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Kornfeld : Madeleines zum Tee für drei Millionen

  • -Aktualisiert am

Schweizer Ergebnisse I: Die Frühjahrsauktionen mit Alter und Schweizer Kunst, Moderne und Zeitgenossen bei Kornfeld in Bern.

          2 Min.

          Das Berner Auktionshaus Kornfeld scheint mit seinen Juni-Auktionen einiges richtig gemacht zu haben: Allein fünf Zuschläge oberhalb der Millionengrenze wurden erzielt, der Gesamtumsatz für die drei Auktionen mit Moderne, Zeitgenossen, Schweizer Kunst und Zeichnungen und Graphiken Alter Meister lag bei 36 Millionen Franken, gegenüber einer Erwartung von 34 Millionen. Dabei katapultierte sich Albert Ankers „Stillleben: Tee und Schmelzbrötchen – auch Teegedeck“ mit weitem Abstand an die Spitze: Beim Zuschlag von drei Millionen Franken verdreifachte das 1873 entstandene Ölgemälde seine Schätzung, die bei einer Million Franken lag. Drei Bieter kämpften um das ausgewogene Ensemble, das einen neuen Auktionsrekord für ein Stillleben des Schweizer Traditionsmalers bedeutet.

          Auch die anderen Schweizer Künstler können sich mit ihren Ergebnissen sehen lassen: Vom Autodidakten Adolf Dietrich avanciert das 1936 entstandene und marktfrische Gemälde „Eichhörnchen auf Tannenast im Winter“ bei 300.000 Franken, gegenüber der Taxe von 60.000 Franken. Die friedvollen „Engadiner Berge mit weidenden Kühen“ von Gottardo Segantini verdoppelten ihre Taxe mit dem Zuschlag von 160.000 Franken. Ernst Ludwig Kirchners hoch bewertetes „Alpenveilchen“ von 1918 (Taxe 350.000 Franken) blieb unverkauft. Die 146 Zentimeter hohe bronzene „Lampadaire modèle ,Étoile‘“, die Alberto Giacometti in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Diego um 1936 für Jean Michel Frank entworfen hat, blieb mit ihrem Zuschlag von 140.000 Franken (150.000 Auflage unbekannt) etwas unter der Schätzung. Ebenfalls in der Phase der Pariser Zusammenarbeit mit dem Innenarchitekten Jean Michel Frank entstand vermutlich die Skulptur „Vase modèle, dit Aigle“ aus Gips: Von Alberto Giacomettis 57 Zentimeter hohem Werk, das marktfrisch aus einer Schweizer Privatsammlung stammt und direkt beim Künstler angekauft wurde, sind bisher nur zwei Exemplare bekannt. Taxiert auf 80.000 Franken fiel der Hammer dafür erst bei 460.000 Franken. Auch Diego Giacomettis Bronzeguss „Lustre aux acrobates“ aus dem Jahr 1962 ließ seine Schätzung hinter sich beim Zuschlag von 950.000 Franken (600.000; Auflage 2).

          Für viel Wirbel im Saal sorgte Edvard Munchs seltenes graphisches Blatt „Zwei Menschen – Die Einsamen“ von 1899: Der farbige Holzschnitt ging nach intensivem Bietergefecht für 2,2 Millionen Franken (1,25 Millionen) an einen Saalbieter. Das ist der höchste Preis, der jemals für einen Holzschnitt von Munch bezahlt wurde. Marc Chagalls „Le Rêve au cirque“ von 1980 reüssierte bei 1,6 Millionen Franken (1,5 Millionen). Wassily Kandinskys kleines Ölgemälde „Spalte/Fissure“ aus der Dessauer Bauhauszeit von 1926 schaffte es auf 1,2 Millionen Franken (1,5 Millionen). Während Franz Marcs liebreizende Papierarbeit „Zwei Knaben mit Eseln“ unverkauft blieb, erzielten die beiden Zeichnungen aus dem Bestand des Museum of Modern Art in New York gute Ergebnisse: Picassos „La Source/Femme au chien“ von 1921 kam auf 252.000 Franken (200.000), und die um 1865 entstandene Kohlezeichnung „Maisons près de la mer“ von Claude Monet erlöste 108.000 Franken (60.000).

          Unter den Zeitgenossen überraschte Nicolas de Staëls sechzig mal 81 Zentimeter messendes, abstrahiertes Gemälde „Honfleur“, dem ein Gebot von 1,46 Millionen Franken galt; geschätzt war die Ansicht der französischen Hafenstadt auf 800.000 Franken. Die Auktion mit Druckgraphik und Handzeichnungen Alter Meister am setzte insgesamt 2,4 Millionen Franken um: Die Toplose waren Rembrandts „Landschaft mit den drei Bäumen“ von 1643 für 270.000 Franken (250.000) und eine geschnitzte niederländische Verkündigungsszene aus dem frühen 15. Jahrhundert für 160.000 Franken (30.000).

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