungsszene von Janneck

          Den Katalog zu den Bildern des 19.Jahrhunderts schmückt ein Frühlingsgemälde mit Almauftrieb von Friedrich Gauermann (70.000/140.000). Um 1870 schuf Carl Spitzweg auf 15 mal 28 Zentimetern das beschauliche und in der Literatur oft verzeichnete Mondscheinbild eines „Nachtwächters“ (50.000/100.000). Zu jener Zeit reiste der Wiener Aquarellist Rudolf von Alt in die Toskana und meisterte die Herausforderung, im Dom von Siena die achteckige Kanzel mit ihren üppigen Reliefs und Löwenstatuen zu verewigen (65.000/100.000); ein Ölbild des Künstlers führt zur römischen Ansicht von Tivoli mit dem Tempel der Vesta (50.000/100.000).

          Bei den Alten Meistern wird eine 58 Teile umfassende „Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels“ in Barockrahmen aufgerufen, die der Neapolitaner Gennaro Basile 1762 ganzfigurig und mit dem jeweils individuellem Umfeld umsetzte: Die auf 120.000 bis 200.000 Euro geschätzte Sammlung unterliegt dem österreichischen Ausfuhrverbot.

          Mit Öl auf Kupfer komponierte der barocke Feinmaler Franz Christoph Janneck eine „Kreuzigung Christi“ mit großer Figurengruppe (80.000/140.000). Ein Prunkstillleben mit Früchten stammt von Jan Davidsz. de Heem, einst gehörte es dem berühmten Wiener Architekten Heinrich von Ferstel: Der ganz plastisch gemalte Nagel an seiner Rückwand stellt eine typische Erfindung des Niederländers dar (80.000/150.000).

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