https://www.faz.net/-gqz-7xyev

Einkaufszentrum in Schanghai : Prada allein macht eben nicht glücklich

  • -Aktualisiert am

Damit sich niemand beim Einkaufen langweilt, setzt das Himalayas Center in Schanghai neben Luxusläden auf Kunst – und widmet jetzt dem Maler und Bildhauer Sean Scully eine große Schau.

          7 Min.

          Vom Flughafen Pudong braucht man eine knappe Dreiviertelstunde, um zum Gelände der Expo 2010 in Schanghai zu gelangen. Auf dem Weg über die Autobahn gleiten Riegel um Riegel neuer Hochhäuser mit Tausenden von Apartments vorbei. Die modulare Organisation der Felder, die hier bis vor wenigen Jahren noch bearbeitet wurden, ist unter präzise geplanten Anordnungen aus Teer und Zement verschwunden. Schanghai wächst und wächst, und hüllt sich an diesem Morgen in eine Wolke aus Nebel und Smog.

          Der Distrikt Pudong am östlichen Ufer des Huagpu-Flusses ist die Heimat der neuen Skyscraper von Schanghai, vom neuen Shanghai World Financial Center bis zu den Pionieren aus den neunziger Jahren, als Pudong zur „Special Economic Zone“ erklärt wurde - des Shangri-La Hotels und des berühmten Pearl Towers, dessen runde Kugeln abends knallpink leuchten. Von dort führt die Century Avenue hinaus zum Expo Park und dem 2012 eingeweihten Himalayas Center.

          Enthusiastisch aufgenommen

          Das Himalayas Center, entworfen vom Stararchitekten Arata Isozaki und finanziert von der chinesischen Immobilien- und-Tourismus-Gruppe Zendai, beherbergt eine Luxury-Shopping-Mall, Kinos, eine Konzerthalle, ein Fünfsternehotel der Jumeirah-Gruppe aus Dubai und ein Kunstmuseum. Die Kultur ist zwischen Glaskuben eingebettet in eine organische Struktur, die an Baumwurzeln erinnert. Das „Zendai Himalayas Art Museum“ wurde mit einer Retrospektive des britischen Bildhauers Tony Cragg eingeweiht. In diesem Jahr wird die Ehre dem abstrakten Maler Sean Scully zuteil. Die Ausstellung ist ein Projekt von Philip Dodd, ehemals Direktor des Institute of Contemporary Art (ICA) in London und seit 2004 CEO der von ihm gegründeten Creative Industries Consultancy „Made in China“. Ihr Ziel ist es „China nach Europa zu bringen und Europa nach China“. Und Europa, das ist die Malerei von Sean Scully.

          Kunst und Shopping an einem Ort zusammenzubringen ist ein Konzept, das besonders in Schanghai enthusiastisch aufgenommen wird. In diesem Frühjahr erreichte es ein neues Niveau, als vierzig Monets aus dem Musée Marmottan in Paris in die „Shanghai K11 Art Mall“ versandt wurden. Die erste Monet-Ausstellung jemals auf dem chinesischen Festland. Adrian Cheng, der als Initiator des Konzeptes gilt, sieht die Kunst als Strategie Luxury-Shopper anzuziehen, die sonst schnell gelangweilt seien. „Museum-Malls“, wie sie auch genannt werden, bringen aber auch Kunst, die sonst der Elite vorbehalten ist, einem breiteren und jüngeren Publikum näher. Die erste „K11“-Mall wurde in Hongkong eröffnet, weitere sind in ganz China geplant. Sie müssen alle mit Kunst gefüllt werden, womit Unternehmerkuratoren wie Philip Dodd, die fein verschnürte Ausstellungspakete mit renommierten internationalen Künstlern verkaufen können, immer mehr gefragt sein werden.

          Auf den ersten Blick ein unverfänglicher Import

          Kunstmarkt und Kunstszene wachsen in China in atemberaubendem Tempo. Im September wurde der Dashanzi Art District in Peking in „Vogues“ Liste der fünfzehn „Coolest Neighbourhoods“ auf Platz 15 aufgenommen, gleich nach Berlin Kreuzberg. Christie’s hielt im Dezember 2013 die erste eigenständige Auktion eines internationalen Auktionshauses auf dem chinesischen Festland in Schanghai ab. Im September wurde zum zweiten Mal eine Auktion mit asiatischer und westlicher Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts abgehalten, angeführt von Warhol, Picasso und Zao Wou-Ki. Vor zwei Monaten folgte die Eröffnung einer neuen repräsentativen Christie’s-Niederlassung in Schanghai. Sotheby’s, das in Peking Auktionen in Partnerschaft mit der staatlichen GeHua Art Company veranstaltet, offeriert bisher nur chinesische Zeitgenossen. Dabei waren bei Sotheby’s seit 2010 mehr als 6000 asiatische Kunden in 90 verschiedenen „nichtchinesischen“ Kategorien aktiv und trugen damit 2,5 Milliarden Dollar zum weltweiten Umsatz bei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Kubaner wird in einem Test mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten Soberana 2 geimpft.

          Raúl Castro tritt in Kuba ab : Brüder, zur Sonne, zur Impfung

          Weil sie sonst wenig vorzuweisen hat, setzt Kubas Regierung die Hoffnung auf seine Impf-Forscher und ein paar Reformen: Raúl Castro gibt die Parteiführung ab – an einen Hardliner. Doch der eigentliche starke Mann ist ein anderer.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 17. März bei einem Krankenhausbesuch am Stadtrand von Paris

          Öffnungen in Frankreich : Macron kümmert sich nicht um Inzidenzwerte

          Frankreich arbeitet an einem abgestuften Öffnungsplan nach britischem Vorbild – trotz hoher Infektions- und Todeszahlen. Inzidenzen oder die Auslastung der Intensivstationen sollen bei den Lockerungen keine Rolle spielen.

          Baerbock oder Habeck : Wer kann besser Kanzler?

          Am Montag verkünden die Grünen, wen sie ins Rennen um das Kanzleramt schicken. Wer sich durchsetzt, ist offen. Beide Kandidaten haben Schwächen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.