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Vor Gericht : Es zählt das Urteil der Spezialisten

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Vertrauen auf Kennerschaft: Sotheby’s gewinnt den Prozess um ein angebliches Gemälde des Caravaggio. Im Urteilsspruch äußert sich die Richterin zur technischen Untersuchung.

          Eine Klage gegen Sotheby’s (F.A.Z. am 31. Oktober 2014) wegen Nachlässigkeit im Umgang mit einem Gemälde, das am 5. Dezember 2006 als eine nahezu zeitgenössische Kopie von Caravaggios berühmtem Gemälde „Die Falschspieler“ versteigert wurde, ist zugunsten des Auktionshauses ausgegangen: Das mit 20.000 bis 30.000 Pfund taxierte Bild wurde für 42.000 Pfund einer engen Freundin von Sir Denis Mahon zugeschlagen, dem großen Kenner der italienischen Barockmalerei, in dessen Auftrag die Käuferin wohl handelte. Bei einer Feier zu seinem 97. Geburtstag gab Mahon ein knappes Jahr später bekannt, dass es sich bei dem inzwischen aufwendig untersuchten, für 18.800 Pfund restaurierten und frisch doublierten Bild um eine eigenhändige Kopie des 1987 aus der Versenkung aufgetauchten Originals im Kimbell Museum von Forth Worth, Texas, handle. Eine Zeitung meldete, das ersteigert Werk könne bis zu fünfzig Millionen Pfund wert sein.

          Als diese Nachricht den Vorbesitzer erreichte, fühlte der sich, wie er vor Gericht darlegte, „im Stich gelassen und sehr verärgert, dass Sotheby’s scheinbar schlechte Arbeit geleistet hatte“. Lancelot William Thwaytes beschuldigte die Altmeisterabteilung der Firma, sein Bild weder der hinreichenden technischen Analyse unterzogen zu haben noch die Meinungen angesehener externer Experten eingeholt zu haben. Insbesondere beharrte er darauf, dass Sotheby’s Infrarot-Untersuchungen hätte vornehmen sollen.

          Sotheby’s vertrat den Standpunkt, dass die Altmeisterabteilung die Kompetenz besessen habe, das Bild als eindeutige Kopie zu bewerten, ohne wissenschaftliche Expertisen einholen oder Infrarotaufnahmen in Auftrag geben zu müssen. Die Richterin befand im gestern verkündeten Urteil, dass Sotheby’s berechtigt gewesen sei, sich auf die Kennerschaft seiner „hoch qualifizierten“ Spezialisten in der Altmeisterabteilung zu verlassen. Diese seien „in vernünftiger Weise zu dem Schluss gekommen, dass die Qualität des Gemäldes nicht hoch genug sei, um darauf hinzudeuten, dass es von Caravaggio sein könne“. Auf die kunsthistorische Diskussion über die Bedeutung von Kennerschaft im Verhältnis zum Wert technischer Untersuchung bei der Zuschreibung eingehend, urteilte die Richterin, Sotheby’s habe unter keinerlei Verpflichtung gestanden, eine Infraro-Analyse durchzuführen oder dem Verkäufer zu empfehlen, dies zu veranlassen; Infrarot-Untersuchungen hätten nichts enthüllt, was die Einschätzung des Gemäldes durch Sotheby’s in Frage gestellt hätte.

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