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Warhol zieht in Windsor ein : Die Queen kauft sich selbst

  • -Aktualisiert am

Warhols Porträts von Queen Elizabeth sollten der Königin sicherlich nicht schmeicheln. Jetzt hat sich die Königin mehrere Siebdrucke gesichert - für die königliche Sammlung.

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          Die meisten Porträtisten der Königin versuchen, die Maske zu durchdringen und etwas von der schwer greifbaren Persönlichkeit einer unnahbaren Figur zu vermitteln. Andy Warhol hat das Gegenteil getan. In seinen Siebdrucken aus der Serie, „Reigning Queens“ von 1985, die die vier damals herrschenden Königinnen - Elisabeth II., Beatrix der Niederlande, Margrethe von Dänemark und Ntombi Twala von Swasiland - darstellt, ironisiert der Pop-Künstler das Image des Images durch schreiende Farben und eine an Absurdität grenzende Leere des Ausdrucks.

          Die Monarchinnen werden in einer Folge von jeweils vier unterschiedlich kolorierten Blättern wie ein massenproduzierter Markenartikel präsentiert, ihre Gesichter haben ihre individuellen Züge verloren, sie sind zur Schablone verflacht. Von den vier Königinnen ist die Britische unbestritten die bekannteste. Der Historiker David Cannadine behauptet sogar, es gebe niemanden in der ganzen Geschichte der Menschheit, der so oft abkonterfeit worden sei wie Elisabeth II.

          „Reigning Queens“  mit „Diamantstaub“

          Gerade deswegen trifft Warhols Darstellung als triftiges Sinnbild einer erkennbaren und dennoch rätselhaften Figur des Medienzeitalters einen Nerv. Als Vorlage benutzte er ein Foto, das 1977 für das diamantene Thronjubiläum als offizielles Porträt diente. Mit dem sogenannten Vladimir-Diadem, das die Königin von ihrer Großmutter geerbt hat, dem schweren Collier - ein Geschenk zum goldenen Thronjubiläum Königin Viktorias, für das die Frauen des Empire jeweils einen Penny stifteten -, den Hochzeitsohrringen der Urgroßmutter Königin Alexandra und dem nach dem Vater Elisabeths II. benannten Orden an der Schärpe betont das Bild das Majestätische.

          Der von der Idee des Ruhmes faszinierte Künstler hat einmal bekundet, selbst so berühmt sein zu wollen, wie die Königin. Hätte er sich vorstellen können, dass sein subversives Porträt sich einmal zu den Leonardos und Raffaels, den Rembrandts und Vermeers auf Schloss Windsor gesellen würde?

          Eben das ist jetzt geschehen. Die königliche Sammlung hat im Londoner Kunsthandel zu ungenanntem Preis gerade eine Folge aus der auf eine Auflage von dreißig limitierten Sonderedition der „Reigning Queens“ erworben, die sich von anderen Auflagen dadurch unterscheidet, dass „Diamantstaub“ - tatsächlich fein zermahlenes Glas - über die gezeichneten Linien gestreut wurde, damit es schön glitzert.

          Die vier riesigen Blätter - sie messen einen Meter mal achtzig Zentimeter - werden von November an auf Schloss Windsor in einer Ausstellung mit anderen Porträts der Königin gezeigt, die anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Krönung im Juni stattfindet. Warhols Ruhm wird zwar von der Königin überstrahlt, doch hat er postum immerhin den Aufstieg ins Herz des Establishments geschafft.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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