https://www.faz.net/-gqz-siem

Kunst & Recht : Film ab! Der Handel mit Videokunst

  • -Aktualisiert am

Der Handel mit Video- und Fotokunst weist einige Parallelen auf: Da Videokunstwerke, ähnlich wie Fotografien, theoretisch endlos reproduzierbar sind, sind Sammler auch hier an kleingehaltenen Editionen interessiert. Wie entsteht also eine solche Edition, und woran erkennt man das Original?

          Nicht nur die jüngsten Ausstellungen unter dem Titel „40jahrevideokunst.de“ beweisen es: Die Videokunst ist längst eine eigenständige Form, für die sich ein eigener, noch überschaubarer Markt etabliert hat. Der Begriff „Videokunst“ bezieht sich vor allem auf das Medium Video (oder Film), nicht auf Inhalte.

          Umfaßt ist eine Vielzahl von Phänomenen - von den manipulierten Fernsehern, die Nam June Paik und Wolf Vostell Anfang der Sechziger ausstellten, über die bloße Dokumentation einer Performance bis hin zu Matthew Barney, der mit seinen aufwendigen künstlerischen Filmen die Grenze zum Kinofilm überschreitet. Der Handel mit Video- und Fotokunst weist einige Parallelen auf: Da Videokunstwerke, ähnlich wie Fotografien, theoretisch endlos und digitalisiert sogar ohne Qualitätsverlust reproduzierbar sind, sind Sammler auch hier an kleingehaltenen Editionen interessiert. Deren Auflage bewegt sich üblicherweise zwischen drei und zwölf Stück. Wie entsteht also eine solche Edition, und woran erkennt man das Original?

          Kopien inklusive

          Im Handel haben sich dafür bislang keine allgemeinverbindlichen Usancen herausgebildet. Anders als bei Foto-Editionen ist eine Kennzeichnung auf dem Trägermedium - zum Beispiel einer DVD - jedenfalls kein Kriterium. Einige Galeristen übergeben dem Käufer einer Edition daher ein vom Künstler unterschriebenes Zertifikat, das der verkauften Kopie beiliegt und deren Echtheit belegt.

          Dieses Zertifikat ist ebenso integraler Bestandteil der Arbeit wie eine Installationsanleitung und etwaige Kopien, die dem Käufer übergeben werden (üblicherweise mindestens eine Vorführ-DVD, mitunter auch eine Sicherungskopie und ein Digi-Beta). Neben einer näheren Beschreibung des Werks (Titel, Zeitpunkt der Fertigstellung, Länge und ähnliches) enthält ein solches Zertifikat die „Editionsnummer“ - zum Beispiel 3/3+1 (+1 ist auch hier das sogenannte Künstlerexemplar) -, die sich auch auf dem Datenträger befindet, sowie die Verpflichtung des Künstlers, das Werk nicht mehr zu verändern und keine weiteren Exemplare davon herzustellen.

          Work in progress

          Andere Händler räumen dem Käufer einer Edition vertraglich im Namen des Künstlers ein einfaches Nutzungsrecht an der verkauften Arbeit ein: Es berechtigt den Käufer, das Werk in einer bestimmten Weise zu nutzen, es zum Beispiel öffentlich vorzuführen. Gleichzeitig verpflichtet sich der Künstler, über den engen Kreis der Edition hinaus keine urheberrechtlichen Nutzungsrechte an Dritte zu erteilen und keine Veränderungen mehr vorzunehmen.

          Das aber setzt bei allen Beteiligten ein gleichgerichtetes Rechtsverständnis und die Kenntnis einschlägiger Normen des Urheberrechts voraus: Denn was geschieht, wenn ein Künstler - dennoch - Änderungen vornimmt und das Werk anschließend erneut in den Handel bringt oder ausstellt? In der Praxis ein nicht seltenes Phänomen; denn viele Künstler sehen ihre Arbeiten als works in progress, die stetiger Überarbeitung bedürfen. Ein Sammler, dessen „Original“ nun keines mehr zu sein scheint oder zumindest an Wert eingebüßt hat, ist hiervon ebenso betroffen wie der Galerist, der das Werk verkauft hat und jetzt von den Käufern auf Rückerstattung des Kaufpreises in Anspruch genommen wird.

          Geschützte Laufbilder

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.
          Zuletzt mehr Schatten: An der Wall Street standen die Aktienkurse zuletzt unter Druck.

          Aktienrückkäufe : Stützpfeiler der Wall Street gerät ins Wanken

          Amerikas Unternehmen kauften im zweiten Quartal weniger eigene Aktien. Angesichts des Handelskonflikts gilt das als weiteres Indiz für die Verunsicherung in den Vorstandsetagen. Bereiten sich die Unternehmen auf den Wirtschaftsabschwung vor?

          Annäherung an Russland : Macrons Moskau-Wende

          Vor zwei Jahren war der Franzose noch als unerschrockener Kritiker russischen Hegemoniestrebens angetreten. Nun plädiert er für die Einbindung des Landes und warnt: ohne Russland keine europäische Souveränität.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.