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Warenwert aus Film und Kunst : Der Monroe-Effekt

  • -Aktualisiert am

Das berühmte Neckholder-Kleid, in dem Marilyn Monroe über dem New Yorker U-Bahn-Schacht stand, hat bei einer amerikanischen Auktion 4,6 Millionen Dollar eingespielt. Was könnte man auf dem aktuellen Kunstmarkt mit dieser Summe alles anstellen!

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          Es macht nichts, wenn das berühmte Neckholder-Kleid der Monroe nach mehr als fünfzig Jahren längst nicht mehr so perlweiß strahlt wie einst im Film „Das verflixte siebte Jahr“. Sagenhafte 4,6 Millionen Dollar hat gerade ein anonymer Bieter in dieses Relikt der amerikanischen Filmgeschichte investiert; das sind umgerechnet 3,21 Millionen Euro. Ein Mythos vergilbt eben nicht, im Gegenteil - zur Erinnerung: Das Kleid, in dem Marilyn Monroe im Jahr 1962 John F. Kennedy ihr berühmtes Geburtstagsständchen „Happy Birthday Mr. President“ sang, kam 1999 gerade auf 1,15 Millionen Dollar, das entsprach damals 2,14 Millionen Mark.

          Doch was ließe sich nicht alles mit 4,6 Millionen Dollar auf dem aktuellen Kunstmarkt anstellen! Man könnte, zum Beispiel, bei Sotheby's in New York nachfragen, ob das im Mai nicht verkaufte Gemälde von Ed Ruscha mit dem ironischen Titel „Honey . . . I twisted through more damn traffic to get here“ im Nachverkauf noch zu haben ist; geschätzt war es auf 3,5 bis 4,5 Millionen Dollar. Oder bei Christie's hätte man sich einfach mal so Warhols „Most Wanted Man No. 3, Ellis Ruiz B.“ geleistet. Auch bei den erst kürzlich von Sotheby's in London versteigerten Hochkarätern aus der Sammlung Dürckheim hätte man, im Saal gut plaziert, fleißig Handzeichen geben können: Der große „Spekulatius“ von Baselitz wäre in greifbarer Nähe gewesen; die New Yorker Galerie Acquavella sicherte ihn sich für 2,8 Millionen Pfund.

          Genauso gut würde Gerhard Richters „Telefonierender“ ins Budget gepasst haben. Wer aber ein leeres Haus übrig hat und nicht nur eine weiße Wand, könnte auch das komplette Angebot von Christie's aus fünfhundert Jahren dekorativer Kunst einpacken - darunter Vasen aus der Zeit Louis XVI. oder ein Service aus dem Besitz eines Gentleman: Gesamtumsatz 2,64 Millionen Pfund. Über die jüngste Art Basel hätte man laufen können und mal hier auf eine kleine Gitarren-Collage von Picasso zeigen, bei Krugier für preisbewusste eine Million Dollar; mal dort bei McKee auf Philip Gustons „Pink Sea“ von 1978 für 2,4 Millionen Dollar. Dazu hätte man sich noch

          Vija Celmins' kleines „Blackboard Tableau #7“ für 400.000 Dollar einpacken können: Man wäre noch immer ungefähr im Rahmen geblieben. Wenn man es nicht so mit der Gegenwartskunst hat, würde das gleiche Spiel natürlich auch auf der European Fine Art Fair in Maastricht funktionieren. Warum sollte man sich dort nicht zu einem Doppelbildnis von Munch bei Beck & Eggeling hinreißen lassen? Die dafür gewünschten 2,45 Millionen Dollar ließen noch gut Luft für eine Landschaft Van Goghs für 975.000 Euro. Wenn es aber unbedingt etwas aus der Traumfabrik Hollywood sein muss, empfiehlt es sich, bis Weihnachten zu warten: Dann kommt es bei Christie's zum großen Liz-Taylor-Showdown mit Schmuck und Kunst - und natürlich mit Kleidern.

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