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Kunst und Antiquitäten : Desserttempel

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Mit tiefen Humpen, feinem Zinn und einer exotischen Tänzerin aus Bronze und Elfenbein: die Vorschau auf die Herbstauktionen bei Schloss Ahlden.

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          Mit allerlei fürstlichen und königlichen Provenienzen schmückt sich das Silberangebot der Herbstauktion am 15., 16. und 22. September auf Schloss Ahlden. Ein teilvergoldeter Barock-Deckelhumpen des Augsburger Meisters Lukas Neusser, um 1650 mit einer Darstellung eines Tritonen in bewegtem Gewässer auf dem getriebenen zylindrischen Korpus. Das fünfzehn Zentimeter hohe Gefäß ist auf 18 500 Euro geschätzt. Ein Höhepunkt schlesischer Goldschmiedekunst ist ein ähnlich hoher Deckelhumpen um 1680 des Ohlauer Meisters Christian Metze des Älteren mit reich gravierter und getriebener floraler und figuraler Verzierung (Taxe 14.000 Euro).

          Beim Zinn lockt eine extrem rare Zunftkanne der Weber, vom Meister Georg I. Grünewald um 1648 in Coburg erschaffen (14 500). Bei den modernen Skulpturen tanzt gleich eine ganze Mannschaft Art-déco-Mädchen aus Bronze und Elfenbein, darunter eine vierzig Zentimeter hohe farbig patinierte exotische Tänzerin von Hans Harders (8500), während eine postum gegossene „Kleine Tänzerin“ von Edgar Degas ganz in sich versunken verharrt (7500). Das passende Mobiliar dazu liefert Koloman Moser mit einem siebenteiligen Esszimmer aus Palisander und Kirsche um 1905 (11 500). Beim alten Meißen ein vielteiliges Reiseservice im gut erhaltenen Originalkoffer, von Gottlob Siegmund Birckner um 1745 mit galanten Watteau-Szenen auf seegrünem Fond geschaffen (38.000).

          Die Dessert-Tafel der Zarin Katharina von Russland zierte einst ein Tempelaufsatz aus Meißener Säulen mit feuervergoldeter Bronze. Das bei Gardner in Moskau um 1780/90 zusammengestellte Werk ist mit 68.000 Euro beziffert. Unter Kaendlers immer etwas gedrungenen Entwürfen ist ein Bergmann mit Laute, um 1750, für 45.000 Euro und ein radschlagender Pfau aus der ehemaligen Sammlung von Gustav und Charlotte Klemperer (34.000).

          Bei den Gemälden dominiert ein großes Prunkstillleben des Frans Ykens mit Zitrusfrüchten und einer reichen Auswahl von frisch erlegtem Federwild vor einer Sammlung Pokalen (55.000) und eine auf Eichenholz gemalte Strandansicht mit viel Platz für holländischen Wolkenhimmel von Simon de Vlieger (95.000). Preußenfreunde haben die Auswahl zwischen zwei monumentalen Herrscherbildern: Zusammengesunken sitzt Friedrich der Große nach dem Siebenjährigen Krieg in der Eosander-Kapelle von Schloss Charlottenburg, nachempfunden 1902 von Arthur Kampf (48.000) und in überlebensgroßer Herrscherpose zeigt sich Wilhelm II. in der Paradeuniform seines Leibgarde-Husarenregiments, 1914 von Willy Werner porträtiert (12.000).

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