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Kunst bei Lempertz : Mit gehisster Flagge

  • -Aktualisiert am

Leonor Fini: 'Les Adelphes', 1968, Öl auf Leinwand 129,5 x 96,5 cm. Bild: Lempertz

Vorweihnachtlicher Auktions-Marathons bei Lempertz mit Kunst aus der Moderne und Zeitgenossen, Fotografie und Alte Meister. Ein Blick in die Kataloge.

          3 Min.

          Den Auftakt des vorweihnachtlichem Auktions-Marathons bei Lempertz macht die Veranstaltung mit Fotografie am 7. Dezember. Die ersten 79 Lose werden in einem separaten Katalog präsentiert, kommen aus der Privatsammlung von Orsola und Filippo Maggia und zeigen allesamt „Rom in frühen Photographien“. Die Erwartungen für die überwiegend gut erhaltenen Salzpapierabzüge liegen zwischen 400 und 5000 Euro, mit einer Ausnahme: Der unbekannte Monogrammist L.L. fertigte um 1855/56 ein wunderschönes Album mit 35 Albuminabzügen an, dessen je 20 mal 25 Zentimeter messende Aufnahmen die Ewige Stadt in ihrer ganzen Pracht abbilden (Taxe 12.000/15.000 Euro). Unter den 188 weiteren Fotografie-Losen bestechen Otto Steinerts marktfrische gegenstandslose Lichtzeichnung „Luminogramm (Die Lampen der Place de la Concorde, Paris)“ aus dem Jahr 1952 (12.000/15.000) und das 48 mal 38 Zentimeter große C-Print unter Original-Passepartout der Nasa-Aufnahme von 1969, die Buzz Aldrin neben der gehissten amerikanischen Flagge zeigt und aus dem Nachlass eines Kodak-Managers stammt (15.000/20.000).

          Einen Tag später, am 8. Dezember, kommen 22 Lose aus der bedeutenden Sammlung des Bremer Luftfahrtunternehmers Hinrich Bischoff in einer Sonderauktion unter den Hammer, die zusammen 4,4 Millionen Euro einspielen sollen: Unangefochtenes Highlight des Konvoluts stellt Georges de la Tours Nachtstück „La fillette au braisier (Mädchen, in ein Kohlebecken blasend)“ mit einer Erwartung von drei bis vier Millionen Euro dar. Auch das Andachtsbild einer „Betenden Maria“ von Quentin Massys, um 1520 datiert, ist von hoher Qualität: Die 44 mal 33 Zentimeter große Tafel ist vergleichbar mit dem Flügel eines Diptychons von Massys, der sich im Prado in Madrid befindet (500.000/700.000). Vom holländischen Maler Marinus van Reymerswale kommt ein achtzig mal 54 Zentimeter messender „Geldverleiher“ für 200.000 bis 300.000 Euro zum Aufruf. Und Philips Wouwermans Ölgemälde „Soldaten beim Zelt einer Marketenderin mit einem Trompeter“ soll 100.000 bis 150.000 Euro einbringen.

          Erich Heckel, „Frauen im Wald“, 1922, Öl auf Leinwand, 80 x 70 cm,Schätzpreis:
90.000/120.000 Euro. Bilderstrecke
          Kunst bei Lempertz : Mit gehisster Flagge

          Ebenfalls am 8. Dezember werden 118 Positionen der Moderne und zeitgenössischen Kunst in einem Evening Sale angeboten, mit Donald Judds „Half Solid Tube Piece“ als Höhepunkt: Die Skulptur entstand 1990, besteht aus einem großen kadmiumroten, kastenförmigen Objekt aus Sperrholz mit einem halbröhrenförmigen Einschnitt an der Oberseite; das Werk soll 400.000 bis 450.000 Euro erlösen. Marcel Broodthaers liefert gleich zwei Highlights: Seine neunteilige Arbeit mit typographisch bedruckten Leinwänden „Gestalt-Bild-Abbildung“ von 1973 ist auf 350.000 bis 400.000 Euro geschätzt; der marktfrische, 1967 entstandene farbig gefasste „Socle“ aus Sperrholz wird auf 100.000 bis 150.000 Euro taxiert. Karel Appel ist mit einigen, teils großformatigen Leinwänden vertreten, darunter eine „Nue“ von 1961 (180.000/220.000) und – unbetitelte – Badende von 1962 (200.000/220.000). Von Christo kommt die 56 mal 71 Zentimeter große Arbeit „Mein Kölner Dom, Wrapped“ aus dem Jahr 1992 (100.000/150.000). William Copley malt 1989 seine Vision von „Trust Lust“ (80.000/120.000).

          Die Moderne-Offerte wird preislich angeführt von Alexej von Jawlenskys um 1918 entstandener „Variation: Purpurgold (Herbst)“, an der der Künstler über sechs Jahre im Schweizer Exil arbeitete und die sich später im Besitz der deutsch-amerikanischen Malerin Galka Scheyer in Hollywood befand (120.000/150.000). Emil Nolde hielt um 1930/35, anlässlich seines Aufenthalts auf Sylt, das „Tosende Meer“ als farbintensives Lichtspiel fest: Das 33 mal 45 Zentimeter messende Aquarell kommt marktfrisch aus dem Nachlass von Noldes zweiter Ehefrau Jolanthe und ist auf 100.000 bis 130.000 Euro geschätzt. Auf Franz Wilhelm Seiwerts 1926 entstandenen „Drei Arbeiterköpfen“ ist deutlich der Einfluss seiner grafischen Arbeiten und künstlerischen Propaganda zu erkennen, sind die Elemente doch alle geometrisch abstrahiert, mit vereinfachten Umrissen versehen, und Frontal- und Seitenansichten wechseln sich ab (90.000/120.000).

          Die „Tanzenden Akte“ von Ernst Ludwig Kirchner faszinieren durch ihre dynamische Expressivität; bei der 59 mal 51 Zentimeter großen Original-Lithographie auf gelbem Papier von 1914 handelt es sich um einen signierten Handabzug, der aus dem Nachlass von Kirchners Brücke-Kollegen Erich Heckel kommt (Auflage 7; 80.000/120.000). Heckel selbst ist mit dem Ölgemälde „Frauen im Wald“ aus dem Jahr 1922 vertreten (90.000/120.000). Etwa ein Jahr später entstand mit „Konzert in der Oper“ eines der seltenen Konzertbilder, die Max Liebermann in der Berliner Staatsoper Unter den Linden malte. Das verhältnismäßig kleine Format von 20 mal 28 Zentimetern resultiert aus dem Umstand, dass Liebermann die Bilder dieser Serie direkt im Saal während der Vorstellungen malte (80.000/120.000).

          Von Leonor Fini stammt das große, erotisch anmutende Gemälde „Les Adelphes“ von 1968 mit drei Figuren, deren Beziehungen zueinander dem Betrachter ein Rätsel bleiben (80.000/100.000). Und Gert Heinrich Wollheim bannte in einer Nacht des Jahrs 1928 den Schauspieler Heinrich George unglaublich präsent auf die Leinwand (60.000/80.000). Das markante Porträt war im Frühjahr 2018, damals taxiert auf 80.000 bis 120.000 Euro, bei Grisebach in Berlin zurückgegangen. – Zusammen sollen alle Auktionen mehr als vierzehn Millionen Euro einbringen.

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