https://www.faz.net/-gqz-81k5e

Kunst in Paris : Die Jahrhunderte auf drei Messen durchschreiten

  • -Aktualisiert am

Können sich zeitgenössische Künstler mit Alten Meistern messen? In Frankreichs Hauptstadt laufen parallel der Salon du Dessin, die Zeichnungsmesse Drawing Now und die Art Paris im Grand Palais.

          4 Min.

          Der Messe-Marathon geht weiter. Jetzt ist Paris an der Reihe, mit gleich drei komplementären Messen. Neben der „Art Paris“, der großen Frühjahrsschau im Grand Palais, gibt die „Woche der Zeichnung“ mit ihren zwei thematischen Messen die einzigartige Gelegenheit, sich an Arbeiten auf Papier aus allen Jahrhunderten sattzusehen. Der Frühling steht allerdings bloß im Kalender, ein feuchtkalter Luftzug weht durch die mächtige Halle des Grand Palais. Dann und wann brechen Sonnenstrahlen durch die gläserne Kuppel und lassen die Kunst auf der Art Paris in ihrer Farbigkeit aufleuchten. Auch im Carreau du Temple, den frisch restaurierten Markthallen des Marais-Viertels, wo „Drawing Now“, die Messe für zeitgenössische Zeichnung, den idealen Ort gefunden hat, wird bei der Eröffnung noch gefröstelt.

          Warm ums Herz wird es erst im Saal des Palais Brongniart. Dort herrscht die elegante gedämpfte Stimmung des „Salon du Dessin“, der immer wieder eine Augenweide ist. Im Salon du Dessin geht es um nichts als die faszinierende Intelligenz, die reine Schönheit der zeichnerischen Geste. Zeichnungen zu betrachten hat auch mit Nähe zu tun. Manche Szenen sind so klein, so delikat, dass man sich zentimeternah zu ihnen hinbeugen möchte. Bei Katrin Bellinger aus München fällt der Blick auf ein solches Kleinod. Es handelt sich um eine Szene aus dem Jahr 1886 in Gouache und Aquarelle von Adolph Menzel, die nur elf mal achtzehn Zentimeter groß ist. Wie ein Schnappschuss hält sie detailreich einen drollig stürmischen Augenblick im Kaffeehausgarten fest. Schon seit einer Woche würde er diesen Menzel betrachten und immer wieder etwas Neues entdecken, bekennt Martin Graessle, der Geschäftsführer von Bellinger, der dieses Wunder der beschwingten zeichnerischen Präzision für 650.000 Euro anbietet.

          Die direkteste und reinste Übersetzung

          Auch bei Martin Moeller aus Hamburg ist es eine winzige Zeichnung, diesmal von Franz Marc, die das Herz höherschlagen lässt. Mit Aquarellfarbe hat Marc ein bezauberndes Pferdchen auf eine Postkarte gepinselt. Lebenslustig trabt es in die Welt und wirft dabei den Kopf schnaubend in die Lüfte. Der Maler hatte diese handgemalte Karte um 1912 vom oberbayrischen Sindelsdorf an Freunde nach Paris geschickt. Auf der Rückseite lässt sich seine Nachricht lesen: „Schönen Gruß von Ihren Sindelsdorfern, die Sie einsam über Pariser Brücken wandern sehen.“ Hundert Jahre später ist Marcs Postkarte wieder in Paris angekommen und kostet 340.000 Euro.

          Zu dieser 24. Ausgabe haben 39 Galerien die demokratisch gleich großen Stände im Börsenpalais bezogen. Die auf Klassische Moderne spezialisierte Pariser Galerie Damien Boquet Art ist zum ersten Mal dabei und hält - wie es sich für den Salon du Dessin gehört - nur Spitzenwerke bereit. Darunter ist ein selten großes Frauenporträt mit rumänischer Bluse von Henri Matisse (410.000 Euro). Matisse, der die Zeichnung als die direkteste und reinste Übersetzung der Emotion definiert hat, zeichnet mit sicherer Hand die feinen Züge seines Modells. Auch wenn die Klassische Moderne längst einen unerlässlichen Platz auf der Schau eingenommen hat, bleiben Alte Meister im Mittelpunkt der Messe. Bei Pandora Old Masters aus New York hängt, etwas einsam, eine einzige Arbeit von Nicolas de Staël (57.000 Euro) neben Meistern des 16. Jahrhunderts, unter ihnen ein erstaunlicher Frauenkopf auf blauem Papier von Bernardino Lanino (47.000 Euro). Bei De Bayser aus Paris fällt der Entwurf zu einem Fresko von Lazzaro Tavarone auf: Der Genueser Maler hat das Papier mit orangeroter Farbe getränkt, bevor er seine Studie einer Frau mit drapiertem Rock und eines Jungen darauf zeichnete. Oben am Bildrand sieht man auch 400 Jahre später noch die Abdrücke von den Fingern, mit denen der Maler sein noch feuchtes Blatt gehalten hat. Solche Details gehören zu den bewegenden Momenten auf dem Salon du Dessin.

          Weitere Themen

          Pariser Improvisationskunst

          Kunstmesse FIAC : Pariser Improvisationskunst

          Aufwind in der Pariser Kunstszene: Die 47. Ausgabe der FIAC, ausgewichen ins „Grand Palais Éphémère“, punktet mit europäischer Prägung und hoher, unaufgeregter Qualität.

          Kunst am Fuße der Pyramiden Video-Seite öffnen

          Ägypten : Kunst am Fuße der Pyramiden

          Das ägyptische Unternehmen „Art D’Egypte“ eröffnet seine Ausstellung mit dem Titel „Forever Is Now“. Es ist die erste internationale Kunstausstellung, die an den Pyramiden von Gizeh und auf dem umliegenden Gizeh-Plateau stattfindet.

          Topmeldungen

          Querdenker demonstrieren gegen Wissenschaftler und Politiker

          Die Wissenschaft in Krisen : Forscher unter Beschuss

          Für Krisen wie die Corona-Pandemie und den Klimawandel braucht es Fachleute, die ihr Wissen teilen. Doch die werden immer heftiger angegriffen und ziehen sich zurück. Damit ist keinem geholfen.

          Tödlicher Schuss am Set : Regieassistent räumt Fehler ein

          Die Hinweise zu Verstößen gegen Waffenregeln bei den Dreharbeiten zu „Rust“ haben sich bestätigt. Und Nicolas Cage hat schon mal wütend ein Set verlassen – weil die Waffenmeisterin, die auch bei „Rust“ arbeitete, Fehlzündungen nicht verhindert hatte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.