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Zeitgenössische Kunst : Das Syndikat vom Bärenfell

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In den Folgejahren kauften er und seine Mitstreiter Werke von Sérusier, Dufy, Vuillard, Redon, Girieud, Marquet und Van Dongen. Sechs weitere Werke Picassos kamen 1906 hinzu, und 1908 investierte Level mit tausend Franc ein Drittel des jährlichen Ankaufsbudgets in ein außergewöhnliches Einzelwerk, Picassos „Les Saltimbanques“ von 1905: mit mehr als vier Quadratmetern nicht nur das größte Gemälde, das vom Konsortium in seiner Geschichte erworben wurde, sondern – wie sich beim Verkauf der Sammlung erweisen sollte – die erfolgreichste Investition.

Versteigerung der Sammlung führte zum Erfolg

Im Jahr 1914, zehn Jahre nach Beginn des Aufbaus der Sammlung, sollte der Bär erlegt und das Fell verteilt werden: Am Montag, dem 2.März, um zwei Uhr nachmittags luden die Händler Josse und Gaston Bernheim und Eugène Druet als Experten für moderne Kunst in das Pariser Auktionshaus Hôtel Drouot zur Versteigerung der 145 Werke der Collection „Peau de l’Ours“. Diese erste vollständig der Moderne gewidmete Auktion zog Sammler und Händler, Künstler und Kritiker an: Sie sollte zur Nagelprobe für die neueste Kunst werden, die von den einen als Durchbruch gefeiert und von den anderen noch verspottet wurde.

Von den Künstlern waren Roger de la Fresnaye, Albert Gleizes und Jean Metzinger zugegen, von den Dichtern und Kunstschriftstellern Joachim Gasquet, Max Jacob, Maurice Raynal, André Warnod und André Salmon. Von den Händlern war – neben Druet und den Brüdern Bernheim – Ambroise Vollard gekommen, vor allem aber waren einige wichtige Kunsthändler aus Deutschland angereist: Alfred Flechtheim aus Düsseldorf sowie Georg Caspari und Heinrich Thannhauser aus München.

Der Großteil der Bilder erfüllte die Erwartungen: Werke von Émile Bernard, Pierre Bonnard, Maurice Denis, André Derain, Kees van Dongen, Raoul Dufy oder Othon Friesz wurden fast sämtlich zu dreistelligen Preisen abgesetzt. Die beiden einzigen Bilder von Van Gogh und Gauguin – auch das keine Überraschung – erzielten viertausend und 4200 Franc und wurden von der Galerie Eugène Druet erworben. Die erste wirkliche Überraschung stellten die Werke von Matisse dar: Vier seiner Gemälde erzielten ebenfalls vierstellige Ergebnisse, sein „Stillleben mit Kompottschüssel, Äpfeln und Orangen“ von 1899 übertraf mit fünftausend Franc die Preise für die Gemälde von Van Gogh und Gauguin.

Sieg der neuen Malerei in Frankreich

Die eigentliche Sensation des Nachmittags bildete indes Picasso, der seit Beginn seiner kubistischen Phase als der „Zerstörer“ vom Montmartre galt. Die Collection der „Peau de l’Ours“ hatte jedoch nicht die jüngsten, kubistischen Bilder erworben, sondern einige Hauptwerke aus der Zeit, in der sich Picasso in seinem Atelier im Bateau-Lavoir einen Namen machte: Mit ihnen galt er nun bereits als Klassiker der Moderne. Vor allem musste das für „Les Saltimbanques“ gelten, das – ausgerufen bei achttausend Franc – 11.500 Franc erzielte, die Heinrich Thannhauser für seine Münchner Galerie bewilligte.

Für die Zeitgenossen wie für die Geschichte des Kunsthandels der Moderne markierte dieser Zuschlag einen Sieg der neuen Malerei in Frankreich vor dem Ersten Weltkrieg. Während die Traditionalisten darin, einmal mehr, ein Zeichen für das nahende „Ende der Kunst“ sahen, stürzten Picassos Freunde, allen voran Max Jacob, aus dem Auktionssaal mit dem Schlachtruf „Auf zu Picasso!“, um ihm die Sensation zu berichten.

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