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Kunst und Antiquitäten : Es steht ein Brunnen im Salon

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Natürlich aus der Belle Epoque: In Muschelform und aus Carrara-Marmor adelt Auguste Ledrus Brunnen wohl jedes Wohnzimmer. Auf Schloss Ahlden kann man ihn ersteigern.

          Die letzte Auktion des Jahres im Schloss Ahlden am 3. und 4. Dezember wartet im ersten Teil mit Plastiken des frühen 20. Jahrhundert auf. Die Bandbreite reicht von dem 1924 bei KPM ausgeführten und extrem seltenen, ungefassten expressionistischen „Törichten Engel“ von Georg Kolbe, knapp 62 Zentimeter hoch (Taxe 14.500 Euro), über die aus Elfenbein geschnitzte „Exotische Tänzerin“ des Franzosen Joe Descomps, ganz im Geschmack des Art déco (14 500), bis hin zu einem veritablen Zoo bronzener Tiere von August Gaul, Renée Sintenis oder Willy Zügel (im drei- und vierstelligen Bereich). Das alte Meissen nimmt das plastische Thema mit Kaendler-Entwürfen um 1740/50 auf: Rar ist die polychrom gefasste Gruppe „Pantalone und Colombine“ (65.000), reizvoll auch „Scaramus und Colombine“ (36.000). Etwa 23 Zentimeter hoch sind zwei ähnlich seltene Figuren eines kursächsischen Grenadiers und eines Dragoners in zeitgenössischer Uniform (je 38.000).

          Die ausgedehnte Gemäldeabteilung trumpft mit einer hochdramatischen Bekehrung des Paulus auf, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf Kupfer gemalt und Frans Francken II zugeschrieben (12.000). Mit lückenloser Provenienz seit 1867 und einem aktuellen Müller-Hofstede-Gutachten kommt ein charakteristisch genrehaftes „Ländliches Herbergsquartier mit belauschtem Liebespaar“ von David Teniers d. J. für 28.000 Euro zum Aufruf. Von hervorragender Qualität ist ein repräsentatives Halbporträt der Zarin Katharina in feinstem Ornat, von ihrem Hofmaler Alexander Roslin, dem sie auch für ein ganzfiguriges, heute in der St. Petersburger Eremitage bewahrtes Porträt Modell stand (14.000).

          Eine Marktszene von „Monsieur chandelle“

          Das 19. Jahrhundert kommt mit Eduard Steinbrücks liebreizender Szene mit vier badenden Kindern am Waldbach, ein kurz nach 1834 entstandenes Hauptwerk, das die zeitgenössische Popularität des Künstlers illustriert (24.000). Besonders im Norden wird das imposante großformatige Bild von Friedrich Kallmorgen, „Die betenden Kinder“, für Aufmerksamkeit sorgen. Es entstand wohl 1891 im holländischen Fischerdorf Volendam und steht den holländischen Motiven von Max Liebermann aus der gleichen Zeit in nichts nach (12.000). Internationales Interesse ist für eine nächtliche Marktszene im Mondschein und Kerzenlicht des Niederländers Petrus van Schendel zu erwarten: Seine sanften Nachtbilder sind von Georges de la Tour inspiriert, was ihm in Frankreich den Beinamen „Monsieur chandelle“ einbrachte; das 1851 datierte Bild ist auf 86.000 Euro geschätzt.

          Unter den Möbeln schließlich fällt ein monumentaler „Salon-Brunnen“ der Belle Époque auf, um 1890 in Paris von Auguste Ledru geschaffen: Auf einem reichgegliederten und geschnitzten Unterbau aus Nussbaumholz erhebt sich der eigentliche Brunnen in Form einer Muschel aus weißem Carrara-Marmor und einer sich daraus galant erhebenden Venus samt Wasserfall. Die ganze Pracht ist auf 28.500 Euro beziffert.

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