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Kunst und Antiquitäten : Farbenfeuerwerk Alter Meister

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Zum Frühjahrsauftakt haben die beiden großen Wiener Auktionshäuser ein stattliches Angebot zusammengetragen. Was genau bieten das Dorotheum und Im Kinsky an?

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          Karriere und Mutterglück schlossen sich für sie nicht aus: Elf Kinder gebar die erfolgreiche Malerin Lavinia Fontana, nur drei Sprösslinge blieben ihr erhalten. Bei dem eleganten „Bildnis einer Schwangeren“, das nun unter den 314 Losen der Altmeisterauktion des Dorotheums am 18. April hervorsticht, handelt es sich wohl um ein Selbstporträt der Bologneser Künstlerin. Mit selbstbewusstem Ernst legt sie darauf die Hand auf ihren gewölbten Leib - ein zu Zeiten der Gegenreformation eher verpöntes Motiv, das für 80.000 bis 120.000 Euro angeboten wird. Aus derselben Epoche wie Fontanas Bild stammt ein zweites Damenporträt in guter Hoffnung, vermutlich ist es Anna von Dänemark. Das intensive Licht spricht für einen nordischen Maler, der jedoch unbekannt bleibt (Taxe 60.000/ 80.000 Euro).

          Eine Feier der Mütterlichkeit liefert auch Orazio Gentileschis effektvolle Frau mit Kind, bei der er die feinen Stoffe mit der Einfachheit der weiblichen Figur kontrastiert; das jüngst entdeckte Gemälde kommt bei 200.000 bis 300.000 Euro auf den Markt. Eindeutig biblisch ist die hervorragende „Maria mit dem Christusknaben“ aus Rubens’ Werkstatt, die im Zuge eines Altarbilds entstand (60.000/80.000). In der Figurendarstellung ungeheuer plastisch leuchtet Alessandro Turchis „Heilige Familie mit einem Engel“ (50.000/70.000). Von Guercino liegt eine Maria Magdalena vor (180.000/220.000), und auch ein heiliger Franziskus des Künstlers wurde eingebracht (100.000/150.000), während von Lorenzo Lippi das bisher unveröffentlichte, naturalistische Ölbild „Der Triumph Davids“ mit seinem Chiaroscuro überzeugt (120.000/150.000). Zum Aufruf kommt eine beachtliche Auswahl adliger Porträts: Sofonisba Anguissolas Bildnis von Giuliano II. Cesarini verewigt den Vierzehnjährigen mit lachendem Pagen (150.000/ 180.000). Den Katalog schmückt - ebenfalls in Brustpanzer - der junge Kaiser Rudolf II., den Martino Rota im Dreiviertelporträt festhielt (50.000/70.000). Aus österreichischem Adelsbesitz stammt Angelika Kauffmanns Porträt der Fürstin Franziska von Kaunitz-Rietberg (50.000/70.000).

          Auch ohne feudalen Glanz überzeugt das „Bildnis einer Dame“ des Florentiner Malers Giuliano Bugiardini, die schlicht gekleidet hohe Vornehmheit ausstrahlt (150.000/200.000). Das Spitzenlos stellt eine Landschaft von Jan Brueghel II und Josse de Momper dar: Für die „Dörfliche Szene am Ziehbrunnen“ in bestem Zustand werden 350.000 bis 400.000 Euro erwartet. Unter den Stillleben verdient das meisterhafte Bodegón von Juan des Espinosa Erwähnung, das erlegte Vögel zum letzten Kuss vereint (150.000/200.000).

          In der Offerte zum 19. Jahrhundert locken zwei restituierte Genrebilder von Waldmüller. Die 57 mal 44 Zentimeter große Holztafel „Sonntagsruhe“ wurde im Dorotheum 1944 für das Führermuseum Linz gekauft: Für die stimmungsvolle Szene mit bäuerlicher Mutter und Kind sind nun 300.000 bis 400.000 Euro veranschlagt. Das etwas kleinere Ölbild auf Holz „Großmutter mit drei Enkelkindern“ von 1854 zeigt eine Momentaufnahme familiärer Harmonie (250.000/350.000). Weniger von Waldmüllers Handschrift zeigen die vier ebenfalls restituierten Ladenschilder für eine Apotheke, die Hippokrates, Hygiea, Flora und Galen eher klassizistisch darstellen (80.000/120.000).

          Aus Adelsbesitz kommt Friedrich von Amerlings hinreißendes Profilporträt eines träumerischen Mädchens mit schwarzer Mantille zur Auktion, mit 80.000 bis 120.000 Euro moderat geschätzt. Vittorio Matteo Corcos lebensgroßes Damenbildnis im weißen Seidenkleid soll 75.000 bis 95.000 Euro wert sein. Nicht weniger als siebzig Kleinstgemälde bietet die kuriose Malerpalette, die unter anderem von Künstlern wie Oswald Achenbach, Eugen von Blaas oder Franz Defregger beidseitig mit Miniaturen geadelt wurde (20.000/25.000). Mit Pathos setzt Friedrich Gauermanns Gemälde die Szene „Adler und verendender Hirsch am Seeufer“ ins Bild (80.000/120.000), und Edward Compton gibt den Blick auf eine Bergkette im Kaukasus frei, die er selbst nur von Fotos kannte (25.000/35.000).

          Im Kinsky hat für die ambitionierte Auktion „Meisterwerke“ am 17. April 163 Gemälde und Antiquitäten ausgewählt. Eine Rarität konnte das Haus mit George Minnes 67,5 Zentimeter hoher Carrara-Marmorplastik „Solidarité“ von 1897/98 akquirieren; die zwei expressiv gestalteten Jünglinge stehen umarmt auf einer Barke: Die Skulptur stammt von den Erben des Sammlers Carl Reininghaus (180.000/350.000). Von Schiele liegt die vergleichsweise züchtige Kohlezeichnung „Mädchen mit zurückgeworfenem Kopf“ von 1918 vor, mit 150.000 bis 300.000 Euro bewertet.

          Die Auswahl zum 19. Jahrhundert führen Aquarelle von Rudolf von Alt an, der in Wien just den Platz Freyung mit der Schottenkirche festhielt, an dem sich das Palais Kinsky befindet (70.000/140.000). Von Olga Wisinger-Florian besticht die „Landschaft bei Grafenegg (60.000/100.000). Klimts gezeichnetes Porträt seiner Schwester Hermine entstand in seiner Frühzeit 1886/87 und gehörte bis zuletzt seinen Mäzenen Primavesi (70.000/140.000).

          Gleich zu dritt kommen die Höhepunkte der Zeitgenossen: Drei frühe Arbeiten Arnulf Rainers lassen seine Entwicklung von der Blindmalerei „Expressiv-Dynamisch - Die Ekstase“ (100.000/ 180.000) über die Zentralisation „Große Vertikalgestaltung“ (180.000/350.000) bis zur „Übermalung Blau auf Weiß“ (75.000/150.000) nachvollziehen. Die an einen Sonnenuntergang gemahnende XL-Abstraktion von Herbert Brandl war 2007 auf der Biennale in Venedig ausgestellt (90.000/150.000). Ebenfalls den Zeitgenossen wurde Serge Poliakoffs abstrakte „Composition en rouge, bleu, blanc, noir et brun“ von 1968 zugeschlagen (100.000/200.000).

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